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Politik Oberpfalz
Samstag, 21. April 2018 28° 2

Verkehr

A3-Ausbau kommt in die Spur

Die Autobahn Regensburg-Rosenhof wird auf sechs Spuren verbreitert. Auf die Bauphase richten sich aber bange Blicke.
Von Bernhard Fleischmann, MZ

Regensburg. Regensburg. Autobahn A3 bei Regensburg. Eine mittlerweile als Stauschwerpunkt verrufene Verkehrsader. Es vergeht kaum mehr ein Tag, an dem es hier nicht zu zähem bis stillstehendem Verkehr kommt, häufig auch mehrfach an einem Tag. Das gilt auch für das Stadtgebiet von Regensburg. Dieses wird stets bei Behinderungen auf der Autobahn als Ausweichroute genutzt. Dann aber bricht auch dort prompt und regelmäßig der Verkehr zusammen. Die innerstädtischen Straßen sind selbst ohne den zusätzlichen Umgehungsverkehr stark ausgelastet.

Nun beginnt ein Projekt, das ebenso lange herbeigesehnt wie gefürchtet ist: Die A3 von Regensburg nach Passau wird auf dem 14,7 Kilometer langen Abschnitt vom Kreuz Regensburg bis Rosenhof im östlichen Landkreis auf sechs Spuren verbreitert.

Damit soll die Strecke auf eine wieder ausreichende Kapazität ausgebaut werden. Aber während der Bauphase wird die Situation für die Verkehrsteilnehmer aller Voraussicht nach noch schlimmer werden, als sie es gegenwärtig ohne Baustelle schon ist.

Fünf Jahre soll der Bau ungefähr dauern, hieß es bislang. Es werden wohl eher sechs Jahre werden, lautet der Kenntnisstand von Josef Seebacher, dem Pressesprecher der Autobahndirektion Süd. Sie ist für den Bau verantwortlich. Die Kostenschätzung für den Ausbau beläuft sich momentan auf 155 Millionen Euro.

Klüger wäre es gewesen, man hätte den Ausbau der A3 schon vor 15 Jahren in Angriff genommen, erklärt Seebacher. Inzwischen sei die Verkehrsdichte so hoch, die städtische Bebauung so nah an die Autobahn herangerückt, dass der Bau komplizierter sei und vor allem die damit verbundenen Behinderungen zu erheblichen Problemen führen. Dass die Autobahn inzwischen einen erheblichen Teil des innerstädtischen Verkehrs aufnimmt, macht die Situation nicht besser.

Eine gute Nachricht: Neben Lärmschutzwänden und -wällen soll auch ein besonders lärmmindernder Fahrbahnbelag für mehr Ruhe nahe der Straße sorgen.

Zwar liegt die Baufreigabe des Bundesverkehrsministeriums noch nicht vor. Deswegen gebe es noch keine gesicherten Informationen zum Ablauf des Baus, erklärt Seebacher. Aber dennoch existieren die Planungen für die ersten Maßnahmen.

Es wird bereits gebohrt

Im Prinzip ist es schon losgegangen: Entlang der Strecke wird der Untergrund bereits durch Bohrungen erkundet. Geprüft wird dabei die Statik. Auch die Archäologie ist beteiligt – der Boden wird auf historische Spuren abgesucht.

Ganz wichtig in und um Regensburg – mit unerwünscht großer Aussicht auf Erfolg bei der Suche – ist die Prüfung, ob Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg im Weg liegen. Weil die Autobahndirektion damit rechnet, dass man immer wieder auf solche Bomben stoßen wird, hat sie sich bei der Bauzeit mehr Flexibilität eingeräumt.

Noch für dieses Jahr kündigt die Autobahndirektion an, dass im Bereich der Autobahnbrücke Burgweinting, die über die Eisenbahn führt, gerodet wird. Auch würden die ersten ökologischen Ausgleichsflächen in Angriff genommen. Insgesamt sind hierfür 10,6 Hektar vorgesehen.

Die Autobahnbrücke Burgweinting, die auf knapp 200 Metern Länge 23 Gleise überspannt, ist die erste Maßnahme – Baubeginn im Februar 2018. Vier Jahre Bauzeit sind dafür vorgesehen. Es sind laut Seebacher noch zwei Klagen auf besseren Lärmschutz anhängig. Anfang kommenden Jahres geht es für die Verkehrsteilnehmer auch los mit der Fahrt durch die Baustelle. Es sollen stets vier Fahrstreifen erhalten bleiben, aber eben verengt. Mit welchem Tempolimit gefahren werden muss, steht noch nicht fest.

Klar ist aber laut Seebacher, dass auf der Brücke Burgweinting die befahrbaren Spuren zunächst auf die Nordseite verlegt werden. Die Verkehrsführung während des Baus werde auch nicht in kurzen Abschnitten oder Zeitintervallen wechseln. Geplant ist vielmehr, Autos, Lkw und Busse auf gelb markierten Spuren über längere Baudistanzen auf einer Seite zu führen. Die Details stünden aber noch nicht fest. Das hänge auch sehr stark von der Notwendigkeit ab, querende Straßen offen zu halten. Es wird Stand heute keine ausgewiesenen Ausweichrouten geben, um Verkehr von der Autobahn abzuleiten.

Inklusive der Autobahnbrücke Burgweinting müssen laut Autobahndirektion 16 Brücken neu gebaut werden, sowohl Autobahnbrücken als auch Überführungen. Das sorgt auch im Umfeld der Autobahn für eine Reihe von Baustellen. Wie der Verkehr auf diesen Straßen geleitet werden soll, ist bislang noch unklar. Jedenfalls sollen diese Brücken auf eine Weise ersetzt werden, die möglichst wenige Behinderungen nach sich zieht.

Daher freuen sich Interessenvertreter der Wirtschaft, wie die Handwerkskammer (HWK) Niederbayern-Oberpfalz oder die Industrie- und Handelskammer (IHK) Regensburg, über den lange geforderten Ausbau. Aber es richten sich ebenso bange Blicke auf die Bauphase. Handwerker erlitten schon heute durch Staus auf dem Weg zu ihren Kunden und Baustellen regelmäßig erhebliche Zeitverluste. Das ziehe entsprechende finanzielle Auswirkungen nach sich, erklärt HWK-Hauptgeschäftsführer Toni Hinterdobler. Das Handwerk fordert eine maximale Zusammenarbeit aller Beteiligten, „um einen größeren Verkehrskollaps zu vermeiden“. Ganz ähnlich betrachtet das die IHK. Vom Ausbau der A3 versprechen sich demnach Industrie und Handel eine Erleichterung. Der Verkehr sei eine der größten Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Regensburg.

Doch auch nach der Fertigstellung der A3 werden nicht alle Verkehrsprobleme der Stadt und des Landkreises Regensburg gelöst sein, mahnt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes. Er wünscht sich ein „schlüssiges Gesamtkonzept“, damit einzelne Projekte wie Südspange, Regen- und Donau-Querungen oder eine Stadtbahn nichts ins Leere laufen.

Warten auf den Plan bis Nittendorf

Weil der Bau und die damit verbundenen Folgen konfliktträchtig sein können, will die Autobahndirektion viel Aufmerksamkeit auf Information und Kommunikation richten. Geplant sind eine eigene Internetseite sowie der Einsatz von sozialen Medien und Infoflyern. Derzeit würden Gespräche zur Abstimmung von Informationen mit den betroffenen Kommunen, der Wirtschaft und den regionalen Verkehrsunternehmen geführt.

Nachdem die westlich daran anschließende Strecke ab Kreuz Regensburg bis Nittendorf in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgerückt ist, wird auch dieser ca. 13 Kilometer lange Abschnitt sechsspurig ausgebaut. Beide Maßnahmen zusammen sind auf 371 Millionen Euro veranschlagt. Ein Zeitplan für Regensburg-Nittendorf existiert noch nicht. Bisheriger Stand ist, dass die darin enthaltene Autobahnbrücke bei Sinzing in zehn bis 15 Jahren erneuert werden muss. Bei dieser Brücke würden inzwischen Voruntersuchungen ausgeführt, so die Autobahndirektion. Momentan konzentriert sich die Autobahndirektion aber auf den Abschnitt Regensburg-Rosenhof.

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