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Wahl

Wolfgang Dersch wird neuer Kulturchef

Der 49-Jährige setzte sich am Donnerstag mit einer großen Mehrheit gegen drei Mitbewerber durch. Amtsantritt ist im Oktober.
Von Heike Haala

Wolfgang Dersch wird ab Oktober als Kulturreferent Klemens Unger folgen. Foto: Haala
Wolfgang Dersch wird ab Oktober als Kulturreferent Klemens Unger folgen. Foto: Haala

Regensburg.Wolfgang Dersch steht vor der weißen Tür zum großen Sitzungssaal im Neuen Rathaus. Drinnen wartet der vollständig versammelte Stadtrat schon auf den Amberger Kulturreferenten. Denn Dersch will Nachfolger des Regensburger Kulturreferenten Klemens Unger werden und muss nun seine Bewerbungsrede im nichtöffentlichen Teil der Sitzung halten. Dersch wirft seinen Kopf in den Nacken, atmet kräftig aus und lockert die Knie. Dann öffnet ihm Personalreferent Karl Eckert die Tür. Mit einer kleinen weißen Karte in der Hand betritt Dersch den Raum. Was auch immer auf diesem Zettel stand, es war das Richtige. Denn dreieinhalb Stunden später wählte der Stadtrat Dersch mit einer großen Mehrheit zum neuen Kulturreferenten.

31 der 50 Stimmen entfallen auf ihn. Kreisheimatpfleger Thomas Feuerer erhält zwölf Stimmen. Jörg Riedlbauer, Kulturdezernent in Biberach in Baden-Württemberg, kann fünf Stadträte überzeugen. Und Dr. Martin Roeder aus Cottbus erhielt zwei Stimmen.

Kurz vor der Wahl war bei den Kandidaten keine Nervosität zu sehen: Jörg Riedlbauer, Kulturdezernent in Biberach in Baden-Württemberg, Kreisheimatpfleger Thomas Feuerer, Martin Roeder aus Cottbus und Wolfgang Dersch (v. l.) . Foto:Haala
Kurz vor der Wahl war bei den Kandidaten keine Nervosität zu sehen: Jörg Riedlbauer, Kulturdezernent in Biberach in Baden-Württemberg, Kreisheimatpfleger Thomas Feuerer, Martin Roeder aus Cottbus und Wolfgang Dersch (v. l.) . Foto:Haala

Sie alle mussten sich am frühen Donnerstagabend einer intensiven Befragung durch die Stadtratsmitglieder stellen. Jeweils eine knappe Viertelstunde, nachdem jeder der vier Kandidaten den Raum betreten hatte, drang Applaus nach draußen. Bei jedem von ihnen sollte es aber noch eine weitere halbe Stunde dauern, bis sie die Fragen der Stadträte vollständig beantwortet hatten. Anschließend zogen sich die Stadtratsmitglieder in ihren Fraktionen zur Beratung zurück.

So lange die Vorstellungsrunde dauerte, so schnell lag dann aber das Ergebnis vor. Inklusive der Bildung des Wahlausschusses aus den Stadträtinnen Evelyn Kolbe-Stockert (SPD), Dagmar Schmidl (CSU) und Maria Simon (Grüne) stand das Ergebnis nach nur einem Wahlgang und zehn Minuten fest. Applaus brandete auf, Dersch ließ sich von Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer gratulieren und setzte seine Unterschrift unter ein Papier, mit dem er die Wahl annahm.

Stadtrat

Das muss der Kulturreferent anpacken

Heute wird in Regensburg der Nachfolger von Klemens Unger gewählt. Wir stellen die sechs großen Baustellen für den Neuen vor.

Dersch, der Netzwerker

Der designierte Kulturreferent gilt als gut nach Regensburg vernetzt. Er ist ein am Richard-Strauss-Konsveratorium in München ausgebildeter Diplommusiklehrer. Seit 2004 ist er bei der Stadt Amberg tätig. Seit zehn Jahren leitet er dort das Referat für Kultur, Sport und Schulen. Als Projekte setzte er hier unter anderem die Neukonzeptionierung der „Alten Feuerwache“, die Gründung des Jugendtheaterclubs und die Erstellung eines Konzepts für den Kulturförderpreis der Stadt Amberg um.

Das wünschen sich die Kulturschaffenden

  • Stefan Göler:

    „Der Referent muss ein tougher Kulturmensch sein, der sich mit aktueller Kunst auskennt und über die entsprechenden Kontakte in der Region verfügen. Außerdem wünsche ich mir, dass er den städtischen Museumsleitern freie Hand bei ihren Entscheidungen lässt.“

  • Kerstin Kratochwill:

    „Ich wünsche mir eine weitere, mutigere Öffnung des Kulturbegriffs, so dass endlich dringend benötigte Räume für die freie kreative Szene geschaffen werden. Die Idee eines wirklichen Kreativzentrums könnte und sollte der neue Kulturreferent vorantreiben.“

  • Peter Morsbach:

    „Wir brauchen jemanden, der komplett in der Kulturszene vernetzt ist und bereit dazu ist, sich mit der gesamten Szene von oben bis untern vertraut zu machen. Ich wünsche mir, dass der Neue die Position der Denkmalpflege gegenüber der Planung stützt und aufbaut.“

•Kulturreferent Klemens Unger Fotos: Hafner
•Kulturreferent Klemens Unger Fotos: Hafner

Klemens Unger hat die Kulturpolitik Regensburgs nun 20 Jahre lang geprägt. Er studierte an den Universitäten Regensburg und München Kunstgeschichte, Geschichte und Erziehungswissenschaften. Mit den Zusatzqualifikationen als Handelsfachwirt und Reiseverkehrskaufmann übernahm er 1984 die Geschäftsführung des Tourismusverbands Ostbayern, 1997 zusätzlich die der neu gegründeten Ostbayern Tourismusmarketing GmbH. Als Kulturreferent liefen etwa das „Fest der Bayern“ zum Millenniumsjahr 2000 sowie die Kunstausstellungen zu Berthold Furtmeyr oder Michael Ostendorfer unter seiner Ägide. Außerdem realisierte Klemens Unger das Haus der Musik und holte das Museum für Bayerische Geschichte nach Regensburg.

Es ist ein reizvoller Posten, den Dersch nun antritt. Er wird einer von sechs Spitzenbeamten der Stadt. Neben dem Kulturreferenten gibt es noch die Referenten für Wirtschaft, Planung, Personal, Bildung und Recht. Ihre Amtszeiten betragen in Regensburg sechs Jahre. Den Referenten sind als Ressortleiter mehrere Ämter unterstellt. Ihre Position ist mit der eines Ministers auf Landes- oder Bundesebene vergleichbar. Über ihnen stehen lediglich noch die Bürgermeister.

Der nächste Wechsel ist in Sicht

Erst vor kurzem bekam die Stadt mit Walter Boeckh einen neuen Rechtsreferenten, der auf Wolfgang Schörnig folgte.Der nächste Wechsel steht Ende des Jahres ins Haus, wenn sich Finanzreferent Dieter Daminger in den Ruhestand verabschiedet.

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