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Energie

Kreis wird zur Transitzone für Strom

Neben dem Ostbayernring führt künftig auch der Südost-Link durch den Landkreis Schwandorf. Wie ist aber noch völlig offen.
Von Hubert Heinzl

In Teilbereichen könnten Erdkabel vom Südost-Link und Stromleitungen vom neuen Ostbayernring auch auf einer Trasse verlaufen. „Das ist technisch möglich“, sagt Tennet-Sprecher Markus Lieberknecht.
In Teilbereichen könnten Erdkabel vom Südost-Link und Stromleitungen vom neuen Ostbayernring auch auf einer Trasse verlaufen. „Das ist technisch möglich“, sagt Tennet-Sprecher Markus Lieberknecht. Foto: dpa

SCHWANDORF.Bei den geplanten Stromautobahnen durch den Landkreis Schwandorf gibt es zurzeit mehr Fragen als Antworten. 22 Varianten hat Netzbetreiber Tennet für den Südost-Link, die geplante Mega-Gleichstromtrasse von Sachsen-Anhalt nach Landshut, vorgelegt. Und bekanntlich gibt es noch ein zweites Projekt – den Ersatzneubau des Ostbayernrings, bei dem sich zuletzt drei mögliche Varianten herauskristallisiert haben. Das Raumordnungsverfahren läuft – aber läuft es auch in die richtige Richtung?

Noch immer, sagt Tennet-Pressesprecher Markus Lieberknecht, wartet das Unternehmen auf einen abschließenden Bescheid von der Regierung der Oberpfalz, wie sich die Söder-Initiative zu den Abstandsregelungen planungsrechtlich auswirkt. Finanzminister Markus Söder hatte im Frühjahr angeordnet, dass für Höchstspannungsleitungen innerorts ein Mindestabstand von 400 Metern, außerhalb geschlossener Ortschaften immer noch von 200 Metern, gelten solle. Die Bezirksregierungen sind gehalten, die neuen Abstandsregeln umgehend umzusetzen. Aber gilt das auch für den Ostbayernring? Lieberknecht hofft auf einen abschließenden Bescheid bis Ende des Jahres. „Wir sind zum Warten verdammt“, sagt der Pressesprecher.

Prinzipiell auch eine Trasse möglich

Das Genehmigungsverfahren für die neue Wechselstromtrasse, die vom fränkischen Redwitz bis zum Umspannwerk in Schwandorf führen soll, ist nach seinen Worten durch den Süd-Ost-Link nicht grundsätzlich tangiert. Umgekehrt wird ein Schuh draus: In Teilstücken könnten beide Stromleitungen durchaus auf einer Trasse liegen, wie aus den Karten von Tennet hervorgeht. Vor allem in der nördlichen Oberpfalz sind Ostbayernring und mögliche Gleichstromtrasse in einer von drei großen Varianten nahezu identisch; auch um Schwandorf könnte es Überschneidungen geben.

Fest steht noch nichts, wie die Vertreter von Tennet nicht müde werden zu betonen. „Es ist noch nichts abgewogen, gewichtet oder ausgeschieden“, sagt auch Carolin Kürth, die beim Südost-Link für den Prozess der Bürgerbeteiligung zuständig ist. Auf der anderen Seite „drängen sich manche Verläufe förmlich auf“, wie der Pressesprecher es formuliert.

Bestehende Infrastruktur nutzen

Das hat damit zu tun, dass die Bundesnetzagentur und der Gesetzgeber die Netzbetreiber anweisen, bei neuen Projekten tunlichst die bestehende Infrastruktur zu nutzen. Das können Autobahnen sein, Gasleitungen oder eben auch bestehende Stromtrassen. Untersucht man den Oberpfälzer Fleckerlteppich möglicher Varianten, so tauchen bald entsprechende Muster auf: Vom Raum Regensburg bis nach Maxhütte-Haidhof etwa verläuft eine von nur drei Varianten entlang der A 93 – und entspricht damit ganz den Vorstellungen von Landrat Thomas Ebeling, der eben diese Möglichkeit favorisiert. Weiter nördlich kommt dann die Autobahn A 6 als eine von mehreren Möglichkeiten ins Spiel. Oder eben die Trasse, auf der der Ostbayernring verläuft. „Technisch sind Gleich- und Wechselstrom auf einer Trasse machbar“, sagt Sprecher Lieberknecht – der Gleichstrom mit Erdkabeln im Boden, der Wechselstrom in hohen Strommasten. Und natürlich sollte die Gleichstromtrasse möglichst nah an der gedachten Luftlinie verlaufen – denn ein Kilometer Leitungsbau kostet laut Tennet etwa vier Millionen Euro.

Viele Fragezeichen also, aber zumindest das Genehmigungsverfahren erfolgt nach klaren Vorgaben. Auf Bürgerbeteiligung wird auch beim Südost-Link großer Wert gelegt, wie Carolin Kürth versichert. Bereits am kommenden Dienstag trifft sich in der Schwandorfer Oberpfalzhalle ein sogenanntes „planungsbegleitendes Forum“, in dem für jeden Landkreis entlang der Trasse Kommunalpolitiker, Fachverbände und Behörden, aber auch Vertreter von Bürgerinitiativen zu Wort kommen sollen. Auch die vom Ostbayernring bekannten „Infomärkte“ wird es wieder geben – die Schwandorfer Veranstaltung ist für Freitag, 21. Oktober, ebenfalls in der Oberpfalzhalle vorgesehen.

Die Anregungen und Ergänzungen der Öffentlichkeit sollen mitsamt den Planungsvarianten gebündelt und in ein sogenanntes „Bundesfachplanungsverfahren“ eingebracht werden, bei dem die Bundesnetzagentur federführend ist. Bis Ende 2018, hofft man bei Tennet, wird dann ein 1000-Meter-Korridor für den möglichen Verlauf des Südost-Links stehen, der schließlich noch in einem Planfeststellungsverfahren auf die optimale Variante überprüft wird. Frühestens 2025 könnte die Gleichstrom-Autobahn dann fertig sein, doch selbst Lieberknecht bezeichnet das als „sehr ambitioniertes Ziel. Das geht nur, wenn alle an einem Strang ziehen“.

Bisher keine rechtliche Grundlage

Eine unter Schwandorfs Kommunalpolitikern beliebte Forderung verweist der Tennet-Sprecher übrigens ins Reich des Unmöglichen – oder zumindest fast. Für eine Erdverkabelung des Ostbayernrings im Schwandorfer Stadtgebiet, sagt Lieberknecht, gebe es bisher keine rechtliche Grundlage. Anders formuliert: Wer Erdkabel in Schwandorf anstrebt, der muss sich damit beim Bundesgesetzgeber durchsetzen. Das ist nun ausnahmsweise keine Frage.

Zwei Strom-Autobahnen

  • Südost-Link:

    Die geplante Gleichstrom-Höchstspannungstrasse soll einmal von Sachsen-Anhalt nach Ohu bei Landshut führen und Wind- (und Kohle-) Strom aus den nördlichen Bundesländern in den stromhungrigen Süden Deutschlands transportieren. Gebaut und projektiert wird der Südost-Link von Netzbetreiber Tennet, der nun die ersten Vorplanungen vorstellte. Ursprünglich sollte die Stromtrasse 2022 in Betrieb gehen, parallel zur geplanten Abschaltung der letzten Atomkraftwerke. Jetzt wird es mindestens 2025.

  • Ostbayernring:

    Der bestehende Ostbayernring, eine Wechselstrom-Höchstspannungsleitung vom fränkischen Redwitz bis zum Umspannwerk in Schwandorf, soll abgebrochen und an gleicher Stelle neu und moderner wieder errichtet werden. Auch bei diesem Projekt tritt Netzbetreiber Tennet als Investor auf. Das Verfahren für den Neubau ist schon weit fortgeschritten, aber momentan durch Söders 400-Meter-Abstandsregelung auf Eis gelegt. Im Raumordnungsverfahren hat die Regierung der Oberpfalz die Federführung. (hh)

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