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Energiewende

Alles läuft auf das Naabtal hinaus

Infrastruktur und Luftlinien- Orientierung: Eine der beiden Stromautobahnen wird sehr wahrscheinlich durch die Region führen.
Von Reinhold Willfurth

Die Höchstspannungstrasse soll unter der Erde geführt werden.
Die Höchstspannungstrasse soll unter der Erde geführt werden.Foto: dpa

Schwandorf.Es wird immer wahrscheinlicher, dass mit der „Gleichstrompassage Süd-Ost“ eine der Hauptschlagadern für die Energiewende durch die Region führen wird. Bereits im Herbst will Netzbetreiber Tennet Vorschläge für die durchschnittlich einen Kilometer breiten Untersuchungskorridore vorlegen. Der Favorit steht jetzt schon fest.

Dass sehr vieles für den Bau der Höchstspannungsleitung von Nord- nach Süddeutschland mitten durch die Oberpfalz spricht, zeigt schon ein Blick in ein neues Gesetz mit dem monströsen Namen „Netzausbaubeschleunigungsgesetz Übertragungsnetz“ (NABEG): Die Bundesnetzagentur als federführende Genehmigungsbehörde wird darin angewiesen, den „möglichst geradlinigen“ Verlauf eines Trassenkorridors anhand der Luftlinie zwischen den beiden Endpunkten zu prüfen. Das heißt im Klartext: Es müssten schon schwerste landesplanerische Geschütze aufgefahren werden, um die Trasse via Weiden und Schwandorf zum Endpunkt Ohu bei Landshut noch zu verhindern. Alternativen wie eine zunächst angedachte Trasse entlang der A 9 durch den Landkreis Neumarkt dürften damit aus dem Rennen sein.

Erdkabel auf der Bestandstrasse?

Ein weiteres schwerwiegendes Indiz für die Stromautobahn durch das Naabtal ist der nach wie vor gültige Beschluss des Bundeskabinetts vom Juli vergangenen Jahres für den Bau der Höchstspannungsleitung möglichst bestehende Stromtrassen zu nutzen. Für dieses Vorhaben bietet sich womöglich der Ostbayernring an. Die 185 Kilometer lange Hochspannungsleitung zwischen dem fränkischen Redwitz und Schwandorf wird derzeit für eine Ertüchtigung vorbereitet. In der Nähe von Weiden könnten die beiden Trassen aufeinandertreffen und – theoretisch – zu einer einzigen zusammengefasst werden.

Die Angst vor einem zweiten Mastenwald ist allerdings vorerst gebannt: Nach wütenden Bürgerprotesten hat sich die große Koalition in Berlin auf Druck von Ministerpräsident Seehofer auf die teuere, aber sozialverträglichere Erdverkabelung der beiden Stromautobahnen „Südlink“ im Westen Deutschlands und „Südost“ durch die Oberpfalz geeinigt.

Gegner von „Monstertrassen“ können freilich noch nicht aufatmen. Denn auch bei der Frage „Erdkabel oder Freileitung?“ lässt der Gesetzgeber eine Hintertür für die Mastenlösung offen. Im Bundesbedarfsplangesetz (BBPlG) ist festgelegt, dass eine Freileitung in Betracht kommt, nämlich dann, „wenn die Freileitung in oder unmittelbar neben der Trasse einer bestehenden oder bereits zugelassene Hoch- oder Höchstspannungsleitung errichtet und betrieben oder geändert werden soll“ – allerdings mit der Einschränkung, dass der Einsatz der Freileitung „voraussichtlich keine zusätzlichen erheblichen Umweltauswirkungen“ habe.

Horror vor der Doppel-Freileitung

Von letzterem geht Walter Ostheim aus. Der Sprecher der „Bürgeraktion gegen eine Stromtrasse im Naabtal“ hat gegenüber der MZ sein Horrorszenario geschildert: Die Masten des ertüchtigten Ostbayernrings, die das Stadtgebiet verunstalten und gleich daneben die noch monströseren Gebilde der „Gleichstrompassage Süd-Ost“. Das bayerische Wirtschaftsministerium hat ebenfalls festgestellt, dass eine doppelte Freileitung für die Staatsregierung nicht denkbar ist.

Spekulationen über den Trassenverlauf durch die Oberpfalz hält Carolin Kürth vom Netzbetreiber Tennet für voreilig. Demnächst würden die Vertreter aller betroffenen Landkreise, Kommunen und Fachbehörden „entlang der Luftlinie“ von Hof bis Landshut, zur Diskussion eingeladen – allerdings zunächst über die Art und Weise, wie man bei der Planung der Trasse vorgehen könne. Über die Sommerferien werde Tennet dann auf der Basis dieser Gespräche Trassenvarianten entwerfen, die dann im Herbst vorgestellt würden. Eine Bündelung der Freileitungstrasse des Ostbayernrings mit der Erdkabel-Trasse der Südost-Passage hält die Tennet-Bürgerreferentin überdies nur für „begrenzt sinnvoll“. Schließlich gälten für Erdkabelleitungen ganz andere Regeln als für solche mit freistehenden Masten. „Da gibt es andere Schutzgüter zu beachten“, sagt Kürth. Unterdessen läuft das Raumordnungsverfahren für den Ostbayernring auf Hochtouren. Wie der Sprecher der federführenden Bezirksregierung, Markus Roth, auf Anfrage mitteilt, arbeiten die Fachleute die Stellungnahmen von rund 150 Landkreisen, Kommunen, Fachstellen und Träger öffentlicher Belange und der Öffentlichkeit ausgewertet und die Raumverträglichkeit des Vorhabens unter Berücksichtigung der unterschiedlichen betroffenen Belange bewertet. Dabei würden auch die Anfang März vom bayerischen Heimatministerium angekündigten neuen Abstandsflächen von Höchstspannungsleitungen zu Wohnhäusern „bestmöglich berücksichtigt“.

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