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Politik

Ein Dialog mit offenem Ausgang

Zum Ende des Energiedialoges fällt ein Begriff besonders oft: „Power to Gas“. Dafür war das Pumpspeicher am Osser kein Thema.
Von Stefan Weber

Die bayerische Energie- und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) eröffnete am Montag in München im bayerischen Wirtschaftsministerium den letzten Sitzungstag des „Energiedialogs Bayern“ und stellte die Ergebnisse vor.
Die bayerische Energie- und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) eröffnete am Montag in München im bayerischen Wirtschaftsministerium den letzten Sitzungstag des „Energiedialogs Bayern“ und stellte die Ergebnisse vor. Foto: Tobias Hase/dpa

Lam.Natürlich warteten die meisten am Montag beim Abschlussbericht des bayerischen Energiedialoges auf eine Aussage von Wirtschafts-Ministerin Ilse Aigner zum Ausbau der Stromtrassen in Bayern. Im östlichen Landkreis Cham aber lag ein großes Interesse auch darauf, was die Ministerin zu neuen Pumpspeicherwerken sagen würde, wie sie die Firma Vispiron auf dem Osser gerne genehmigt sehen würde.

PSW von Abgaben befreien

In dem Bericht wie in der anschließenden Pressemitteilung suchen Gegner und Befürworter den Begriff „Pumpspeicher“ allerdings vergeblich. Dafür fällt ein Begriff auffallend oft, als es um die Speicher-Technologien der Zukunft geht: „Power to Gas“ beschreibt ein Verfahren, mit dem überschüssiger Strom aus Windkraft und Photovoltaik in Gas umgewandelt und so dauerhaft gespeichert werden kann.

Bayerns Wirtschaftsministerin versichert auch, dass der Stromtrassen-Ausbau technisch nicht notwendig sei. Dafür sei eine Optimierung der Speichertechnologie wichtig – beim Energiedialog gab es zu diesem Thema eine eigene Arbeitsgruppe. Nur indirekt kommt sie auf Stromspeicher vor Ort zu sprechen. Denn egal wie die Energiewende gemeistert werden sollte: „Der Eingriff in die Landschaft muss auf ein absolutes Minimum beschränkt werden“, sagte Ilse Aigner.

Doch ist das schon eine Absage an die Pumpspeicher? „Dies gilt sowohl für Stromtrassen wie auch den Ausbau der erneuerbaren Energien und mögliche Speichertechnologien“, zeigt sich Erwin Pfeffer vom Aktionsbündnis gegen das geplante PSW auf dem Osser überzeugt. Dass eine Anlage mit Ober- und Unterbecken immer ein Eingriff in die Natur sein wird, sei ja wohl unbestritten.

„Nein“, heißt es am Nachmittag auf Nachfrage aus dem Ministerium. Die Ministerin bleibe zwar bei ihrer Aussage, die sie anlässlich der Machbarkeits-Studie vor einigen Wochen getätigt hatte, dass Pumpspeicherwerke derzeit nicht wirtschaftlich seien. Als Ergebnis fordern die Teilnehmer am Energie-Dialog allerdings, bestehende PSW von Steuern zu befreien, um sie wirtschaftlich betreiben zu können – für neue Pumpspeicher gilt eine Abgabenbefreiung ohnehin bereits. Das ist die einzige Erwähnung, die Pumpspeicherwerke im Ergebnis des Energiedialoges finden. Ansonsten stehen die Gasspeicher im Fokus des Interesses.

Im Umkehrschluss ist es der Ministerin wichtig, dass Speicher vor Ort viel effizienter werden müssten, wenn 2023 die letzten Atomkraftwerke vom Netz gehen. Dann sieht sie diese Speicher aber am besten dort platziert, wo die Atomkraftwerke abgeschaltet und der Stromverbrauch am größten ist.

Am Osser ist das sicher nicht. Nur, ist das ein Argument gegen das Projekt auf dem Hausberg der Lamer – wenn auch nur indirekt geäußert? Pfeffer führt noch an: „Pumpspeicher können nur Stunden oder Tage, nicht über Monate hinweg einen Energieausgleich schaffen.“ Das sei zu wenig, Gasspeicher könnten hier Abhilfe schaffen.

Bei Vispiron werden die Ergebnisse ziemlich gelassen gesehen. „Das war alles relativ unspektakulär“, sagt Carolin Cavadias, Pressesprecherin des Münchner Unternehmens in einer ersten Reaktion. Schließlich würden weder Gutachten noch die Teilnehmer des Energiedialoges bestreiten, dass alle Speichertechnologien derzeit wenig wirtschaftlich, aber für die Zukunft überaus wichtig seien.

„Wir begrüßen die Forderung nach einem ,entschlossenerem und mutigerem Ausbau der erneuerbaren Energien‘ und das Plädoyer für eine sofortige Speicheroffensive“, heißt es aus dem Unternehmen.

Dialog in „schlankerer Form“

Zu den Speichertechnologien habe die Arbeitsgruppe des Energiedialogs festgehalten, dass bei Power-to-Gas Anlagen „noch wesentliche Kostensenkungen nötig“ seien, Pumpspeicherwerke hingegen „von allen derzeit verfügbaren Speichern für elektrische Energie die günstigste Lösung“.

Dass es auch nach der Präsentation der Ergebnisse des Energiedialoges noch offene Fragen gibt, das sieht auch Ilse Aigner. Darum werde das Gespräch mit Experten und Interessensgruppen in „schlankerer Form“ weitergeführt.

„Sicher, sauber und bezahlbar“ gibt die Ministerin als Motto für die Energiewende in Bayern zum Schluss ihrer Rede aus.

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