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Energiewende

Die Stromautobahn führt durch die Region

Die „Gleichstrompassage Südost“ wird Strom durch den Kreis Schwandorf transportieren. Neue Masten müssen nicht gebaut werden.
Von Reinhold Willfurth

  • So sehen die Erdkabel aus, mit denen Ökostrom aus dem Norden nach Bayern transportiert werden soll.Foto: dpa

Schwandorf. Die gute Nachricht: Die „Monstertrassen“-Gefahr scheint endgültig gebannt. In der Region wird in den nächsten Jahren kein neuer Mastenwald heranwachsen – auch wenn die „Gleichstrompassage Südost“ einmal riesige Strommengen mitten durch die Region transportieren wird, wofür vieles spricht.

Die Lösung, die Netzbetreiber Tennet am Montag quasi amtlich verkündete, lautet: Die Starkstromtrasse von Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt nach Ohu bei Landshut wird komplett unter die Erde gelegt – es sei denn, jemand besteht auf einer Freileitung. Viel mehr wollte der Netzbetreiber den Bundes- und Landtagsabgeordneten aber erst einmal lieber nicht verraten. Man ist vorsichtig geworden, denn die ersten Planungen für die beiden „Lebensadern der Energiewende“, den „Südlink“ und die „Gleichstrompassage Südost“, lösten vor zwei Jahren einen Proteststurm in Bayern aus.

Die nach massivem Widerstand von Ministerpräsident Seehofer in Berlin beschlossene, sozialverträglichere Erdverkabelung verteuert den Transport von Ökostrom aus Norddeutschland in den industriereichen Süden um das Mehrfache. Die Rechnung zahlt der Verbraucher.

Die Leitung sollte also so kurz wie möglich ausfallen. Rund 580 Kilometer lang soll die „Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung“ (HGÜ) von Wolmirstedt nach Ohu sein. Die Luftlinie beträgt nur 406,9 Kilometer. Diese imaginäre Marke ist die Richtschnur der federführenden Bundesnetzagentur für die tatsächliche Planung Eine Trasse bahnt sich ihren Wegund sie führt geradewegs durch das Naabtal. Die Lebensader der Oberpfalz und seine nähere Umgebung ist also der natürliche Favorit für den Trassenverlauf. Am Dienstag gaben die beiden Netzbetreiber Tennet und 50Hertz erste Trassenvorschläge bekannt, die diese Ansicht bestätigen.

Westliche Oberpfalz ist draußen

Es wird also immer wahrscheinlicher, dass eine der beiden Hauptadern der deutschen Energiewende auch durch den Landkreis Schwandorf verläuft. Der von Tennet veröffentlichte Untersuchungsraum schließt eine Trassenführung in der westlichen Oberpfalz entlang der A 9 kategorisch aus. Für die Naabtaltrasse spricht auch die gesetzliche Maßgabe, dass bei Planung und Bau der Erdkabelleitung bestehende Infrastruktur genutzt werden soll. In diesem Fall böten sich die A 93 und die Trasse des Ostbayernrings an, für deren Ausbau derzeit das Planfeststellungsverfahren läuft.

Durch den Landkreis schlängeln sich auf der Karte von Tennet mehrere Trassenvarianten. Manche folgen der Autobahn A 93, wie etwa im Gebiet östlich von Schwandorf und des Städtedreiecks, andere zum Teil der Trasse des Ostbayernrings. Auch westlich von Schwandorf haben die Planer eine Variante eingezeichnet. Sogar östlich des Vilstal existiert eine Alternative, wenn auch weitab von der geforderten Ideallinie. Denkbar wäre für die Planer auch eine Trasse durch das Regental. Eine Bündelung der Starkstromtrasse mit der A 93 hält Landrat Thomas Ebeling für eine gute Idee, eine Kombination mit dem bestehenden Ostbayernring dagegen für weniger gelungen. Eine unterirdische Stromtrasse gleich neben einer bestehenden Freileitung, das sei den Grundstücksbesitzern nicht zumutbar, sagt Ebeling im MZ-Gespräch. Dass die Trasse durch den Landkreis führen wird, hat Ebeling kaum überrascht. Die Planer müssten sich an der Luftlinie orientieren, und die führe nun mal mitten durch den Landkreis. Insgesamt sei die unterirdische Stromautobahn eine „verträgliche Lösung, mit der alle leben können“.

BUND kritisiert Energie-Autobahn

Klaus Pöhler, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz, kann nicht so gut mit der Entscheidung leben, obwohl auch er die Erdverkabelung begrüßt – wenn sie nicht so exorbitant teuer wäre. „Die sieben Milliarden Euro, die das mehr kostet, wären besser in eine dezentrale Energieversorgung investiert gewesen“, sagt Pöhler. Dazu gehöre eine intensive Forschung für die Speicherung von Solar-, Wind- und Bioenergie.

Tennet strebt nach den Worten von Sprecher Lieberknecht eine intensive Bürgerbeteiligung an, bevor Anfang 2017 der Genehmigungsantrag bei der Bundesnetzagentur eingereicht werde. Dafür besuchen Mitarbeiter von Anfang Oktober bis Anfang November 23 Städte entlang der geplanten Trasse, stellen die möglichen jeweils einen Kilometer breiten Trassenkorridor-Alternativen vor, informieren über die Technik und bitten die Bevölkerung um Hinweise zu ihren Planungen.

Das Projekt

  • Energiewende:

    Bis 2022 sollen alle deutschen Kernkraftwerke abgeschaltet werden. In Süddeutschland wird dann weniger Strom produziert. In Bayern entsteht nach Angaben von Tennet eine Stromlücke von 40 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr. Der im Freistaat gewonnene Strom aus regenerativen Quellen allein kann diese Lücke nicht schließen. Die Folge: Bayern muss auch zukünftig trotz des Ausbaus der erneuerbaren Energien und möglicher Gaskraftwerke etwa ein Drittel seines Energiebedarfs aus anderen Bundesländern importieren.

  • Leitungen:

    Für den zusätzlichen Stromtransport reichen die bestehenden Netze nicht aus. Die Gleichstrompassage Südost („SuedOstLink“) ist eine geplante Gleichstrom-Erdkabelleitung zwischen den Netzverknüpfungspunkten Wolmirstedt bei Magdeburg in Sachsen-Anhalt und dem Endpunkt Isar bei Landshut in Bayern. Die rund 580 Kilometer lange Verbindung wird nach Angaben des Netzbetreibers dafür sorgen, dass in erster Linie Strom aus erneuerbaren Energien von Nord nach Süd transportiert werden kann.

  • Planung:

    Das Projekt wird gemeinsam von den Netzbetreibern 50Hertz und Tennet geplant und realisiert. Die Zuständigkeit für den nördlichen Teil bis zur bayerischen Landesgrenze übernimmt 50Hertz, während Tennet den südlichen Teil verantwortet. Beide Projektpartner legen nach eigenen Angaben Wert auf eine transparente Planung und eine frühzeitige Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern, Interessensverbänden, Politik und Behörden. Der Erdkabel-Korridor solle möglichst wenig in die Lebensräume von Mensch und Natur eingreifen.

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