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Stromtrasse

Kabelanschluss statt Freileitung

Die „Gleichstromtrasse Südost“ wird unsichtbar bleiben. Manche hoffen, dass dies künftig auch für den „Ostbayernring“ gilt.
Von Reinhold Willfurth

Anstelle der üblichen Hochspannungsleitung sollen Erdkabel den Starkstrom von Nord- nach Süddeutschland transportieren.
Anstelle der üblichen Hochspannungsleitung sollen Erdkabel den Starkstrom von Nord- nach Süddeutschland transportieren.Foto: dpa

Schwandorf. Führt die künftige „Hauptschlagader der Energiewende“ mitten durch Schwandorfer Stadtgebiet? Verläuft die „Gleichstromtrasse Süd-Ost“ parallel zum bereits bestehenden „Ostbayernring“? Wird man von der neuen Stromautobahn gar nichts sehen, weil sie unterirdisch verlegt wird, womöglich sogar zusammen mit der ungeliebten Trasse des „Ostbayernrings“? Oder bleibt die Region verschont von neuen Stromtrassen – von der Ertüchtigung des „Ostbayernrings“ abgesehen?

Fragen, die auch der Beschluss des Bundeskabinetts vom vergangenen Mittwoch nicht annähernd beantworten kann – mit einer gravierenden Ausnahme: Die Gefahr, dass sich künftig zwei Hochspannungsleitungen durch das Stadtgebiet ziehen, ist wohl vom Tisch. Die Ministerrunde der Bundeskanzlerin hat sich dafür entschieden, die beiden für die Energiewende benötigten Höchstspannungsleitungen vom windreichen Norden der Republik in den industrielastigen Süden in sensiblen Bereichen unter die Erde zu legen. Damit setzte sich CSU-Chef Horst Seehofer durch, die wütenden Bürgerproteste in Franken und in der Oberpfalz über die geplanten „Monstertrassen“ mit 75 Meter hohen Masten vor Augen.

Rechnung zahlt der Verbraucher

Die Rechnung zahlt allerdings der Verbraucher. Bis zu acht Milliarden Euro mehr soll die Verlegung von Erdkabeln im Vergleich zu Freileitungen kosten. Drei bis neun Euro im Jahr soll ein Durchschnittshaushalt nach ersten Schätzungen mehr für die Energie aus der Steckdose bezahlen.

Originärer Teil des Stromtrassen-Kompromisses ist freilich auch die Anbindung der neuen Stromautobahnen an bestehende Trassen. Da drängt sich die Trasse des „Ostbayernrings“ geradezu auf. Diese verläuft auf 185 Kilometern Länge durch Oberfranken und die Oberpfalz bis nach Schwandorf. Der Anfangspunkt liegt bei Lichtenfels und damit nicht weit von der geplanten Übergabestelle der Südost-Passage, die von Sachsen-Anhalt über Thüringen nach Nordbayern führt.

Nicht nur deshalb befürchten Trassengegner, dass die neue Stromautobahn durch das Naabtal führt. Auch der vom Bundeskabinett beschlossene Endpunkt bei Landshut hat neue Ängste geschürt. Bis dahin war das schwäbische Grundremmingen als Trassen-Endpunkt vorgesehen. Der bayerische SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post wird mit der Aussage zitiert, dass der Trassenverlauf durch die Oberpfalz bereits ausgemachte Sache sei. CSU-MdB Albert Rupprecht kontert mit der Auskunft vom bayerischen Wirtschaftsministerium, es sei überhaupt noch nichts ausgemacht. Kurz: Niemand kennt sich derzeit aus, wie es weitergeht.

Immerhin hat das bayerische Wirtschaftsministerium so gut wie ausgeschlossen, dass „Ostbayernring“ und „Gleichstromtrasse Südost“ auf einem Masten zusammengelegt werden. Denn, so die Auskunft aus München, dafür müssten die jetzigen Masten deutlich größer werden, und das komme einem verbotenen Eingriff in die Natur gleich.

Bis der Kabinettsbeschluss durch den Bundestag gegangen ist, arbeitet man beim Netzbetreiber TenneT an der geplanten Ertüchtigung des „Ostbayernrings“ weiter. Planfeststellung heiße das nächste Ziel. „Die Korridore, auch die in den Bürgerbeteiligungen erarbeiteten, liegen vor. Demnächst reichen wir die Unterlagen bei der Regierung der Oberpfalz ein“, sagt TenneT-Sprecher Markus Lieberknecht. Im November zieht der Netzbetreiber wieder mit seinem Infomobil durch die Region – Routinearbeit.

TenneT „kann auch Erdkabel“

Bislang gebe es noch keine Verzögerungen bei dem Projekt. Das werde sich ändern, sollte die Bundesregierung die beiden Trassen zusammenlegen. „Im Zweifelsfall müssen wir wieder von vorne beginnen“, sagt Lieberknecht. Für Erdverkabelung gälten völlig andere Vorgaben als für eine Freileitung. Die gesamte Bürgerbeteiligung müsse außerdem wiederholt werden. Das alles bedeute alles in allem eineinhalb Jahre Verzug. Know-How und Zuständigkeit für die Erdverkabelung will man sich bei TenneT aber nicht in Abrede stellen lassen. Der Endpunkt der Trasse bestimme, wer die Verantwortung dafür trage. Und Landshut sei TenneT-Gebiet.

MdB Marianne Schieder (SPD) rechnet damit, dass die Kabinettsentscheidung noch in diesem Jahr Gesetz wird. Für Schieder ist nicht ausgemacht, dass die Trasse durch das Naabtal gelegt wird. Da die Stromkabel weitgehend unter der Erde verlaufen werden, sei die Trasse jetzt auch in jenen Teilen Bayerns vertretbar, die in Berlin stärkeren Einfluss hätten als die Oberpfalz.

Bei den Schwandorfer Bürgerinitiativen hat sich die Stimmung entspannt. Entwarnung will Walter Ostheim von der „Bürgeraktion im Naabtal“ nicht geben. Aber er und seine Mitstreiter haben eine Idee (s. Interview). Johann Höfler (BI Schwandorf-West) sieht den Kampf gegen Strommasten nach der Entscheidung in Berlin gelassener, nach dem Motto „Eine Sorge weniger“. Am liebsten sähe er es, wenn die Kabelstränge beider Stromtrassen unter die Erde verlegt würden. Seine Hauptsorge gilt aber dem Ausbau des „Ostbayernrings“.

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