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Politik Oberpfalz
Sonntag, 19. August 2018 32° 2

Energiewende

Südostlink: Jetzt reden die Bürger mit

In Regensburg findet am Dienstag die Antragskonferenz statt. Gegner der Stromtrasse haben bereits Proteste angekündigt.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Die Stromautobahn Südostlink wird auf über 500 Kilometern Länge von Wolmirstedt nach Isar führen. Foto: dpa
Die Stromautobahn Südostlink wird auf über 500 Kilometern Länge von Wolmirstedt nach Isar führen. Foto: dpa

Regensburg.Die Plakate sind beschriftet und die Einsprüche formuliert. Gegner der geplanten Stromautobahn Südostlink werden am kommenden Dienstag schon vor Beginn der regionalen Antragskonferenz vor der Regensburger Donauarena demonstrieren. Mit der Antragskonferenz beginnt die erste Phase des Genehmigungsverfahrens für das Milliardenprojekt, das Teil des Netzentwicklungsplans im Zuge der Energiewende ist. Bereits beim Termin für den Abschnitt nördliche Oberpfalz in Weiden, der Anfang Mai stattfand, machten Umweltschützer ihre ablehnende Haltung deutlich. Sie fordern Investitionen in Speichertechnologien vor Ort statt Erdkabel, die den Strom vom Norden in den Süden Deutschlands transportieren.

Vor vier Jahren trat in Deutschland das sogenannte Bundesbedarfsplangesetz in Kraft, das die Stromversorgung der Bürger sichern soll. Mehr als 2500 Kilometer Stromtrassen sollen im Zuge der Planungen neu gebaut und mehr als 3000 Kilometer nachgerüstet werden. Der Südostlink soll bis zum Jahr 2027 auf einer Länge von über 500 Kilometern Strom vom Umspannwerk Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt nach Isar bei Landshut transportieren. Er würde nach dem derzeit favorisierten Korridor die Landkreise Tirschenreuth, Neustadt/Waldnaab, Schwandorf und den Landkreis Regensburg durchqueren.

Zehn Millionen Euro pro Kilometer

Nach enormen Protesten der Bevölkerung gegen neue Hochspannungsleitungen, die sogenannten Monstertrassen, wurde beschlossen, dass die Stromautobahnen größtenteils unter der Erde verlaufen sollen. Die Kosten, die die Steuerzahler über eine Umlage tragen, haben sich dadurch allerdings vervielfacht. Ein Kilometer Erdverkabelung erfordert die Investition von rund zehn Millionen Euro. Allein für den Südostlink werden rund fünf Milliarden Euro veranschlagt, insgesamt belaufen sich die Hochrechnungen für den Netzausbau auf Kosten von bis zu 28 Milliarden Euro.

Gegner der Stromtrasse argumentieren, dass keine Energie aus Windkraftwerken aus dem Norden nach Bayern transportiert wird, sondern Braunkohlestrom. Die Netzbetreiber des Südostlink, 50Hertz und Tennet, räumen ein, dass auch Braunkohlestrom durch die Leitungen fließen wird. „So lange wir nicht 100 Prozent erneuerbare Energien produzieren – und da ist noch weit hin – wird die Leitung für beides genutzt“, hatte Lex Hartman, Mitglied der Geschäftsführung bei Tennet, in einem Interview mit unserem Medienhaus bestätigt.

Der derzeit von den Netzbetreibern geplante Verlauf der Stromtrasse:

In Regensburg werde deshalb „nicht nur über das wie und wo, sondern über das ob diskutiert“, kündigte Petra Filbeck vom Bündnis für Atomausstieg und erneuerbare Energien Regensburg (BüfA) an. „Wenn wir es schaffen diesen Trassenverlauf zu verhindern, ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein dritter Versuch eines europaweiten Stromnetzes für billigen Atom- und Kohlestrom auf Kosten der deutschen Stromverbraucher gestartet wird.“

Dass das Projekt am Widerstand der Bevölkerung scheitern könnte, glaubt Hartman dagegen nicht. „Es ist der politische Wille, dass die Leitung kommt und zwar erdverkabelt.“ Die Bürger sollen nun intensiv in die Diskussion eingebunden werden und sich auch mit Vorschlägen beteiligen. Es soll ein sehr transparentes Verfahren werden, hatte Hartman versprochen.

Die Bundesnetzagentur, die die Antragskonferenz zum sogenannten Abschnitt D (Gebiet südlicher Landkreis Schwandorf, Landkreis Regensburg, Landkreis Straubing-Bogen, Landkreis Landshut) veranstaltet, rechnet mit bis zu 300 Interessierten in Regensburg. Bereits jetzt könne man sich online für die Veranstaltung registrieren, es sei aber auch noch eine Anmeldung vor Ort möglich, so Pressesprecher Olaf Peter Eul.

„Erhoffen uns wertvolle Hinweise“

Die Tagesordnung wird neun Punkte umfassen. Nach der Vorstellung des Prozederes gibt es Informationen zum Vorhaben, die Vorschlagstrassenkorridore und Alternativen und die Konverterstandorte werden vorgestellt. Danach können die Bürger zur Raumverträglichkeit, zum Gebiets- und Artenschutz und den Umweltauswirkungen Stellung nehmen. Jeder Besucher könne von seinem Rederecht Gebrauch machen, sagt Eul. Man erwarte sich auch „wertvolle Hinweise von privater Seite“ für die weiteren Planungen. Daneben tragen Behörden und Fachverbände ihre Anliegen und Einwände vor.

Die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger (FW) wird nicht an der Veranstaltung teilnehmen können. Sie sei terminlich verhindert, teilte Landratsamtssprecher Hans Fichtl gestern mit. Schweiger ist eine erklärte Gegnerin der Stromtrasse. „Die Leidtragenden werden am Ende die Oberpfälzer sein, die sich trotz der tiefgreifenden Eingriffe in die Natur weder Arbeitsplätze noch Gewerbesteuereinnahmen erhoffen können“, hatte sie in einem Interview nach Bekanntwerden der Trassenpläne gesagt. Schweiger wird sich von ihrem Referent Harald Hillebrand vertreten lassen. Zudem nehmen Fachreferenten aus den Abteilungen Regionalentwicklung und Umwelt an der Veranstaltung teil und geben Stellungnahmen ab.

Die Antragskonferenz ist der erste Schritt im Rahmen des Genehmigungsverfahrens für den Südostlink bei der Bundesnetzagentur. Auf Basis der Ergebnisse der Konferenzen erstellt die Bundesnetzagentur einen Untersuchungsrahmen mit Vorgaben an die Netzbetreiber Tennet und 50Hertz. Darin können etwa Gutachten zu geschützten Tierarten oder Untersuchungen zu weiteren vorgeschlagenen Alternativen festgelegt werden. Ist der Antrag vollständig, gibt es eine weitere Phase der Bürgerbeteiligung.

In der folgenden Bundesfachplanung steht schließlich der bis zu 1000 Meter breiter Korridor. Der endgültige Weg wird im anschließenden Planfeststellungsverfahren entwickelt. Frühestens 2021 rechnen die Netzbetreiber mit einer Baugenehmigung.

Lesen Sie hier mehr über den geplanten Bau der Stromautobahn:

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