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Protest

Im Westen wächst der Widerstand

Schwandorfer Bürgerinitiative will den Bau einer Stromtrasse westlich des Ostbayernrings verhindern und sammelt Unterschriften.
von Cornelia Lorenz

  • Die Bürger sind besorgt, dass bald 67 Meter hohe Tragmasten mit 32 Meter breiten Auslegern in Sichtweite ihrer Häuser stehen und vielleicht ihre Gesundheit gefährden. Foto: Zwick
  • Johann Höfler (links) und Hans Woppmann

SCHWANDORF.Der Widerstand wird immer größer: Nachdem sich in Ettmannsdorf bereits vor einigen Wochen Anwohner zur „Bürgeraktion gegen eine neue Stromtrasse im Naabtal“ zusammengeschlossen und in wenigen Tagen nach eigenen Angaben fast 800 Unterschriften gesammelt haben, formiert sich jetzt eine weitere Bürgerinitiative. Die Mitglieder der „BI SAD-West“ wollen verhindern, dass im Westen der Stadt neue Stromautobahnen gebaut werden. Vernünftiger fänden sie einen Neubau der Leitungen auf der bestehenden Trasse – allerdings nur, wenn die Ettmannsdorfer und Krondorfer dort durch Erdverkabelung entlastet werden.

Ostbayernring im Fokus

„Es war schon lange klar, dass wir eine Bürgerinitiative gründen müssen“, sagt Johann Höfler, einer der drei Sprecher der neuen Gruppe – auch wenn derzeit angesichts der politischen Entwicklungen auf Bundesebene große Unklarheit herrscht: Soll, so wie von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) vorgeschlagen, sogar noch eine weitere Stromautobahn, Süd-Ost-Passage genannt, das Stadtgebiet Schwandorfs durchqueren? Niemand weiß im Moment so recht, wohin die Reise gehen wird. Deshalb konzentrieren sich Höfler und seine Mitstreiter auch ganz auf das Thema Ostbayernring. Diese insgesamt 185 Kilometer lange Stromtrasse von Redwitz bis zum Umspannwerk bei Schwandorf will der Netzbetreiber TenneT aufrüsten, um auch für die Zukunft die Versorgung sicherzustellen – was de facto einen Neubau bedeutet. Doch, wo im Raum Schwandorf ist für die dafür nötigen über 65 Meter hohen Masten mit ihren rund 40 Meter breiten Auslegern der ideale Platz? Auf welcher Trasse wird möglichst wenig Natur zerstört, und wo werden die Interessen von Landwirten und Anwohnern am besten gewahrt?

Von Stromleitungen eingekesselt

Höfler selbst wohnt in Naabsiegenhofen und ist den Anblick von riesigen Strommasten von klein auf gewöhnt. Der alte Ostbayernring mit seinen 380-kV-Höchstspannungsleitungen und außerdem noch die 110-kV-Leitung des Bayernwerks verlaufen direkt östlich des kleinen Orts. Doch was auf die Naabsiegenhofener in Sachen Strom noch alles zukommen könnte, will sich Höfler lieber nicht so genau ausmalen. Sollten sich seine schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten, könnte die neue, aufgerüstete Trasse des Ostbayernrings in Zukunft westlich an Naabsiegenhofen vorbeiführen. Dann wäre der kleine Ort von Stromleitungen wie eingekesselt und hätte nach Höflers Meinung keine Chancen mehr auf Wachstum – und das angesichts der Tatsache, dass in Schwandorf Bauland ein äußerst knappes Gut ist. Ein Unding seien deshalb die beiden Trassenvarianten westlich der Stadt, die der Netzbetreiber TenneT vor zwei Wochen in der Oberpfalzhalle präsentiert habe (die MZ berichtete), findet Höfler.

Mit seiner kritischen Haltung gegenüber den TenneT-Trassenplänen steht der Schreinermeister, der in den vergangenen Wochen im sogenannten Trassenuntersuchungsteam des Unternehmens mitgearbeitet hat, nicht allein da: Viele Bürger, die in den kleinen Ortschaften wie Kreith, Irlaching, Gögglbach oder Krumlengenfeld im westlichen Stadtgebiet wohnen, machen sich große Sorgen, dass in der Nähe ihrer Häuser bald riesige Strommasten stehen könnten, dass für die neuen Trassen riesige Schneisen in den Wald geschlagen werden und dass das Gebiet seinen Naherholungscharakter verlieren könnte.

Gefahr für den Mathiassee

Das ist eine Sorge, die auch Hans Woppmann, den zweiten Sprecher der Bürgerinitiative „BI SAD-West“, umtreibt. Er wohnt in der Nähe der Deponie Mathiaszeche, an der beide Trassenvarianten unmittelbar vorbeiführen würden. Eine mögliche Trasse würde sogar den benachbarten Mathiassee auf einer Länge von über 500 Metern und einer Breite von 60 Metern überqueren. „Wie sollen da die Wildgänse und die Enten, die regelmäßig zum See fliegen, noch vernünftig landen können?“, fragt sich Woppmann. Auch für die Badegäste aus der Umgebung werde der See uninteressant, denn kaum jemand habe Lust, unter Hochspannungsleitungen zu schwimmen.

Doch Woppmann und Höfler sehen noch viel mehr Probleme am Horizont auftauchen, sollte sich am Ende eine der beiden westlichen Trassen für den Neubau des Ostbayernrings durchsetzen. Neben dem massiv veränderten Landschaftsbild stößt den beiden auch sauer auf, dass potenzielle Siedlungsflächen für Wohnen und Industrie zerstört werden und der Kreither Forst auf einer Strecke von zwei Kilometern eine bis zu 90 Meter breite Schneise bekommen würde. „Es entstehen viele neue Betroffenheiten bei Mensch, Grund und Boden und der Tier- und Pflanzenwelt“, so das Fazit der Bürgerinitiative.

Deshalb fordern die BI-Sprecher ganz klar: Alle Pläne für Stromtrassen im Westen der Stadt sollen gestrichen werden. Stattdessen setzen sie sich unter anderem dafür ein, die von TenneT verworfene Trasse entlang der Autobahn A93 nochmals näher zu untersuchen. Der Netzbetreiber hatte bislang argumentiert, dass man eine Trasse entlang der A93 bei der Regierung der Oberpfalz niemals genehmigt bekäme, weil sie zu nah an der Wohnbebauung in Kronstetten vorbeiführe und außerdem das Charlottenhofer Weihergebiet durchquere. Woppmann und Höfler sind überzeugt, dass sich in diesen Bereichen deutlich bessere Trassenverläufe entwickeln lassen, die am Ende auch genehmigungsfähig seien.

Eines ist den Mitgliedern der neuen Bürgerinitiative besonders wichtig: Sie wollen den Ettmannsdorfern nicht den schwarzen Peter zuschieben. Denn dort seien die Bürger mit dem bestehenden Ostbayernring und seinen beiden 380- und 220-kV-Leitungen schon seit vielen Jahren genug belastet. Deshalb lautet ein weiterer Vorschlag der BI SAD-West, den Neubau des Ostbayernrings auf der bestehenden Trasse mit Erdkabeln zu realisieren. Mit dieser Lösung können nach Woppmanns und Höflers Meinung alle Schwandorfer gut leben.

Reine Schauveranstaltungen

Als grundsätzliche Gegner von Stromtrassen sehen sich die Mitglieder der neuen Bürgerinitiative nicht. Es ist auch nicht die Angst vor Elektrosmog, die sie auf die Barrikaden treibt. Etwas ärgert sie aber massiv: Sie fühlen sich von TenneT nicht ernst genommen. Ihrer Meinung nach waren die Informationsveranstaltungen zur Trassenfindung reine Schauveranstaltungen. „Das Ergebnis wäre ohne Bürgerbeteiligung das gleiche gewesen“, vermutet Höfler. Um ihren Protest öffentlich zu machen, sind die Mitglieder der BI derzeit in den betroffenen Ortsteilen unterwegs und sammeln Unterschriften, die sie Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) übergeben wollen.

Bürgerinitiative informiert

  • Eingezwängte Ortschaften:

    Eine große Befürchtung der Bürgerinitiative „BI SAD-West“ ist, dass sich für den Neubau des Ostbayernrings die Trassen 2 oder 3 durchsetzen könnten. Vor allem bei Variante 2 würden zum Beispiel Gögglbach, Naabsiegenhofen und Ettmannsdorf von zwei Seiten mit Stromleitungen umspannt. Denn im Bereich der alten Trasse der Ostbayernring-Bestandsleitung verläuft auch eine 110-kV-Leitung des Bayernwerks. Dass diese Leitung möglicherweise auf die neuen Masten des Ostbayernrings aufgesetzt werden können, hatte der Betreiber TenneT bei der Abschlussversammlung in der Oberpfalzhalle in den Raum gestellt. Konkrete Pläne für dieses Projekt gibt es dafür aber laut Bayernwerk bisher noch nicht (siehe Interview).

  • Infoveranstaltung:

    Wer mehr über die Bürgerinitiative BI SAD-West und ihre Argumente gegen Trassen im Westen erfahren möchte, hat dazu am Freitag, 24. Juli, im Wirtshaus Göth in Kreith Gelegenheit. Um 19.30 Uhr beginnt dort eine Informationsveranstaltung der BI, bei der Markus Breitschaft aus Kreith die Zuhörer über die Anliegen der Bürgerinitiative informieren wird.

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