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Landtagswahl

Der grüne Trumpf Jürgen Mistol stach

Der Sieger des Sonntags war CSU-Platzhirsch Rieger auf den Fersen. Eng dürfte es für die SPD-Abgeordnete Margit Wild werden.
Von Norbert Lösch

Daumen hoch nach einem sensationellen „grünen“ Wahlerfolg: Jürgen Mistol (l.) mit Stefan Christoph, der für den Bezirkstag kandidierte.Foto: altrofoto.de
Daumen hoch nach einem sensationellen „grünen“ Wahlerfolg: Jürgen Mistol (l.) mit Stefan Christoph, der für den Bezirkstag kandidierte.Foto: altrofoto.de

Regensburg.Das hat es nicht oft gegeben in den Abstimmungslokalen der Stadt: In mitunter langen Schlangen standen Wahlberechtigte am Sonntag geduldig an, um ihre fünf Kreuzchen machen zu können. Die Wahlhelfer berichteten schon gegen Mittag von außergewöhnlich großem Interesse der Regensburger am Urnengang , der heuer ja auch die Abstimmung in Sachen Stadthalle am Ernst-Reuter-Platz beinhaltete. Die amtlichen Zahlen bestätigten diesen Trend am späten Abend: Im Stimmbezirk 305 Regensburg-Stadt hatten fast 73 Prozent aller Wahlberechtigten die Kabinen aufgesucht oder schon vorher per Briefwahl abgestimmt – ein überragend hoher Wert.

Das Ergebnis des Wahlsonntags spiegelt nicht annähernd die jüngste Kommunalwahl von 2014 wider und stellt auch die Resultate des Landtags-Votums von 2013 teilweise auf den Kopf. Verglichen mit den zuletzt erreichten Stimmenanteilen fällt die Einteilung von Verlierern, Siegern und halbwegs Standhaften nicht schwer.

Hier finden Sie alle Ergebnisse aus dem Stimmkreis Regensburg-Stadt:

Schwere Schlappe für Rieger

Die größte Schlappe fügten die Wähler der CSU zu, deren Direktkandidat Dr. Franz Rieger 2013 noch einen Erststimmenanteil von 42,5 Prozent für sich verbuchen konnte und jetzt bei gut 28 Prozent landete. Die traditionell größten Widersacher auf Regensburgs politischer Bühne schenken sich auch in der Niederlage nichts: SPD-Direktkandidatin Margit Wild stürzte von 23,6 Prozent auf 10,8 Prozent ab.

Mehr Bilder vom Wahlabend sehen Sie hier:

Das war der Wahlabend in Regensburg

Rieger wird sein Direktmandat knapp behaupten, geht aber wie seine Partei insgesamt als klarer Verlierer der Wahl vom Platz. Das Siegerpodest im Stimmkreis 305 gebührt einzig und allein dem Grünen-Abgeordneten Jürgen Mistol. Der gelernte Krankenpfleger übertraf das ohnehin sensationelle Ergebnis seiner Partei noch einmal klar und lag mit einem Stimmenanteil von fast 25 Prozent vorübergehend Kopf an Kopf mit der Konkurrenz von der CSU. Das verdeutlicht die erdrutschartigen Bewegungen dieser Landtagswahl in Regensburg: Hier die herben Verluste der politischen Urgesteine von Schwarz und Rot, dort der selbst von kühnsten Optimisten nicht für möglich gehaltene Wahlerfolg des grünen Spitzenkandidaten.

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Den wollte Mistol keineswegs allein für sich in Anspruch nehmen. „Das ganze Team hat einen sehr guten Wahlkampf gemacht – mit prominenter und offenbar wirksamer Unterstützung der Spitzenkandidaten aus Land und Bund“, sagte der Abgeordnete unmittelbar nach Bekanntwerden seines vorläufigen Ergebnisses gegenüber unserer Redaktion.

Ausgezahlt habe es sich aus seiner Sicht auch, möglichst häufigen und engen Kontakt zu Wählern zu suchen – und zwar weit über die obligatorischen Info-Stände hinaus. Die öffentliche Vorführung des neuen Wackersdorf-Films sei so ein Clou gewesen – „nicht um rückwärtsgewandt Schelte zu betreiben, sondern um Lehren für die Zukunft daraus zu ziehen“, so Mistol.

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Derweil rang SPD-Frau Margit Wild bei der von den Parteien selbst inszenierten Wahlveranstaltung im Leeren Beutel um Fassung. Mit einem gerade noch zweistelligen Stimmenanteil nur marginal besser abschneidend als die abgestrafte SPD, bangte sie um ihr Mandat im Maximilianeum. Zwei der vier Oberpfälzer Sitze futsch, da werde es für sie selbst „sehr eng“, wie sie unumwunden einräumte. Die Enttäuschung stand an diesem Wahlabend auch der SPD-Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer ins Gesicht geschrieben.

Freie: Ein Sitz für Radler?

Grund zur Freude hatte dagegen Kerstin Radler, Direktkandidatin der Freien Wähler. Ob sie auf Anhieb einen der voraussichtlich 24 Sitze im Landtag erobern kann, stand zwar am späten Abend noch nicht fest. „Das kann knapp werden, zumal es erfolgreiche parteiinterne Konkurrenz gibt“, sagte Radler im Hinblick auf die vermutlich drei Oberpfalz-Sitze für die Freien Wähler im neuen Landtag. Aber immerhin lag sie gleichauf mit Margit Wild und fuhr mit mehr als zehn Prozent ein ähnlich gutes Ergebnis ein wie ihre Partei auf Landesebene.

Das landespolitische Koordinatensystem hat sich in Regensburg dramatisch verschoben – nicht zuletzt, weil auch die AfD Fuß fasste und fast so viele Erststimmen bekam wie FDP und Linke zusammen.

Den Liveticker zum Wahlabend finden Sie hier zum Nachlesen:

Kommentar

Regensburger Eigenheiten bei der Wahl

CSU-Mann Dr. Franz Rieger ist der große Verlierer des Abends. Beinahe wäre er vom Grünen Jürgen Mistol überholt worden.

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