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Regensburg
Samstag, 26. Mai 2018 28° 2

Umwelt

Neue Offensive für bessere Luft

Regensburg hofft auf eine Millionen-Förderung vom Bund – vor allem für E-Mobilität. Experten finden den Plan zu einseitig.
Von Julia Ried

Fünf Elektrobusse besitzen die Verkehrsbetriebe derzeit. Es sollen mehr werden. Foto: Gruber

Regensburg.In Regensburg sollen bald elektrische Kleinbusse ankommende Touristen zu ihrem Hotel in der Altstadt chauffieren. In Gebieten, die an den öffentlichen Nahverkehr nicht optimal angeschlossen sind, sollen solche E-Fahrzeuge ihre Passagiere sogar fahrerlos zum Ziel bringen. Und Werksgelände sollen auf den letzten Kilometern von E-Lastwagen beliefert werden. Diese Pilotprojekte will die Stadt in den nächsten Jahren verwirklichen: Sie sind Teil der Skizze ihres „Masterplans Luftreinhaltung“, der vor allem Investitionen in Elektromobilität vorsieht. Sowohl ein Experte des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt und Energie als auch Vertreter von Bund Naturschutz und ÖDP finden deshalb, der Plan sei zu wenig breit aufgestellt.

Erarbeitet hat die Stadt ihn als Teilnehmerin am „Sofortprogramm saubere Luft 2017 bis 2020“ der Bundesregierung, ein Ausfluss des Dieselgipfels in Berlin. Sie bekommt vom Bund bis zu 100 000 Euro für die Erstellung eines Masterplans „zur Gestaltung nachhaltiger und emissionsarmer Mobilität“, als eine von 60 so unterstützten Kommunen, in denen die Luft dreckiger ist als erlaubt. Regensburg gehört dazu, weil in den vergangenen Jahren der Jahres-Grenzwert für Stickstoffdioxid von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter knapp überschritten wurde.

Die Stadt hofft auf eine Millionen-Förderung vom Bund. Zwar kann Umweltamtschef Rudolf Gruber noch keine Summe nennen, mit der Regensburg rechnen könnte – und eine 100-Prozent-Förderung aller neun vorgeschlagenen Vorhaben ist laut Gruber nicht realistisch. Doch allein für eines, den Kauf von elf E-Bussen, hält die Stadt eine Investition von 10,3 Millionen Euro für erforderlich. Die Zeit drängt. „Wir müssen den Masterplan bis Ende Juli vorlegen“, erklärte Gruber gestern im Umweltausschuss des Stadtrats, dem er die möglichen Projekte skizzierte. Den definitiven Plan soll ein externes Büro aufstellen.

Auch eine neue App ist geplant

In sieben ihrer Vorschläge setzt die Stadt auf E-Mobilität: Neben den drei eingangs genannten Pilotprojekten möchte sie auch ein Schnellladenetz für E-Fahrzeuge aufbauen. Die Stadtwerke sollen das E-Carsharing ausbauen und die weitere Elektrifizierung der Stadtbusflotte angehen; bisher setzen die Verkehrsbetriebe nur bei den kleineren Altstadtbussen auf den E-Antrieb. Die Stadt will die Elektro-Flotte in ihrem eigenen Fuhrpark weiter ausbauen. Außerdem soll eine neue Anwendung für Handys umweltschonende Mobilitätsformen verknüpfen und so fördern, dass Bürger bequem etwa von der Bahn auf eine gemietetes Fahrrad oder E-Auto umsteigen können. Ein öffentliches Fahrradvermietungssystem soll kommen.

Elektrofahrzeuge sind heute noch nicht der Weisheit letzter Schluss.“ Thorsten Koska, Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie

Thorsten Koska, Projektleiter für Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik am Wuppertal-Institut, sagte zu diesem Paket: „Das geht in die richtige Richtung. Maßnahmen, die insgesamt sehr gut für die Luftreinhaltung wirken, sind natürlich welche, die weniger Autos auf die Straße bringen. Indem ich den öffentlichen Verkehr, den Radverkehr, die Kombination von Verkehrsmitteln oder Carsharing fördere, setze ich Anreize dazu, das Auto stehenzulassen.“ Koska hält es für sinnvoll, an bestimmten Stellen Elektrofahrzeuge einzusetzen, „weil sie lokal keine Schadstoffbelastung haben und sich in vielen Fällen auch schon rentieren“. Doch Kommunen sollten auch Alternativen in den Blick nehmen. Koska erläutert: „Es wird innerhalb der nächsten fünf Jahre keine hundertprozentige Durchdringung mit Elektromobilität geben. Das ist auch nicht schlimm, weil Elektrofahrzeuge heute für manche Nutzungsfelder nicht passend sind, in manchen Fällen noch zu teuer und auch noch nicht der Weisheit letzter Schluss, weil wir momentan noch einen Strommix haben, der nicht hundertprozentig erneuerbar ist.“ Kommunen könnten die Luft auch verbessern, wenn sie die Nutzung von konventionellen Fahrzeugen, die im Realbetrieb besonders sauber sind, fördern. Erdgasfahrzeuge seien in vielen Fällen eine Alternative, um sauberer unterwegs zu sein.

Wasserstoff als Alternative

Auch Raimund Schoberer von der Kreisgruppe Regensburg des Bundes Naturschutz bewertete die Planskizze grundsätzlich positiv. Er würde sich allerdings wünschen, dass die Stadt neben E-Mobilität auch die „wichtige Zukunftstechnologie“ Wasserstoff berücksichtige. „Unsere Partnerstadt Aberdeen setzt stark darauf.“

ÖDP-Stadträtin Astrid Lamby lobte zwar, dass die Stadt so schnell auf das Förderprogramm reagiert habe, doch stellte auch eine „Schieflage in Richtung E-Mobilität“ fest. Der ÖDP fehlen Elemente, die zu einer drastischen Reduktion des Individualverkehrs führen würden. Die Fraktionen des Rathausbündnisses aus SPD, Grünen, Freien Wählern und FDP verteidigten den Plan. Umweltamtschef Gruber erläuterte, die Stadt habe den Entwurf ihres Maßnahmenpakets unter „wahnsinnigem Druck“ erstellt. „Wir sind überschüttet worden mit Papieren.“

Geplante Projekte: Beispiele

  • E-Auto-Sharing:

    Das Angebot der Stadtwerke wird 2018 von zwei auf fünf Fahrzeuge erweitert.

  • Autonome Kleinbusse:

    Regensburg will wie Bad Birnbach fahrerlose Kleinbusse testen.

  • Fahrradvermietung:

    Regensburg will ab 2019 ein Leihsystem einführen.

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