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Er brachte Papst Benedikt die MZ

Johann Brunner trägt seit 46 Jahren die „Mittelbayerische“ aus – Security, ein Schneechaos und Räuber kreuzten seine Wege.
Von Kerstin Hafner, MZ

Treue MZ-Austräger: Johann und Renate Brunner mit einer Mittelbayerischen am Esstisch
Treue MZ-Austräger: Johann und Renate Brunner mit einer Mittelbayerischen am EsstischFoto: Hafner

Regensburg.Als Benedikt XVI. in Regensburg weilte, durfte MZ-Austräger Johann Brunner dem Pontifex seine Mittelbayerische zustellen. Daran erinnert sich der 75-jährige Katholik noch heute gerne, weil es aufregend war mit all der Security, die den Papst weiträumig abschirmte: „Es war der 11. September 2006 und ich sollte 30 Zeitungen ins Priesterseminar bringen, wo der Papst und einige Kardinäle übernachteten“, erzählt er. Die Zeitungen hatte Brunner zu einem Packen zusammengeschnürt, um sie besser tragen zu können. Den Sicherheitskräften war das aber nicht geheuer. Sie schnitten das Band auf und suchten zwischen den Blättern nach unerlaubten Gegenständen. Erst dann durfte Johann Brunner, begleitet von fünf Polizisten, ins Priesterseminar und die Zeitungen vor die Türen legen.

Das Regensburger Priesterseminar liegt auch sonst auf dem Weg des altgedienten MZ-Austrägers. Seit mehr als vier Jahrzehnten betreut Brunner den Bezirk Arnulfsplatz bis Untere Bachgasse, radelt dazu sechsmal die Woche von seiner Wohnung beim Alex-Center über die Steinerne Brücke in die Innenstadt. „Heuer im September waren es satte 46 Jahre“, verrät er mit ein Stolz.

Feierstunde im Verlagshaus

Am heutigen Mittwoch wird er zusammen mit weiteren verdienten Austrägern bei einer kleinen Feierstunde des Verlagshauses geehrt. „Ich mache das nicht nur wegen des zusätzlichen Geldes, sondern vor allem wegen meiner Gesundheit. Ich leide an Diabetes, da tut regelmäßige Bewegung an der frischen Luft gut.“ Ist er trotzdem gesundheitlich mal nicht ganz auf der Höhe, springt seine Ehefrau Renate ein. Sie ist am Ölberg aufgewachsen. „Das Viertel kenne ich wie meine Westentasche“, erklärt sie lachend.

Anderthalb Stunden brauchen sie dort normalerweise zum Verteilen der MZ, aber es waren auch schon mal viereinhalb Stunden. „Der Winter 2003 war unheimlich schneereich und am 14. Januar ging der Räumdienst endgültig in die Knie“, erinnert sich Brunner. Mit dem Rad hat er die Zeitungen 15 Kilometer im Zickzack durch halbmeterhohen Schnee geschoben. „Das war der Wahnsinn und ich weiß es deswegen noch so genau, weil an diesem Abend unser drittes Enkelkind Marcel geboren wurde.“

Der Enkel hält sie auf Trab

Heute hält Marcel seine Großeltern auf Trab, die anderen beiden Enkel sind schon über 20. Nachmittags kommt der 13-Jährige zu Oma und Opa, um seine Hausaufgaben zu machen – und natürlich kocht die Oma für ihn. „Damit entlasten wir unsere Tochter ein wenig. Das machen wir gerne“, sagen die Brunners, denen ein intaktes Familienleben genauso wichtig ist wie die Pflege bayerischen Brauchtums.

„Wir sind seit Jahrzehnten aktiv beim Trachtenverein Bergler Buam“, erzählen sie. Früher waren sie mit den Trachtlern fast jedes Wochenende unterwegs. Seit 2007 ist Johann Brunner Ehrenmitglied. Seine Frau war mal Jugendgruppenleiterin, hat mit den Kindern Volkstänze einstudiert.

„Wir sind echte Stadtmenschen und sozial engagiert“, sagen die beiden über sich. Auf dem Land finden sie es zwar schön, aber dort wäre es ihnen zu langweilig. „Da würden wir ja eingehen“, sind sie überzeugt. Lieber fungiert Johann Brunner einmal die Woche als stellvertretender Mesner in der Dompfarrei Niedermünster und verbringt seine Freitagvormittage gemütlich im Alex Center. Da liest er nach getaner „Frühschicht“ in aller Ruhe seine MZ. Seine Frau, mit der er seit 52 Jahren verheiratet ist, stürzt sich immer als erstes auf die Rätselseite.

Zur Person

  • Johann Brunner

    wurde 1941 in Regensburg geboren und ist ein absoluter Stadtmensch.

  • Mit seiner Frau Renate feierte er vor zwei Jahren Goldene Hochzeit. Das Paar hat zwei Kinder und mittlerweile drei Enkelkinder.

  • 15 Jahre lang

    arbeitete Brunner als Metzger, bevor er 1970 zur Mittelbayerischen Zeitung ging.Für die MZ arbeitete er zunächst als Packer und Packmeister, später in der Druckerei. Mit 60 Jahren ging Brunner in den Vorruhestand, das Zeitung-Austragen behielt er aber bei.

  • Der heute 75-Jährige

    besitzt keinen Führerschein. Die Mittelbayerische Zeitung hat er stets in seinem innerstädtischen Bezirk mit dem Fahrrad verteilt.

  • Auch seine Frau

    trug 22 Jahre lang die MZ aus, sie war rund um die Amberger Straße unterwegs.

Renate Brunner hat bis zu einer Erkrankung 22 Jahre lang ihren eigenen Austrägerbezirk betreut – rund um die Amberger Straße. „Damals hatten wir 80 Hausschlüssel dabei, um die Zeitungen in die Briefkästen stecken zu können. Manchmal haben wir sie auch in den ersten oder zweiten Stock gebracht“, erinnert sich Johann Brunner, der einmal sogar auf dem Weg zu seiner Arbeit überfallen wurde.

Das war vor ungefähr 15 Jahren gegen 5 Uhr früh auf der Steinernen Brücke. Es war August und wurde gerade hell, als ihn drei junge Männer angegangen sind. „Einer drohte mir mit einer Auto-Antenne wie mit einer Peitsche, der andere zog mir das Portemonnaie aus der Gesäßtasche“, kann sich der Austräger noch gut erinnern. Dann liefen die Räuber weg. Brunner radelte so schnell es ging zur Polizei: „Die Beamten setzten mich in einen Einsatzwagen, alarmierten ihre Kollegen und haben die drei betrunkenen Täter noch am selben Morgen geschnappt.“ Johann Brunner ist danach allerdings drei Monate lang nicht mehr über die Steinerne gefahren.

Für den langjährigen MZ-Austräger soll im nächsten Jahr Schluss sein. Schon jetzt plant er seinen letzten Arbeitstag. „Wenn ich gesund bleibe, dann werde ich meine letzten Zeitungen am 30. September 2017 morgens in der Unteren Bachgasse einwerfen.“

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