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Stadtbau wird zum Bauträger

Regensburg will vom Staat geförderte Wohnungen für Geringverdiener schaffen. Die Immobilientochter wickelt die Projekte ab.
Von Julia Ried

Unter anderem auf dem ehemaligen Bosch-Gelände soll die Stadtbau Wohnungen für die Stadt entwickeln.
Unter anderem auf dem ehemaligen Bosch-Gelände soll die Stadtbau Wohnungen für die Stadt entwickeln. Foto: Tino Lex

Regensburg.Schon vor Jahren hat die Stadt das ehemalige Bosch-Gelände im Stadtosten gekauft – mit dem Plan, dort Wohnungen für Geringverdiener zu schaffen. Nun hat sie eine wichtige Weiche für dieses und ähnliche Vorhaben gestellt. Sie gründet eine Bauträgergesellschaft bei der städtischen Immobilientochter Stadtbau. Diese soll die Projekte für sie betreuen.

Der Grund dafür: Nur die Stadt als Grundstückseigentümerin und Bauherrin kann die gewünschten Fördermittel aus dem kommunalen Wohnungsbauförderprogramm der Bayerischen Staatsregierung beantragen. Es geht dabei um einen Direktzuschuss, der 30 Prozent der kompletten Investitionskosten abdeckt.

Die Stadt will allerdings die Projekte nicht selbst entwickeln. Ihr fehlt im Wohnungsbau die Expertise. Stadtbau-Chef Götz Keßler erklärt: „Das ist ein riesiger Unterschied, ob ich Wohnungen baue oder eine Schule oder ein Sportzentrum.“

Deshalb beauftragt die Stadt ihre Immobilientochter als „Generalübernehmer für die schlüsselfertige Erstellung von Wohngebäuden“, wie es in der Beschlussvorlage heißt, der gestern der Stadtrat einhellig zustimmte. Die Stadt nimmt die Gebäude ab und zahlt der Stadtbau einen marktüblichen Preis für ihre Leistung. Um den Verwaltungsaufwand bei der Stadtbau in Grenzen zu halten, sei die Gründung einer Bauträgergesellschaft die beste Lösung, erläutert Keßler.

Notwohnanlage für Obdachlose

Bereits 2017 war bekannt geworden, dass die Stadt das rund 5300 Quadratmeter große ehemalige Bosch-Gelände an der Guerickestraße 35 für mehr als vier Millionen Euro gekauft hat. Damals hieß es, die Stadt wolle dort zwar ortsübliche Kaltmieten verlangen, die Wohnungen sollten jedoch durch die einkommensorientierte Förderung für Geringverdiener erschwinglich sein. In Stufe I – Wohnungssuchende in dieser Stufe genießen den höchsten Vorrang – dürfen Mieter beispielsweise als Paar bis zu etwa 31 430 Euro brutto verdienen und als Familie pro Kind 1430 Euro mehr. Ein weiteres Projekt, bei dem die Stadtbau für die Stadt als Generalübernehmer fungieren soll, ist der Bau einer Notwohnanlage für Obdachlose in der Aussiger Straße in der Konradsiedlung im Stadtnorden.

Stadtpolitik

Der Koalitionsvertrag im Experten-Check

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Der Architekturkreis begrüßt die Gründung der Bauträgergesellschaft. Stellvertretender Vorsitzender Andreas Eckl sagt: „Wir sind der Meinung, dass die Stadtbau eine stärkere Rolle bei der Entwicklung von Wohnungen im Sinne des Gemeinwohls einnehmen sollte.“ Deshalb halten die Experten die Gründung einer Bauträgergesellschaft „für einen guten Schritt vor dem Hintergrund, dass sie sich dann leichter tut, diese Rolle mit angemessenen Mitteln auszufüllen“.

Derzeit baut die Stadtbau unter anderem in der Berliner Straße. Foto: Tino Lex
Derzeit baut die Stadtbau unter anderem in der Berliner Straße. Foto: Tino Lex Foto: Tino Lex

Ein klassischer Generalübernehmer werde aus der Stadtbau keinesfalls, versichert Geschäftsführer Götz Keßler. „Es ist definitiv nicht angedacht, dass wir als Bauträger auftreten und Eigentumswohnungen bauen.“ Auch soll das Bauträgergeschäft nur einen kleinen Teil ihrer Tätigkeit ausmachen. Die Schwerpunkte der Stadtbau, die 7070 Wohnungen verwaltet, rund 50 Prozent davon gefördert, sind die Vermietung, Sanierung und zunehmend der Neubau eigener Wohnungen. „Wir werden uns jetzt mehr in die Bauherrenrolle begeben“, kündigt Keßler an.

Größere Rolle der Stadtbau

Das neue Regierungsbündnis aus SPD, CSU, Freien Wählern, FDP und Christian Janele von den Christlich-Sozialen Bürgern verfolgt dem Koalitionsvertrag zufolge das Ziel, „die Rolle der Stadtbau als soziales Wohnbauunternehmen auszubauen und ihre Mietenentwicklung sozialverträglich auszugestalten“. Laut Keßler ist die Stadtbau, die über längere Zeit „Probleme mit der Personalfindung“ hatte, jetzt auch gut aufgestellt für diese Aufgabe.

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