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Südost-Link

Alternative durchs Vilstal beobachten

Landratsamt Amberg-Sulzbach bereitet eine Stellungnahme zu den Plänen von TenneT vor. Erdverkabelung bringt höhere Akzeptanz.

Eine mögliche Alternativtrasse für den Südost-Link sieht TenneT im unteren Vilstal. Die Erdverkabelung sieht Landrat Reisinger als Grund für eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung.
Eine mögliche Alternativtrasse für den Südost-Link sieht TenneT im unteren Vilstal. Die Erdverkabelung sieht Landrat Reisinger als Grund für eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Amberg.Aufmerksam werden im Landkreis Amberg-Sulzbach und speziell im Süden der Region die Pläne des Netzbetreibers TenneT für den geplanten Südost-Link verfolgt: Am 7. März hat TenneT die Planungen für den Vorschlagstrassenkorridor und seiner Alternativen für die geplante Gleichstromleitung von Wolmirstedt nach Landshut der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Trassenkorridore sind das Ergebnis einer umfangreichen Voruntersuchung des gesamten Planungsgebiets durch den Netzbetreiber.

Der Landkreis Amberg-Sulzbach ist nun mit einer Alternativtrasse im Bereich des unteren Vilstals von Ebermannsdorf bis Schmidmühlen von den Planungen betroffen. Ein ursprünglich im nordöstlichen Landkreis von Freihung über Gebenbach nach Freudenberg geplanter Trassenkorridor ist offenbar nicht mehr Gegenstand der Planungen, so eine Mitteilung aus dem Landratsamt.

Entschädigung ist wichtiger Aspekt

„Wir werden unsere fachlichen Stellungnahmen abgeben und aufmerksam beobachten, ob der Landkreis Amberg-Sulzbach am Ende des Verfahrens tatsächlich betroffen sein wird. Die Möglichkeit der Erdverkabelung hat zu einer höheren Akzeptanz des Leitungsbaus in der Bevölkerung geführt. Die Frage der Entschädigung von Grundstückseigentümern ist dabei ein wichtiger Aspekt, der zu einer einvernehmlichen Umsetzung des Projekts Süd-Ost-Link beitragen kann“, so Landrat Richard Reisinger in einem Statement.

Die Brisanz ist bei den Bürgern heraus

Zurückhaltend äußerten sich auch Bürgermeister aus den möglicherweise betroffenen Gemeinden gegenüber unserem Medienhaus. So wies Schmidmühlens Bürgermeister Peter Braun darauf hin, dass sich die Bundestagsabgeordneten der Region in ihren jüngsten Äußerungen sehr beruhigt gezeigt hätten, dass die Trassenführung durch den Landkreis Amberg-Sulzbach vom Tisch sei. „Ich sehe das nicht so. Meiner Meinung nach hält TenneT diese Alternative immer noch für eine ernstzunehmende Option.“ Die Brisanz sei aber bei der Bevölkerung heraus, meinte Braun. „In Gesprächen signalisierten mir die Landwirte ihre Akzeptanz, wenn die Leitung unterirdisch verlegt und ordentlich entlohnt wird.“

Alternativtrasse wäre ein Umweg

Der Ensdorfer Bürgermeister Markus Dollacker gab zu bedenken, das untere Vilstal sei von von der Vorschlags-Trasse nicht betroffen, lediglich von einer Ausweich-Alternative. „Nachdem ja die Trassenführung durch den nördlichen Landkreis weggefallen ist, würde die Alternative durch den südlichen Landkreis einen furchtbaren Umweg bedeuten.“ Deswegen glaube er nicht, dass diese Alternative Realität werden wird. „Sollte diese tatsächlich in Betracht kommen, müssen wir versuchen, innerhalb der Trassenführung in unserem Raum einen gangbaren Weg zu finden. Verhindern würden wir sie wahrscheinlich nicht können“, so Dollacker.

Probleme durch die Geologie

Sein Riedener Amtskollege Bürgermeister Erwin Geitner äußerte auch grundsätzliche Zweifel zur geplanten Gleichstromleitung. „Grundsätzlich wäre das in Ordnung, wenn die Trasse dazu da wäre, den Windstrom von Norddeutschland nach Süddeutschland zu transportieren. Ich habe aber persönlich meine Zweifel, ob es sich wirklich um Ökostrom oder nicht doch um Strom aus den Braunkohlen-Revieren Mitteldeutschlands handeln wird.“ Und zur Trassenführung durch die Gemeindegebiete Ebermannsdorf, Ensdorf, Rieden, Schmidmühlen, also durch den südlichen Landkreis Amberg-Sulzbach, machte er deutlich, dass er diese „aus geologischen Gründen aufgrund der Kalkstein-Region mit ihren Dolinen für sehr problematisch und wenig realisierbar“ halte.

„Sperr-Riegel“ im Bereich Ebermannsdorf

Der Ebermannsdorfer Bürgermeister Josef Gilch gab zu bedenken, dass die Alternativtrasse im Gemeindegebiet den Übungsplatz der Bundeswehr, das Industriegebiet Schafhof West, das rechtskräftige neue Industriegebiet Schafhof Ost und die Sandgruben mit einer Vorbehaltsfläche bis nach Freihöls tangieren würde, dazu den Verkehrsknotenpunkt A 6/B 85; dies verglich er mit einem Sperr-Riegel. Realistisch betrachtet sehe er keine Möglichkeit, „da durchzukommen“. Und auch Gilch betonte, dass die Erdverkabelung deutlich mehr Akzeptanz bringe.

Gleichstromtrasse

  • Proteste nach ersten Plänen

    Das Landratsamt Amberg-Sulzbach verfolgt die Planungen zur Gleichstrompassage Südost bereits, seit der Netzbetreiber Amprion im Januar 2014 in der Nürnberger Meistersingerhalle die ersten Pläne einer Freileitung vorstellte. Dies löste massive Bürgerproteste in den betroffenen Regionen aus.

  • Vorrang für Erdkabel

    Auf Druck der Bayerischen Staatsregierung wurde beim Bund das Gesetz über den Netzausbau geändert, so dass bei Gleichstromleitungen ein Vorrang für Erdkabel verankert und der Endpunkt der Leitung von Gundremmingen nach Landshut verlegt wurde. In Folge hat auch der Netzbetreiber gewechselt.

  • Prüfung der Trassen

    Im nun anstehenden Genehmigungsverfahren gilt, dass die Alternativtrassen mit der gleichen Sorgfalt geprüft werden müssen, wie die Vorschlagstrasse. Die Bundesnetzagentur kann eine Verlegung des Trassenverlaufs am Ende des Verfahrens vom Netzbetreiber verlangen.

So geht es im Verfahren weiter

Nun folgt von den betroffenen Netzbetreibern TenneT und 50hertz der formelle Antrag auf Bundesfachplanung. Dies ist der Auftakt für ein umfangreiches Genehmigungsverfahren. Es ist davon auszugehen, dass die Bundesnetzagentur als zuständige Genehmigungsbehörde das Verfahren zügig voran treiben wird, heißt es aus dem Landratsamt. Das bedeutet, dass den Trägern öffentlicher Belange und auch der betroffenen Bevölkerung wohl nur wenig Zeit für Einwendungen und Stellungnahmen bleibe.

Deshalb bereitet das Landratsamt auf der Grundlage der nun bekannten Trassenkorridore bereits die Stellungnahmen vor, da nicht termingerecht eingereichte Stellungnahmen im Verfahren nicht berücksichtigt werden und nur Beteiligte zu einem Erörterungstermin geladen werden, die eine Stellungnahme abgegeben haben.

Kommunen und Träger öffentlicher Belange sollten sich deshalb frühzeitig mit den nun vorgelegten Plänen auseinandersetzen. Eine grundstücksscharfe Trassenführung wird erst nach Abschluss der Bundesfachplanung durch ein dem nachfolgendes Planfeststellungsverfahren festgelegt. Die immer wieder hinterfragte Notwendigkeit der Gleichstromverbindung ist durch die Bundesnetzagentur bestätigt und durch Bundesgesetz festgelegt. Diese kann nur mit sehr hohem gutachterlichen Aufwand angezweifelt werden, so die Mitteilung abschließend. (age)

Unsere Grafik zeigt Tennets Vorschlag für den Südost-Link:

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