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Josefsverein ist stolz auf seinen Joseph

Seit 2005 steht der emeritierte Papst Benedikt XVI auf der Mitgliederliste am Tangrintel. Jetzt wird 20. Geburtstag gefeiert.
Von Dietmar Krenz, MZ

  • Josef Nigl (li.) und Josef Betz präsentieren im Jahr 2005 die Ernennungsurkunde von Papst Benedikt XVI.

Hemau. „Josefi“ am 19. März war bis zum Jahr 1968 in Bayern ein gesetzlicher Feiertag. Der Namenstag des heiligen Josef hatte bis dahin als einer der letzten traditionellen Bauernfeiertage überlebt, bevor auch er abgeschafft wurde. Ein Überbleibsel der großen Verehrung des Schutzheiligen der Handwerker und Zimmerleute sind die kirchlichen Josefsvereine.

Auch am Tangrintel gibt es solch einen Zusammenschluss. Immerhin 81 Mitglieder sind es aktuell, die auf den Namen Josef oder Josefine hören. Darunter ist auch ein ganz besonderes Ehrenmitglied: Joseph Alois Ratzinger, besser bekannt als Papst Benedikt XVI. Der Tangrintler Josefs-Verein ist in Hemau und Umgebung weitum bekannt, allein schon dadurch, dass Vorsitzender Josef Nigl alle seine 80 Josefs und die drei Josefinen quasi persönlich in den Verein gebracht hat!

Den obersten Josef angeschrieben

Die Gründungsmitglieder im Jahr 1997 vor der Wallfahrtskirche Eichlberg
Die Gründungsmitglieder im Jahr 1997 vor der Wallfahrtskirche Eichlberg

Aus einer Bierlaune beim Anblick eines ganzen Tischs voll Seppen heraus ist dann im Jahr 2005 die Idee entstanden, dem neuen Papst als oberstem Josef die Ehrenmitgliedschaft anzutragen. Kassier Josef Betz hatte Benedikt XVI. im Juni 2005 einen Brief geschrieben, in dem er kurz die satzungsgemäßen Ziele des Hemauer Zusammenschlusses darstellte. Demnach hat sich der christliche Traditionsverein der Pflege des Brauchtums und des Andenkens an den Heiligen Josef als Schutzpatron der katholischen Kirche verschrieben. „Wir möchten Sie sehr gerne zum Ehrenmitglied ernennen. Es wäre uns eine sehr große Ehre, wenn Sie, Heiliger Vater, unser Angebot annehmen“, ist in der Vereinschronik zu lesen. „Selbstverständlich“ seien mit der Ehrenmitgliedschaft keinerlei Verpflichtungen verbunden – somit wurde Benedikt XVI. auch der obligatorische Mitgliedsbeitrag erlassen. Eine Urkunde über die Ehrenmitgliedschaft schickten die Hemauer gleich mit in den Vatikan nach Rom. „Wenn er überhaupt antwortet, kann er ja nicht mehr als Nein sagen“, dachten sich die Vorstandsmitglieder um den Vorsitzenden Josef Nigl.

Der Papst ließ antworten: Monsignore Gabriel Caccia, Assessor im Staatssekretariat des Vatikans, bedankte sich in seinem Auftrag „für den Ausdruck der Verbundenheit mit dem universalen Hirtendienst des Nachfolgers Petri“. „Von Herzen“ erteile Benedikt XVI. den Mitgliedern des Tangrintler Josefsvereins den Apostolischen Segen und betrachtete dies laut dem Antwortschreiben als „aufmerksame Geste“. „Die Freude über das neue Mitglied war damals groß“, sagt Josef Nigl. Seitdem wird der heute emeritierte Papst als 70. Mitglied in der Vereinskartei als „Ratzinger Josef Benedikt XVI.“ geführt.

Ähnlich spontan wie der Antrag an den damaligen Papst verlief die Entstehung des Vereins im Jahr 1997. Neun Josefs saßen am Stammtisch im Gasthaus Mirbeth zusammen, als die Bedienung ausrief: „Bei so viel Seppen könnt ihr doch gleich einen Verein aufmachen.“ Gesagt , getan.

Fahne zum Jubiläum angeschafft

Die drei Initiatoren Josef Nigl, Josef Betz und Josef Staudigl luden am 19. März vor 20 Jahren zur Gründungsversammlung ein. Vorher hatten die Josefs in der Wallfahrtskirche auf dem Eichlberg ein Amt zu Ehren des Hl. Josef gefeiert. Das Vereinsziel sollte sein, den Josefitag wieder in christlicher Tradition zu pflegen. „Auch die Wiedereinführung des abgeschafften Feiertags würden wir gerne wieder sehen“, sagt Josef Nigl, der seit 20 Jahren den Verein führt. Als Beitrag wurden damals 10 Mark jährlich festgelegt.

Aus den zwölf Mitgliedern der Gründungszeit sind bis heute 81 Mitglieder geworden. Am Fronleichnamstag 1997 startete der Josefs-Verein das erste Grillfest im Mirbeth-Garten, zunächst nur für die Mitglieder. In den folgenden Jahren wurde die Feier öffentlich und zu einem festen Bestandteil im Vereinsleben am Tangrintel. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens erteilte Pfarrer Karl-Maria Ferges der neuen Vereinsfahne den kirchlichen Segen. Es versteht sich von selbst, dass der Festtag entsprechend gefeiert wurde.

Verein plagen Nachwuchssorgen

„Unser Josefsverein steht sehr gut“, sagt Josef Nigl. „Nur der Nachwuchs bereitet uns große Sorgen.“ Was sicher auch daran liegen mag, dass früher im Freistaat Josef und Josefa weit verbreitet waren. Heutzutage sind diese Vornamen ziemlich aus der Mode gekommen. Doch vielleicht kommt bald mal eine Wende angesichts der globalen Bekanntheit der Josef-Namen wie: Pep, Giuseppe, Bepino, Pepito, Jose, Josephine oder Josip. Prominente Vorbilder gibt es ja mehr als genug.

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Als Feiertag abgeschafft

  • Zimmermann:

    Josef von Nazareth ist im Neuen Testament Bräutigam Marias, der Mutter Jesu. Er wird als Bauhandwerker aus Nazareth vorgestellt und daher in der christlichen Tradition auch als „der Zimmermann“ bezeichnet.

  • Stellung:

    In der katholischen Kirche hat der heilige Josef als „Nährvater Jesu“ eine besondere Stellung. Er ist Schutzherr vieler Pfarrkirchen, Klöster oder Kapellen. Viele Ordensgemeinschaften sowie Bruderschaften und Vereine tragen seinen Namen.

  • Gedenktag:

    Ursprünglich war der 19. März ein Hochfest der römisch-katholischen Kirche. Bereits im Mittelalter haben die Menschen den heiligen Josef geehrt. 1621 wurde der Tag zum Feiertag erklärt und erst 1968 abgeschafft.

  • Jubiläum:

    Am Wochenende steht der 20. Geburtstag des Tangrintler Josefsvereins auf dem Programm. Die Vorstandschaft hat beschlossen, das Jubiläum mit einem Gottesdienst in der Wallfahrtskirche zu feiern. Zuvor gibt es um 9 Uhr ein Gruppenfoto. (wd)

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