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Energie

Stromtrasse: Antwort sorgt für Unmut

Neun Bürgermeister aus dem Landkreis Regensburg protestierten gegen den SüdOstLink. Jetzt kam die Rückmeldung aus Berlin.
von Resi Beiderbeck

Dr. Helmut Stadler hofft, dass MdB Peter Aumer die Sorgen der Bürger in Berlin thematisieren wird. Foto: Beiderbeck
Dr. Helmut Stadler hofft, dass MdB Peter Aumer die Sorgen der Bürger in Berlin thematisieren wird. Foto: Beiderbeck

Regensburg.„Wir sagen Nein zum SüdOstLink!“ So steht es in einem Protestschreiben, das neun Bürgermeister aus dem Landkreis im März unterzeichneten. Die Gemeindechefs von Aufhausen, Altenthann, Alteglofsheim, Brennberg, Donaustauf, Kallmünz, Mintraching, Riekofen und Wiesent protestieren damit gegen den Bau der Stromtrasse SüdOstLink durch ihre Heimat. Das Schreiben ging nach Berlin an Bundesminister Peter Altmeier. Geantwortet hat jetzt dessen Staatssekretär Andreas Feicht.

Er schreibt, dass die energiewirtschaftliche Notwendigkeit und der vordringliche Bedarf für den SüdOstLink im Bundesbedarfsplangesetz festgeschrieben wurden. Auf absehbare Zeit lasse sich der Energiebedarf großer Industriezentren und Ballungsräume im Süden Deutschlands nicht allein mit dezentralen Anlagen decken. Auch stünden Speichermöglichkeiten in diesem Umfang nicht zur Verfügung und es sei Strom aus erneuerbaren Energien mit intensiveren Schwankungen verbunden. „Von einem zügigen Netzausbau hängt das Gelingen der Energiewende ab und dafür brauchen wir die Akzeptanz vor Ort“ schreibt der Staatssekretär in dem Schreiben.

Davon kann freilich keine Rede sein, denn die Zahl der Stromtrassengegner in den Gemeinden nimmt ständig zu. Das zeigte sich auch beim Energieforum, das der Bundestagsabgeordnete Peter Aumer letzte Woche in Wörth abhielt. Dort forderten mehr als 100 Demonstranten die Verhinderung des SüdOstLinks. Dr. Helmut Stadler, Sprecher der „Bürgerinitiative östlicher Landkreis Regensburg gegen den SüdOstLink“ sprach den Abgeordneten persönlich an und überreichte ihm jene Petition, die der Bayerische Landtag 2014 verabschiedet hatte, nachdem 22000 Bürger diese mit ihrer Unterschrift unterstützt hatten.

Kein Strommangel?

Elisabeth Kerscher, Wiesent: „Die Ängste der Betroffenen kann man nicht einfach mit Berechnungen wegwischen.“ Foto: Beiderbeck
Elisabeth Kerscher, Wiesent: „Die Ängste der Betroffenen kann man nicht einfach mit Berechnungen wegwischen.“ Foto: Beiderbeck

Darin steht: „Der Landtag bekräftigt seinen Beschluss zur Umsetzung der Energiewende. Er lehnt wie die Staatsregierung die Gleichstromtrasse Süd-Ost ab, weil sie unzweckmäßig ist und nicht mit dem Ziel des überregionalen Austauschs von Strom aus erneuerbaren Energien in Einklang steht“. Ebenfalls dabei hatte Dr. Helmut Stadler die Dokumentation einer Anfrage der Freien Wähler zur geplanten Trasse, die das Bayerische Wirtschaftsministerium 2014 wie folgt beantwortete: „Bayern droht kein Strommangel, sofern die HGÜ-Trasse Süd-Ost nicht gebaut wird. Mit dem Neubau von Gaskraftwerken kann die Versorgung sichergestellt werden.“ Auf dieses Papier stützen sich die BI-Mitglieder.

Franz Xaver Löffl, Brennberg: „Ich finde an dem Antwortschreiben irritierend, dass es auf unsere Fragen nicht eingeht.“ Foto: Beiderbeck
Franz Xaver Löffl, Brennberg: „Ich finde an dem Antwortschreiben irritierend, dass es auf unsere Fragen nicht eingeht.“ Foto: Beiderbeck

„Man müsse sich schon fragen, wofür diese Trasse denn nun angeblich gebraucht wird – für Bayern? Für Deutschland? Für Europa?“, fragt sich Andreas Adlhoch. Der Landwirt aus Wernetsgrub zeigt sich vom Energieforum genauso enttäuscht wie vom Schreiben des Staatssekretärs. Seine Forderung, neue Gaskraftwerke zu bauen und die Flexibilisierung von Biogasanlagen voranzutreiben, hat er engagiert vorgetragen. „I glaub, dass des hinten und vorn net stimmt, was uns da erzählt wird“, beschreibt er seine Empfindung und fügt an: „Traurig is des“.

Jürgen Koch, Pfatter: „Ich hoffe weiter, dass sich eine bessere Lösung findet und dass der SüdOstLink verhindert wird.“ Foto: Beiderbeck
Jürgen Koch, Pfatter: „Ich hoffe weiter, dass sich eine bessere Lösung findet und dass der SüdOstLink verhindert wird.“ Foto: Beiderbeck

„Die Veranstaltung in Wörth war keine unabhängige Information, denn es waren nur Lobbyisten von Energiewirtschaft und Übertragungsnetzbetreibern als Redner geladen“ moniert der 2. Bürgermeister der Gemeinde Brennberg, Franz Löffl.

Maximale Profitinteressen

„Der Abend hat uns aber deutlich vor Augen geführt, dass diese Trasse nur dem europaweiten Export, Import und Transit von Strom dient zur Verwirklichung maximaler Profitinteressen“, erklärt Löffl. Die Brennberger Bürgermeisterin Irmgard Sauerer zeigt sich enttäuscht vom Schreiben des Staatssekretärs und kann über die Beteuerung, er wolle die Bürger ernst nehmen, nur lachen. „Wenn das so wäre, müsste der Wirtschaftsminister endlich zur Kenntnis nehmen, dass es sehr wohl eine Alternative zum Trassenbau gibt“, betont sie und verweist auf einen Szenariorahmenentwurf der „energy platform“.

„Wir kämpfen weiter! Selbstverständlich!“

Josef Heimerl, Loidsberg, Landwirt und BI-Mitglied

Bürgermeister Jürgen Koch aus Pfatter hofft darauf, dass die Einwendungen Gehör finden, die seine Gemeinde an die Bundesnetzagentur geschickt hat. Seine Wiesenter Kollegin Elisabeth Kerscher sagt: „Diese Großprojekte werden zwar auf Raumverträglichkeit geprüft, aber mir fehlt einfach die Menschen-vor-Ort-Verträglichkeitsprüfung.“

Protest

Stromtrasse: Über 100 Bürger gründen BI

Die „Energiewender“ aus Brennberg wollen hartnäckig sein, Aktionen planen und Mitstreiter gegen den SüdOstLink mobilisieren.

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