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Hinter den Kulissen des Papstbesuchs

Maria Maier fotografierte die Details hinter dem Großereignis vor zehn Jahren. Das Diözesanzentrum zeigt die Bilder.
Von Julia Meidinger, MZ

Benedikt XVI. interessierte die Fotografin Maria Maier als Motiv nicht. Sie machte es sich zur Aufgabe, das vermeintlich Unwesentliche, sich hinter den Kulissen Abspielende mit der Linse einzufangen.
Benedikt XVI. interessierte die Fotografin Maria Maier als Motiv nicht. Sie machte es sich zur Aufgabe, das vermeintlich Unwesentliche, sich hinter den Kulissen Abspielende mit der Linse einzufangen. Foto: Meidinger

Regensburg. Kanaldeckel, die mit Klebeband verschlossen worden sind, eine Reihe von blauen Dixi-Klos vor einem Wohnhaus, ein Absperrgitter, dessen Stäbe lange Schatten auf den Asphalt werfen: Zehn Jahre sind seit der Entstehung dieser Fotografien vergangen. Damals fieberte ganz Deutschland dem Besuch des neuen Papstes entgegen – die Künstlerin Maria Maier nahm dies zum Anlass, sich im Zentrum der bayerischen Städte München und Regensburg umzusehen. Die Frage, die sie beschäftigte: Wie verändert ein solcher Besuch das Stadtbild? Nicht die Bilder von Benedikt XVI. und den Menschenmassen, die später entstanden und um die ganze Welt gingen, interessierten die Fotografin. Sie machte es sich zur Aufgabe, das vermeintlich Unwesentliche, sich hinter den Kulissen Abspielende mit der Linse einzufangen.

Manche Bilder regen zum Schmunzeln an

Anlässlich des 10. Jahrestags will Maria Maier ihre Bilder noch einmal der Öffentlichkeit zeigen. Am Donnerstag eröffnete sie gemeinsam mit der Leiterin der Kunstsammlungen, Maria Baumann, und Domvikar Werner Schrüfer ihre Ausstellung „Andenken zum Papstbesuch“ im Diözesanzentrum Obermünster.

Das bewusste Weglassen des vermeintlich Zentralen sei das Besondere an den Fotografien von Maria Maier, erklärte Schrüfer. „Sie geht an die Ränder, sie interessieren die Umstände und das Umfeld. Das, was höchstens am Rande wahrgenommen wird“, so der Domvikar. Maria Maiers Fotografien zeigen Dinge und Vorgänge, die als solche nicht wahrgenommen werden sollen: Neben den Aufnahmen von logistischen Vorbereitungen wie Überwachungskameras und zahllosen Kabeln regen andere Bilder zum Schmunzeln an: eine übermenschlich große Aufnahme Benedikts, die von Reinigungskräften mit einem Besen sauber geschrubbt wird.

„Ich bin keine Dokumentarfotografin, sondern bildende Künstlerin.“

Maria Maier

Maria Maiers Aufnahmen sind keine einfachen Schnappschüsse, das, was sie auszeichnet, ist – wie Schrüfer es nennt – „eine bizarre Ästhetik“. So sticht bei den Fotos der zahllosen, ins Nichts verlaufenden Kabel, vor allem die interessante Farbkombination ins Auge, ein einfacher Absperrungsstreifen wirkt seltsam farbenfroh auf dem grauen Untergrund. Die Künstlerin betont: „Ich bin keine Dokumentarfotografin, sondern bildende Künstlerin.“

Unsere Berichterstattung zum Papstbesuch vor zehn Jahren können Sie hier nachlesen!

Maria Maier scheute nicht davor zurück, die Vorbereitungen vor dem großen Besuch aus einem kritischen Blickwinkel zu betrachten. „Ich wollte auch zeigen, was vor so einem Ereignis an Geschäftemacherei passiert“, sagt Maria Maier. Aus diesem Grund finden sich zwischen den Logistik-Fotos zahlreiche Aufnahmen von Schaufenstern und Geschäften: Ein Regensburger Hutmacher wirbt mit einem Benedikt-Modell, eine Brauerei mit Papst-Bier und neben einem Ständer mit Deutschland-Fahnen und Fußbällen hängen Flaggen der Vatikan-Stadt.

Heute sind die Aufnahmen vor allem ein Andenken. Es sind sogar Besucher aus Landshut angereist, um sich nochmals an den Besuch zu erinnern – und ihn aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. „Die Leute sollen sehen: So ist der Besuch des heiligen Vaters auch gewesen“, sagte Schrüfer.

Mehr zu Papst Benedikt XVI. lesen Sie in unserem Spezial!

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