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Gänswein watscht Papstkritiker ab

Papstsekretär Gänswein präsentiert ein Buch über Benedikt XVI. – er hat nicht nur Grüße aus dem Vatikan im Gepäck.
Von Christine Schröpf, MZ

Papst Benedikt – hier bei seinem Besuch 2011 im kroatischen Zagreb – gemeinsam mit seinem Sekretär, Georg Gänswein. Foto: dpa
Papst Benedikt – hier bei seinem Besuch 2011 im kroatischen Zagreb – gemeinsam mit seinem Sekretär, Georg Gänswein. Foto: dpa

München.Schöne Grüße aus dem Vatikan: Die offizielle Präsentation des Interviewbandes „Letzte Gespräche“ – ein Wortwechsel zwischen Benedikt XVI. und dem Journalisten Peter Seewald – startet am Montag in München mit einer freundlichen Botschaft des früheren katholischen Kirchenoberhaupts an die Gläubigen in Bayern. Übermittler ist Papstsekretär Georg Gänswein. Der Kurienerzbischof hat aber auch Kantigeres im Gepäck – für die, die Benedikt wegen einiger Passagen des Seewald-Buches kritisiert hatten. Anstoß erregten etwa Aussagen über eine „Gewerkschaftsmentalität“ der katholischen Kirche in Deutschland. „Getroffene Hunde bellen“, sagt Gänswein dazu knapp. Benedikt habe bei seinen Worten die Sorge eines „alten Hirten“ getrieben, „der weiß, wovon er spricht“.

Einen Rüffel gibt es zudem für den Münchner Erzbischof und Kardinal Reinhard Marx, der 2013 nach dem Rücktritt Benedikts das „Hofstaat-Gehabe“ im Vatikan kritisiert hatte. Diese Bemerkung sei verwunderlich, sie falle auf Marx selbst zurück, meint Gänswein. „Man muss vorsichtig sein mit Behauptungen oder mit Bewertungen, a) wenn man die Situation nicht so gut kennt und b) wenn man dann selber mal die eigene Tür aufmacht.“ Benedikt hatte sich im Interviewband auch selbst dazu geäußert: „Wir haben immer sehr einfach gelebt, schon von meiner Herkunft her. Schon von daher kann ich nicht Hofstil betreiben.“

Benedikt äußert sich auch selbstkritisch

Papstsekretär Georg Gänswein. Foto: dpa
Papstsekretär Georg Gänswein. Foto: dpa

Seewalds Buch ist seit Freitag im Handel. Das Buch fächert das Leben Benedikts auf – von der Kindheit bis zur Zeit nach seinem Rücktritt 2013. Er zeigt sich dabei auch selbstkritisch und räumt etwa ein, die politischen Folgen seiner Regensburger Rede zum Islam und Christentum unterschätzt zu haben. Die Startauflage von 50 000 Exemplaren verkauft sich nach Worten des Droemer-Verlags sehr gut. Seewald spricht am Montag vom „Hype“ auch in Italien, Frankreich und Polen. Der neue Band wird nach seinen Worten in zwölf Sprachen übersetzt. Die Bild-Zeitung veröffentlichte vorab ganzseitige Passagen. Die Rezensionen sind geschrieben – nicht immer positiv. „Das Papst-Bashing hat in Deutschland ein paar Großmeister hervorgebracht“, sagt Seewald.

Die Buchpräsentation ist eher Vortragsveranstaltung als Pressekonferenz. Papstvertrauter Gänswein kämpft gegen Legendenbildungen über den früheren Papst. Er nennt ihn den „wohl letzten abendländischen Monarchen an der Spitze der katholischen Kirche, dem Macht nie etwas bedeutet hat“. Falsch sei die Behauptung, es knirsche im Verhältnis zwischen Benedikt XVI. und seinem Nachfolger Franziskus. Längere Passagen im Buch erzählen das Gegenteil.

Lob für Franziskus

Franziskus habe eine „neue Frische“ in die Kirche gebracht, „eine neue Fröhlichkeit, ein neues Charisma, das die Menschen anspricht“, lobt Benedikt XVI im Interview mit Seewald. Der Papst im Ruhestand stellt auch klar, dass er allein wegen seines schlechten Gesundheitszustands und nicht zermürbt durch Affären und Verrat im Vatikan zurückgetreten sei. „Es war keine Flucht. Rom brannte nicht und sein Haus war wohl bestellt“, sagt Gänswein.

Rund 100 Gäste sind am Montag zur Buchpräsentation gekommen – unter ihnen der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken, Albert Schmid. Den neuen Interviewband mit Benedikt XVI. kennt er bisher nur in Auszügen. Er werde sein Papstbild aber nicht korrigieren müssen. „Ich kenne ihn seit 47 Jahren. Zuletzt habe ich ihn Anfang des Jahres mit meiner Frau im Vatikan besucht.“ Schmids Urteil über das frühere katholische Kirchenoberhaupt steht fest. „Ein Mann, der in der Preisklasse der großen Kirchenlehrer anzusiedeln ist.“

Journalist Peter Seewald.
Journalist Peter Seewald. Foto: dpa

Seewald arbeitet gerade an einer großen Papstbiografie. Weitere Inhalte seiner Gespräche mit Benedikt XVI. werden darin einfließen. „Keine Enthüllungen“, sagt er. Es geht stockend voran. Der Verlag wartet. Der Autor hofft, auf weitere ein oder zwei Gesprächsstunden mit dem früheren Papst.

Benedikt XVI. wird im nächsten April 90 Jahre alt. Gänswein wird am Montag nach dem aktuellen Gesundheitszustand des früheren Kirchenoberhauptes gefragt. „Oberstübchen: sehr gut. Mit dem Gehwerk ist es schwierig“, sagt er. Der Papst im Ruhestand spüre, dass seine Kraft nachlässt. Gestützt durch einen Rollator mache er aber täglich ein paar Schritte in den vatikanischen Gärten – zum Rosenkranzbeten.

Einen letzten Besuch in Bayern schließt Gänswein aus. „Er selber sagt: Ich werde den Vatikan nie mehr verlassen.“

Papst Benedikt hatte vor zehn Jahren Bayern besucht. Details dazu lesen Sie hier!

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