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Energiewende

Boden bereiten für die Stromautobahn

Netzbetreiber Tennet tauschte sich letztmalig mit Beteiligten über die Trasse des „Südost-Links“ aus.
Von Reinhold Willfurth

  • Prototypen für Erdkabel mit drei Adern liegen unter einer Hochspannungsleitung.Foto: dpa
  • Angeregt diskutierten Teilnehmer des Forums mit den Tennet-Mitarbeitern.Foto: Willfurth

Schwandorf.Jetzt ist die Bundesnetzagentur am Zug: Die Fachbehörde erörtert demnächst die Vorschläge des Netzbetreibers Tennet für den Trassenkorridor der Stromautobahn „Südost-Link“ von Sachsen-Anhalt nach Ohu bei Landshut. Mit einem letzten Diskussionsforum beendete Tennet am Freitag in der Oberpfalzhalle den Reigen seiner Bürgerbeteiligungen. Wobei am Freitag ausschließlich Bürgermeister und die Vertreter betroffener Behörden und Verbände gefragt waren.

Zusammenlegung in Frage gestellt

Der Trassenfavorit von Tennet führt weit im Westen an Schwandorf vorbei – und damit auch weit entfernt von der Trasse des Ostbayernrings. Wenn es nach dem Stadtrat ginge, würden sowohl die Gleichstromleitung des „Südost-Links“ als auch die 380-Kilovolt-Wechselstromleitung des Ostbayernrings zusammengelegt – unter der Erde. Sollte die Bundesnetzagentur in ihrem Prüfverfahren zu dem Schluss kommen, dass die Trassenvariante von Tennet genehmigungsfähig ist, sinken die Chancen, dass der Wunsch der Stadt in Erfüllung geht. Walter Ostheim, Sprecher der BI gegen eine Stromtrasse im Naabtal, sieht in den nächsten Jahren zwei Großbaustellen auf die Stadt zukommen: die unterirdische Trasse des Südost-Links (Baubreite bis zu 40 Meter, spätere Korridorbreite mit Baum- und Bauverbot bis zu 20 Meter) im Stadtwesten und den Ausbau der Freileitung des Ostbayernrings auf der bestehenden Trasse. Auch die BI drängt auf die Erdverkabelung beider Hochspannungsleitungen.

Für eine Erdverkabelung des Ostbayernrings gebe es im Gegensatz zum „Südost-Link“ keine gesetzliche Grundlage, weshalb man den Wunsch der Stadt nicht erfüllen könne, so der Standpunkt des Netzbetreibers (wir berichteten). Sollte der Bund die Bündelung der beiden Leitungen doch noch per Gesetz beschließen, gelten laut Stefan Opel, Projektleiter für den Ostbayernring, trotzdem immer noch strenge Regeln für eine Erdverkabelung: Nur wenn die Abstände zur Wohnbebauung nicht eingehalten würden, käme eine Erdverkabelung infrage. Abgesehen von diesem für die Große Kreisstadt so wichtigen stadtplanerischen Problem ging es bei dem Forum am Freitag um Details wie etwa die Frage nach der Erderwärmung durch die unterirdisch verlegten Kabel. Markus Piehler vom Amt für Landwirtschaft in Schwandorf stellte die Frage, ob man die Leitungen auf besonders wertvollen Ackerflächen tiefer legen könne als die üblichen eineinhalb Meter. Er befürchtet durch die Erwärmung vor allem in trockenen Sommerwochen Ernteschäden, zum Beispiel durch zu frühe Abreife von Getreide.

Raimund Kunkel, Technischer Projektleiter bei Tennet, hatte da beruhigende Nachrichten: Der Wärmeverlust der Starkstromkabel entspreche pro Meter gerade einmal 40 Watt. Es sei erwiesen, dass die Witterung einen zehnmal stärkeren Einfluss auf die Bodentemperatur habe als ein Erdkabel. Es sei schon möglich, dass bei kaltem Wetter der Schnee über der Kabeltrasse schmelze. Aber der Eingriff etwa beim Bau der Trasse sei für den Erdboden deutlich stärker als die schwache Abwärme beim Betrieb. Kunkel versprach ein fachmännisch begleitete Rekultivierung der Trasse. Diese werde auch laufend überwacht. Alle vier bis fünf Meter stelle ein mitlaufendes Datenkabel fest, ob es zu einem Stromleck komme. So könne man eventuell auftretende Schäden schnell lokalisieren.

Zu viele Hindernisse im Stadtosten

René Queren vom Netzbetreiber erläuterte, warum die von Tennet favorisierte West-Umgehung einer Umgehung im Osten Schwandorfs vorzuziehen sei. Rund um die Ausfahrt Schwandorf-Mitte baue sich durch Gewerbegebiete und Straßenkreuzungen eine solche Engstelle auf, dass diese Variante von Tennet nicht weiter verfolgt werde.

Carolin Kürth schilderte den Gästen, wie es weitergeht mit der Planung: Die Bundesnetzagentur veranstalte vermutlich im Mai regionale Antragskonferenzen für Bürger und Behörden und anschließend Erörterungstermine. 2020/21 wird der Planfeststellungsbeschluss erwartet. 2025 soll schließlich der erste Strom aus Norddeutschland durch die Leitung fließen – bis zu zwei Gigawatt, das Eineinhalbfache eines gängigen Atomkraftwerks.

Das sagen Beteiligte

  • Thomas Beierl,

    Bayerischer Bauernverband: Wir sind uns einig mit dem Bund Naturschutz, dass wir bei einer dezentralen Energieversorgung den Südostlink gar nicht bräuchten. Die mögliche Erderwärmung ist wohl anfangs etwas hochgekocht worden. Wichtig sind uns wiederkehrende Leistungen für Landwirte, auf deren Grundstück die Trasse verläuft“.

  • Walter Ostheim,

    BI gegen gegen eine Stromtrasse im Naabtal: „Die Situation in Schwandorf ist schon fast der ’worst case‘: Der Südost-Link als Mammutbaustelle im Westen und der Ostbayernring als Freileitung durch das Naabtal im Osten. Wir fordern wie der gesamte Stadtrat die Bündelung von Südost-Link und Ostbayernring unter der Erde“.

  • Peter Zahn,

    Bund Naturschutz: „Wir lehnen die Trasse grundsätzlich ab, deshalb müssen wir uns an etwas beteiligen, was wir eigentlich gar nicht wollen. Bevor wir konkrete Vorschläge zum Nachbessern machen, wollen wir aber warten, bis ein konkreter Trassenvorschlag vorliegt. Bei den ganzen Angaben von Tennet fehlt mir die Nachprüfbarkeit“.

  • Peter Hummel,

    Staatsförster in Schwandorf: „Im Wald werden durch die Trasse Schneisen von rund 15 Meter Breite entstehen. Dort dürfen keine Waldbäume wachsen, was zu Problemen beim Sturmschutz führen kann, wenn der Wald aufgerissen wird. Auch die Waldfunktionen wie Klima- und Emissionsschutz müssen beachtet werden“.

  • Arnold Kimmerl,

    stellvertretender Landrat: „Wo genau die Trasse verläuft, ist ja noch nicht ganz heraus. Örtliche Schwierigkeiten wird es mit Sicherheit geben. Die müssen wir im Dialog überwinden. Dass die Trasse westlich von Schwandorf verlaufen soll, finde ich gut, denn im Osten würde es wegen der Seen und der Gewerbegebiete sehr eng werden“. (fu)

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