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Umstieg

Energie? – Machen wir selber!

„Die Wende zur dezentralen Bürgerenergie wagen“ will MdL Tobias Gotthardt. Viele Bürger sind schon einen Schritt weiter.
Von Resi Beiderbeck

Energie selber erzeugen, das klappt auch beim Hühner-Mobil auf dem Schiegl-Hof in Engelsberg. Foto: Beiderbeck
Energie selber erzeugen, das klappt auch beim Hühner-Mobil auf dem Schiegl-Hof in Engelsberg. Foto: Beiderbeck

Brennberg.Durchdachte Energiekonzepte und ein echter Energiewandel statt fatalem Schnellschuss und Flächenzerstörung“: Das sind die Forderungen einer Bürgermeisterrunde, die sich dieser Tage mit MdL Tobias Gotthardt (FW) traf. „Investitionen in Speichertechnik statt in eine Monstertrasse“ – so definiert Gotthardt das „realpolitische Koalitionsvertrags-Rezept“ gegen den SüdOstLink. Die Bürgermeister aus Brennberg, Altenthann, Holzheim am Forst und Donaustauf betonen, ihren Trassenprotest „in großer Geschlossenheit“ fortführen zu wollen. „Diese heimatfressende Trasse geht zu Lasten der bayerischen Bevölkerung und der Energiewende vor Ort“, so der Tenor.

Vier Gemeinden – ein Ziel

Gotthardt und die Gemeindechefs wünschen sich bei ihrem Protest Unterstützung von den Abgeordneten der Grünen im Landtag: „Bekennt euch zur Energiewende, stellt euch gegen den SüdOstLink!“ Die Bürgermeister betonen, dass sie gemeinsam an einem Strang ziehen wollen. „Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren“, stellen Harald Herrmann (Altenthann), Irmgard Sauerer (Brennberg), Jürgen Sommer (Donaustauf) und Andreas Beer (Holzheim) klar.

Franz Löffl produziert mit meiner 11 kw-Photovoltaik-Anlage auf dem Scheunendach drei Mal so viel Strom wie er selber braucht Foto: Beiderbeck
Franz Löffl produziert mit meiner 11 kw-Photovoltaik-Anlage auf dem Scheunendach drei Mal so viel Strom wie er selber braucht Foto: Beiderbeck

Die Stromtrassen-Pläne machen ihnen große Sorgen. In Brennberg könnte die „Höllentrasse“ durch das Himmeltal verlaufen und die wertvolle Landschaft für immer zerstören. Auf der Donaustaufer Trasse stehe das Kulturareal der Walhalla auf dem Spiel. Und im Naabtal würde der Graben wertvolle Flächen durchschneiden. Bürgermeister Jürgen Sommer appelliert, ein deutliches politisches Signal gegen die Stromtrasse zu setzen. „Das muss sich zu einem Fanal entwickeln.“ Statt „sich mit einer Monstertrasse Zeit zu kaufen“, sollte sich nun um innovative Konzepte für die Stromverteilung und -gewinnung gekümmert werden. Neue Ansätze seien gefragt. Für Sommer steht fest: „Die Monstertrasse ist ein totaler Schnellschuss, der sich schon heute selbst überholt hat.“

Solarenergie als stärkste Säule

Das ist auch die Meinung des Landtagsabgeordneten Tobias Gotthardt. Wie im Wahlkampf versprochen setzt er sich gegen die geplante Stromtrasse ein. Rückendeckung erhält er von Bayerns Wirtschaftsminister und stellvertretendem Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger, der sich „als erster Wirtschaftsminister in Deutschland“ klar gegen die Monstertrasse ausgesprochen hat. „Für uns ist klar, dass die Solarenergie die stärkste Säule sein wird“, betont Gotthardt.

Maria Adlhoch möchte ihre PV-Anlage deutlich aufstocken und gut die Hälfte des Stroms auf dem eigenen Hof direkt verbrauchen. Foto: Beiderbeck
Maria Adlhoch möchte ihre PV-Anlage deutlich aufstocken und gut die Hälfte des Stroms auf dem eigenen Hof direkt verbrauchen. Foto: Beiderbeck

Über 90 Prozent der Solarenergie werden nicht in Solarparks, sondern auf den Dächern erzeugt. Eine Kombination aus Solarenergie, Wind- und Wasserkraft sowie Gaskraftwerken sei eine zukunftsweisende Lösung. „Die Gasleitungen sind ja da“, unterstreicht Gotthardt. Es gelte nun, realpolitisch die Trassenpläne zu stoppen und auszuhebeln. Ziel sei es gleichzeitig, zu zeigen, dass sich Bayern selbst versorgen könne „mit regionaler Wertschöpfung“.

Während Europa im „Clean Energy Package“ mittlerweile die Kehrtwende zur dezentralen Bürgerenergie beginnt, setzt der Bund - mit Trassenwahn, Energiesammelgesetz und EU-rechtlich weitgehend überflüssigen Ausschreibevorgaben - weiter starrköpfig auf das zentralisierte Dinosaurierkonzept der Großkonzerne, sagt Gotthardt. Bayern dagegen werde seine Förderung privater PV-Anlagen im 10 000-Dächer-Programm weiter fortführen, denn es liege auch am Verbraucher.

Ludwig Reiter sagt: „Unseren selbst erzeugten PV-Strom nutzen wir per 10 kw-Stromspeicher effizient für Haushalt und Elektroauto.“ Foto: Beiderbeck
Ludwig Reiter sagt: „Unseren selbst erzeugten PV-Strom nutzen wir per 10 kw-Stromspeicher effizient für Haushalt und Elektroauto.“ Foto: Beiderbeck

„Im Grunde sollte die energetische Eigenversorgung Ziel eines jeden Häuslebauers sein“, sagt der Abgeordnete und rennt damit bei Andreas Adlhoch in Wernetsgrub offene Türen ein. Der Jung-Landwirt würde die seit zehn Jahren laufende 26 kw PV-Anlage gerne um 96 kw erweitern und im Durchschnitt gut die Hälfte davon selber verbrauchen. Weil damit aber die gesetzlich festgelegte Obergrenze von 30 kw überschritten würde, muss erst eine Netzverträglichkeitsprüfung erfolgen.

„Die energetische Eigenversorgung sollte das Ziel eines jeden Häuslebauers sein.“

Tobias Gotthardt, Landtagsabgeordneter

Das dauert bis zu acht Wochen und falls sie positiv ausfällt, muss der Landwirt auf eigene Kosten die Zuleitung zum Transformator graben. All das würde er in Kauf nehmen, vorausgesetzt, es rentiert sich dann überhaupt noch. Das Energiesammelgesetz und die drohende Senkung der Einspeisevergütung verhindern praktisch den Ausbau der dezentralen Bürgerenergie, fürchtet er. „Statt eine Unsumme für eine Stromtrasse quer durch Deutschland auszugeben, sollte man dieses Geld lieber für anständige Einspeisevergütungen und intelligente Speicher verwenden“, findet Andreas Adlhoch.

Wie er sind viele Bürger gewillt, ihren Beitrag zur Energiewende zu leisten und tun das bereits. Sei es mit hoch gedämmten Häusern, effizienten Holzheizungen, thermischen Solaranlagen oder Eigenstromnutzung, sei es auf großen Scheunendächern oder kleinen Carports, überall tut sich etwas. Jetzt müssen die Entscheidungsträger schleunigst ihre Pläne für den SüdOstLink aufgeben, fordern die Bürgermeister und der Abgeordnete.

Bürgerinitiative

Stromtrasse Südostlink weckt Widerstand

Die „BI Walhalla Landschaft gegen die Monstertrasse (SuedOstLink)“ befürchtet massive Veränderungen durch den Bau.

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