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Papstfeier: Marktl im Ausnahmezustand

In Marktl am Inn, dem Geburtsort von Benedikt XVI., wird sein Andenken geehrt – besonders an seinem 90. Geburtstag.
Von Barbara Just, KNA

Zwei Nonnen stehen neben der Benedikt-Säule vor dem Geburtshaus von Papst Benedikt XVI. in Marktl am Inn
Zwei Nonnen stehen neben der Benedikt-Säule vor dem Geburtshaus von Papst Benedikt XVI. in Marktl am Inn Foto: dpa

Marktl. Ein kalter Karsamstag mitten im Frühling soll es gewesen sein. Der Winter war mit Schnee noch einmal zurückgekehrt, als in den frühen Morgenstunden des 16. April 1927 Joseph Ratzinger in Marktl am Inn das Licht der Welt erblickte. Um 4.15 Uhr hatte Maria, die Frau des Gendarmen Joseph Ratzinger, in der Dienstwohnung der Familie am Marktplatz 11 ihr drittes Kind entbunden. Schon gut vier Stunden später, um 8.30 Uhr, taufte Kaplan Josef Stangl den Knaben in der Pfarrkirche Sankt Oswald auf den Namen „Joseph Aloisius“. Fein säuberlich ist das im Taufbuch der Gemeinde festgehalten. Als Patin wurde eine Anna Ratzinger vermerkt.

90 Jahre liegt das Ereignis nun zurück. Dass es der Vorabend von Ostern war, sei in der Familiengeschichte immer vermerkt gewesen, schreibt Benedikt XVI. in seinen Erinnerungen. Wohl auch aus diesem Grund habe er gleich am Morgen mit dem eben geweihten Wasser in der zu jener Zeit am Vormittag gefeierten „Osternacht“ die Taufe empfangen. Die Eltern hätten sich halt gesagt: „Jetzt is er scho do, der Bua, dann wird er natürlich in dieser liturgischen Stunde, die ja eigentlich Taufstunde der Kirche ist, auch getauft.“

In diesem Jahr fällt der runde Geburtstag des emeritierten Papstes auf einen Ostersonntag. In Marktl, das zum Bistum Passau gehört, hat man sich dafür einiges einfallen lassen. Denn es gibt noch ein weiteres Jubiläum zu feiern: Vor zehn Jahren öffneten sich erstmals die Türen des Papstgeburtshauses. Das einstige Kurfürstliche Maut- und Zollhaus von 1745, in dem in den 1920er Jahren die Polizei ihren Sitz hatte, war einige Zeit nach der Papstwahl von einer kirchlichen Stiftung aus Privatbesitz erworben worden. An ihr sind die bayerischen Diözesen und der Freistaat Bayern beteiligt.

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Längst ist es zur Tradition geworden, dass jährlich am 16. April ein treuer Kreis von Marktler Bürgern sich zur Geburtsstunde im entsprechenden Zimmer zum Gebet versammelt und dann zur Erneuerung des Taufversprechens in die Pfarrkirche zieht. Dieses Mal wird alles in die Liturgie der Osternacht eingebunden. Im Hof des Hauses soll das Osterfeuer entfacht werden, wie Pfarrer Josef Kaiser sagt. Mit der entzündeten Osterkerze bewegt sich der Prozessionszug von dort zum Gotteshaus.

Wo das Brauchtum lebendig wird

Und sogar die Taufe eines Mädchens auf den Namen „Elisabeth“ mit frisch geweihtem Osterwasser steht zur frühen Morgenstunde an. Der dafür vorgesehene neugotische Taufstein mit den sechs Engelsköpfchen, gefertigt vom Münchner Hofbildhauer Anton Sickinger, an dem einst der kleine Joseph in die katholische Kirche aufgenommen wurde, fand erst über Umwege 2006 den Weg zurück an seinen angestammten Platz. In Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils war er 1965 bei Umbauarbeiten mit anderen Gegenständen entfernt worden und stand danach, gerettet aus dem Pfarrgarten, über Jahre im Heimatmuseum.

Den emeritierten Papst dürfte das lebendige Brauchtum freuen; ist es ihm doch wichtig, dass genau hier „eine würdige Begegnung mit dem Glauben“ stattfindet. Das gilt vor allem für das Geburtshaus, das zu Ostern in die neue Saison startet. In einer Dauerausstellung wird dort nicht nur über das Leben des einstigen Kirchenoberhaupts informiert, sondern auch die Auseinandersetzung mit moderner Kunst und Fragen der Gegenwart gesucht.

In Joseph Alexander Henselmann hat der Leiter der Einrichtung, Ludwig Raischl, einen markanten zeitgenössischen Künstler dafür gewonnen. Von Henselmann stammt das Papstrelief im Münchner Liebfrauendom. Seine Bilder und Skulpturen sollen die Besucher einladen, sich mit dem Papstwort „Noch nicht in vollem Licht“ zu beschäftigen. Die Diözese hat sich ebenfalls etwas Besonderes zum Papstgeburtstag einfallen lassen und einen Kompositionswettbewerb ausgeschrieben. Das Gewinner-Stück wird am 7. April bekanntgegeben und eine Woche später in der Osternacht im Passauer Dom uraufgeführt. Ein weiteres Mal wird es bei der Ostervesper in Marktl erklingen.

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