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Politik Oberpfalz
Donnerstag, 19. Juli 2018 30° 1

Interview

Müller will auch ohne Amt gestalten

Seit März gehört Emilia Müller aus Bruck nicht mehr dem Kabinett an. Für ihre Zeit nach dem Landtag hat sie schon Pläne.
Von Philipp Seitz

Die ehemalige Staatsministerin Emilia Müller nutzt die für sie ungewohnte Freizeit für ihr Hobby, die Gartenarbeit. Foto: Seitz
Die ehemalige Staatsministerin Emilia Müller nutzt die für sie ungewohnte Freizeit für ihr Hobby, die Gartenarbeit. Foto: Seitz

Bruck.Frau Müller, nach 14 Jahren im bayerischen Kabinett gehören Sie nun nicht mehr der Staatsregierung an.

Ich habe meinen Ausstieg aus der Politik genau geplant. Dazu gehörte auch, dass ich vor über zwei Jahren den Bezirksvorsitz der CSU an Albert Füracker abgegeben habe. Ich finde, auch in der Politik muss man wissen, wann der Zeitpunkt gekommen ist, aufzuhören.

Markus Söder hat Sie nicht mehr als Ministerin berufen. Für Sie kam diese Entscheidung wohl nicht überraschend.

Markus Söder und Emilia Müller im Gespräch am Rande einer Kabinettssitzung. Foto: Archiv/Matthias Balk
Markus Söder und Emilia Müller im Gespräch am Rande einer Kabinettssitzung. Foto: Archiv/Matthias Balk

Wir haben das im Januar schon diskutiert und abgestimmt. Ich habe Markus Söder offen gesagt, dass ich nicht mehr antreten werde. Außerdem habe ich ihm vermittelt, dass ich gar kein Problem habe, wenn er meine Position mit jemandem Jüngeren besetzen möchte. Dass ich nicht mehr in das Kabinett berufen wurde, war für mich deshalb nicht überraschend. Es war der ganz normale Ablauf. Im Laufe von fast 15 Jahren konnte ich in den unterschiedlichsten Aufgabenbereichen viele Themen umsetzen und es ist dann auch richtig, wenn man für sich selbst entscheidet, nicht mehr für den Landtag anzutreten.

Sie haben gesagt, als Politiker sollte man wissen, wann der Zeitpunkt zum Aufhören gekommen ist. Wie sehen Sie das bei Landtagspräsidentin Barbara Stamm, die 73 Jahre alt ist?

Barbara Stamm ist eine exzellente Politikerin, sie ist geschätzt in der Partei und in der bayerischen Politik. Wieder anzutreten, ist eine gut überlegte, persönliche Entscheidung, die ich nachvollziehen kann.

Sie sind nun seit knapp zwei Monaten nicht mehr im Amt. Wie groß war die Umstellung für Sie?

Die Umstellung war natürlich sehr groß, das gebe ich zu. Plötzlich hatte ich am Wochenende keine Koffer mit Post mehr dabei. Jetzt bin ich ganz regulär Landtagsabgeordnete, mache im Landtag meine Arbeit, bin in der Enquete-Kommission „Integration in Bayern aktiv gestalten und Richtung geben“ und freue mich, die Kollegen zu treffen, zu diskutieren und mitzuentscheiden, was es in dieser Legislaturperiode noch zu verabschieden gibt.

Das sagen Wegbegleiter über Emilia Müller und ihre Arbeit:

Welchen Eindruck haben Sie von Ihrer Nachfolgerin, der Münchner Abgeordneten Kerstin Schreyer?

Kerstin Schreyer kenne ich schon sehr lange, wir haben immer gut zusammengearbeitet, auch in der Zeit, als sie noch Integrationsbeauftragte war. Sie macht eine gute Arbeit und als Sozialpädagogin ist die Position der Sozialministerin ihr förmlich auf den Leib geschneidert.

Wie viele Arbeitsstunden hat eine Ministerin jede Woche zu leisten?

Es ist ein Fulltime-Job Job – 16 Stunden pro Tag sind normal. Für mich war besonders die Flüchtlingsthematik eine große Herausforderung, weil für die Unterbringung, anfängliche Registrierung und medizischen Betreuung von tausenden Geflüchteten das Sozialministerium zuständig war. Hier gab es 2015 in der Größenordnung noch keinerlei Erfahrungswerte und wir mussten Pionierarbeit leisten. Ein Ministeramt ist immer eine Herausforderung und erfordert großes Engagement.

Lesen Sie mehr: Die CSU-Abgeordnete Emilia Müller wird nicht mehr für den Landtag kandidieren, kämpft aber für mehr Frauen in der Politik. Ihr Vorbild ist die Kanzlerin.

Wie schwer fällt Ihnen nun die Umstellung?

Am Anfang war es schon etwas befremdlich. Aber ich genieße jetzt meine Freiheit und finde es sehr gut, dass ich meine Zeit selbst einteilen kann. Es bleiben natürlich noch Verpflichtungen: Die Arbeit im Bayerischen Landtag ist vorgegeben. Ich vereinbare auch weiterhin Termine in ganz Bayern und das mache ich sehr gerne. Ich bringe mich nach wie vor in der Partei ein. Aber insgesamt ist es sehr viel lockerer geworden. Ich habe nun mehr Zeit für die Familie, was ich sehr genieße.

In unserem Video spricht Emilia Müller über ihre Pläne für die Zukunft:

Emilia Müller will sich weiter einbringen

Sie wollen nun Ihre Freizeit auch für die Malerei verwenden.

Ich male sehr gerne Aquarelle. Aber ich habe damit noch nicht wieder begonnen, weil es noch sehr viele Dinge gibt, die zuvor erledigt werden müssen. Mit meinem Mann bringe ich etwa zur Zeit unseren Garten auf Vordermann. Nach wie vor lese ich auch sehr viel nebenbei. Die Zeit dafür, habe ich mir aber bereits als Ministerin genommen.

Welches Buch lesen Sie denn gerade?

Ich lese gerade „The Big Five for Life“ von John Strelecky. Es ist ein sehr interessantes Buch. Es ist das dritte Buch in einer Triologie und es beginnt mit dem Bestseller – Das Cafe am Rande der Welt. Es geht darum, das eigene Leben frei zu gestalten, einen Schritt zurück zu treten und sein Leben von außen zu betrachten. Ist es das, was ich mir vorgestellt habe oder muss ich mir mehr Zeit für mich selbst nehmen, zum Nachdenken, zum Entfalten und zum Weichen stellen.

Sie hätten nun die Zeit, in Ihrer Heimatgemeinde Bruck die Politik mitzugestalten.

Nach einer langen Zeit als Ministerin werde ich nicht mehr für den Brucker Marktrat kandidieren. Alles hat seine Zeit. Ich sehe meinen jetzigen Aufgabenbereich für ganz Bayern und möchte speziell für Frauenförderung Weichen stellen. Das ist mir ein sehr wichtiges Anliegen.

Das ist derzeit ja auch ein Thema in der CSU. Sie selbst hatten mehrfach Machtkämpfe mit Männern, die schwierig zu gewinnen waren.

Ich glaube, dass das Frauenthema an der Basis verstärkt angegangen werden muss und in den Ortsverbänden Frauen noch mehr gefördert werden müssen. Es ist mir außerdem ein Anliegen, dass mehr Frauen Führungspositionen übernehmen, und dass Frauen mit Selbstverständlichkeit technische Berufe ausführen. All dies sind Themen, mit denen ich mich auch in der Zukunft gezielt beschäftigen werde.

Kann man sagen, dass Frauen in der Politik ein Handicap haben?

Frauen müssen mit Sicherheit mehr als hundert Prozent Leistung bringen, um sich ein Standing zu erarbeiten. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das Realität ist, auch wenn sich mittlerweile auch viel zum Positiven verändert hat. Mein Standing war ein Gutes, ansonsten hätte ich nicht fast 15 Jahre dem Bayerischen Kabinett angehört – das ist im Vergleich sehr lange.

Müller arbeitete an der Seite von drei Ministerpräsidenten, die längste Zeit mit Horst Seehofer. Foto: Archiv/Andreas Gebert
Müller arbeitete an der Seite von drei Ministerpräsidenten, die längste Zeit mit Horst Seehofer. Foto: Archiv/Andreas Gebert

Sie haben den parteiinternen Machtkampf der CSU aus nächster Nähe erlebt. Es hieß, Sie seien dem Seehofer-Lager zugeordnet.

Ich habe mit drei Ministerpräsidenten eng zusammen gearbeitet. Stoiber hat mich aus dem Europäischen Parlament in die Bayerische Staatsregierung geholt. Unter Beckstein war ich Wirtschaftsministerin. Im Kabinett Seehofer war ich zunächst Europaministerin und dann Sozialministerin. In dieser Zeit habe ich auch mit Markus Söder immer eng zusammen gearbeitet. Deshalb kann man nicht von einer Lagerbildung sprechen. Wir hatten immer eine von Loyalität geprägte Zusammenarbeit und das war wichtig.

Mehr über Emilia Müllers politische Karriere erfahren Sie in unserer Fotostrecke:

Emilia Müller - Szenen einer politischen Karriere

Der neue Ministerpräsident hat eine Kreuzdebatte entfacht. Eine kluge Entscheidung?

Das Kreuz ist ein Zeichen unseres Glaubens und ich bin der Auffassung, dass darüber gesprochen werden sollte. Ich würde mir wünschen, dass sich die katholische Kirche hier in einer anderen Art und Weise einbringt.

Das heißt, Sie unterstützen die Initiative von Markus Söder und finden diese richtig?

Ich finde, dass es richtig ist, dass man über das Kreuz als Symbol unseres Glaubens spricht und das Kreuz gehört ganz einfach bei uns in Bayern dazu.

Emilia Müller gehört dem Kabinett in wechselnden Funktionen seit 2003 an. Foto: Archiv/Sven Hoppe
Emilia Müller gehört dem Kabinett in wechselnden Funktionen seit 2003 an. Foto: Archiv/Sven Hoppe

Werden Sie sich weiterhin aktiv in die Politik einmischen?

Als politischer Mensch werde ich mich auch weiterhin aktiv einbringen. Ich werde weiterhin gestalten und Themen mit umsetzen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass ich nun nicht mehr im Kabinett bin.

Fast 15 Jahre lang gehörte Emilia Müller dem Kabinett an. Hier finden Sie weitere Informationen zu ihrer Person:

Zur Person

  • Verantwortung:

    Die CSU-Politikerin Emilia Franziska Müller brachte sich mehr als 14 Jahre in verschiedenen Bereichen im Kabinett ein. Sie war unter anderem bayerische Europa-, Wirtschafts- und zuletzt bis März diesen Jahres Sozialministerin.

  • Themen:

    Die Flüchtlingsthematik bezeichnete Müller als eine ihrer größten politischen Herausforderungen. So sorgte sich ihr Ministerium unter anderem um die Unterbringung der angekommenen Geflüchteten und verantwortete die medizinische Behandlung.

  • Arbeit:

    Emilia Müller gehört noch bis Oktober dem Landtag an.

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