MyMz

Sorge

Steuert Stromleitung auf Kelheim zu?

Der Landkreis Kelheim könnte als Verlierer aus dem Berliner Stromtrassen-Kompromiss hervorgehen, fürchtet der Landrat.
Von Martina Hutzler

Für die geplante  Stromleitung von Sachsen-Anhalt nach Bayern nun durch den Landkreis Kelheim?
Für die geplante Stromleitung von Sachsen-Anhalt nach Bayern nun durch den Landkreis Kelheim? Foto: dpa

Kelheim.Geht der so genannteStromtrassen-Kompromiss der Großen Koalition zu Lasten des Landkreises Kelheim? Diese Sorge hat Landrat Dr. Hubert Faltermeier jetzt im Kreis-Umweltausschuss geäußert. Er forderte die regionalen Abgeordneten auf, den Landkreis frühzeitig mit Informationen zu versorgen, welcher Verlauf der überregionalen Stromleitung nun geplant wird. Im Umweltausschuss teilten einige Kreisräte die Befürchtung, andere warnte vor „Panikmache“.

Grund für die Sorge: Auf Drängen Bayerns soll die Planung für die Gleichstrompassage „Amprion-Trasse“ („Südost-Link“) von Sachsen-Anhalt nach Bayern geändert werden: Statt in Gundremmingen soll sie nun bei Landshut enden, am dortigen „Netzknoten Isar“. So steht es im Positionspapier „Umsetzung der Energiewende“ von CDU, CSU und SPD.

Im Norden Bayerns könnte die Trasse auf dem bestehenden „Ostbayernring“ verlaufen, der aus Franken in Richtung Weiden führt und von dort nach Schwandorf. Die spannende Frage aus Kelheimer Sicht: Wie kommt der Strom von dort weiter nach Landshut: über den Großraum Regensburg oder aber quer durch den Kreis Kelheim? Letzteres sei „durchaus denkbar“, befand Umwelt-Abteilungsleiterin Ulrike Dettenhofer.

Das sollten die für Kelheim zuständigen Abgeordneten schnellstmöglich klären, appellierte der Landrat: Es könne nicht sein, dass ein Kompromiss festgelegt werde zu Lasten einer Region, „die noch keine Möglichkeit hatte sich zu wehren“. Gut sei zwar die Absicht, so weit wie möglich auf Erdverkabelung und die Verwendung bestehender Trassen zu setzen. Aber das Verlegen der großen Stromtrassen in die Erde werde gerade erst erprobt, und auch an bestehenden Trassen „müssen Masten erneuert und erhöht werden“, gab er zu bedenken.

Werner Reichl (CSU) warnte vor „unnötigem Aktionismus“ ohne fundierte Info. Bestehende Trassen zu nutzen, sei ein guter Kompromiss. „Das Floriansprinzip, alles nur wegschieben, kann es ja auch nicht sein“, sagte er auch mit Blick auf die CSU. Auch Richard Zieglmeier (Grüne) fand, „ein Aufschrei wegen der Trasse bringt uns in der Sache nicht weiter“. Das Problem sei „selbstverschuldet“: Bayern und der Bund hätten bei der Energiewende die Chance auf dezentrale Stromversorgung vergeigt.

Einen „Kampf“ erwartet Thomas Obster (Freie Wähler): „Jeder wird sich wehren. Im Landkreis gibt es ja schon viele Trassen“. Franz Stiglmaier (Stadt-Land-Union) sagte, „die große Bahn-Stromleitung bei uns“ sei in den vergangenen Jahren „erneuert worden, ohne dass es einen großen Aufschrei gegeben hat“. Der Aiglsbacher Bürgermeister und Kreisrat mahnte, „wir sollten nicht in Hysterie verfallen und zu unserer Verantwortung stehen“, forderte er; schnellstmöglicher Information sei aber wichtig. Der Mainburger Kreisrat Edgar Fellner (SPD) widersprach: „Uns hat die Bahnleitung sehr wohl in der Bauleitplanung beeinträchtigt“, erinnerte er.

Landrat Faltermeier erklärte, „ich will keine Hiobsbotschaften verbreiten, aber auch nicht schuld sein, dass wir vor vollendete Tatsachen gestellt werden“. Auf die Frage von Claudia Ziegler (SPD) sagte er, bestehende Trassen seien deswegen für die Netzbetreiber interessant, weil hier die Besitzverhältnisse bereits geklärt seien.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht