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Energie

Stromtrasse: BI droht mit Protesten

Tausende Neumarkter kritisierten offiziell die Pläne bei der Bundesnetzagentur. Bürgerinitiativen fühlen sich hintergangen.
Von Philipp Froschhammer

Über 600 Einwände erreichten die Bundesnetzagentur alleine aus der Gemeinde Berg.
Über 600 Einwände erreichten die Bundesnetzagentur alleine aus der Gemeinde Berg. Foto: Archiv

Neumarkt.Rund 30000 Bürger aus dem Landkreis Neumarkt machten in schriftlichen Stellungnahmen an die Bundesnetzagentur ihrem Ärger Luft – das sagt Stefan Grasenhiller von der Bürgerinitiative Trassenwahn. Der Grund für die massive Kritik der Bürger: Sie wollen nicht, dass die geplante Süd-Ost-Stromtrasse (wir berichteten) an ihren Häusern vorbeiführt.

Auch Landrat Willibald Gailler unterzeichnete, stellvertretend für den gesamten Landkreis Neumarkt, eine Konsultation, in der er seine Bedenken an den vorgestellten Ausbaumaßnahmen kundtat.

Bis 15. Mai hatte die Öffentlichkeit die Chance, ihre Stellungnahmen zum Netzentwicklungsplan (NEP) vorzulegen. Jetzt geht die Planung der Stromtrassen in die entscheidende Phase: Unter Berücksichtigung dieser Konsultationen wird der Netzentwicklungsplan gerade noch einmal überarbeitet.

Nachdem die vorgeschlagenen Maßnahmen bestätigt wurden, legt die Bundesnetzagentur der Bundesregierung die aktuellste Version des NEP vor. Der Bundestag beschließt dann gemeinsam mit dem Bundesrat das Bundesbedarfsplangesetz. In diesem wird endgültig festgelegt, welche Ausbaumaßnahmen zwingend vorgenommen werden müssen.

Keine Skrupel vor Protesten

Stefan Grasenhiller steht dem Erfolg der Konsultationen an die Bundesnetzagentur jedoch skeptisch gegenüber: „Wir haben schon bei der ersten Version des Netzentwicklungsplans unsere Bedenken an der Trasse geäußert. Das Resultat war, dass in der neuen Version die Stromtrasse sogar noch länger geplant war.“

Sollten sich die Bürgerinitiativen von der Bundesnetzagentur noch einmal in dieser Art hintergangen fühlen, hätten sie keine Skrupel, in einem echten Protest auf die Straßen zu gehen, kündigt Grasenhiller an.

Hauptpunkt der Beschwerde ist sowohl in dem Schreiben des Landratsamts wie auch in den meisten Konsultationen der Bürgerinitiativen aus dem Landkreis Neumarkt, dass die geplante Stromtrasse nicht – wie eigentlich angekündigt – förderlich für die Energiewende wäre.

Helmut Himmler, Bürgermeister in Berg und selbst aktiv an Bürgerinitiativen gegen die Stromtrasse beteiligt, moniert: „Die Bedarfsnotwendigkeit der Süd-Ost-Stromtrasse wird bezweifelt, da dadurch kein Wind- sondern Kohlestrom fließen wird. Dadurch wird die CO-Emission gefördert, nicht reduziert.“ In seinem Schreiben schlägt Landrat Gailler als Alternative vor, dass durch eine dezentrale, regionale Stromerzeugung die Netzausbauten reduziert und die Übertragungsverluste minimiert werden könnten.

Masten schaden den Vermietern

Ein weiterer Kritikpunkt, der der Bundesnetzagentur nun schriftlich vorliegt, ist die Nähe der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen (HGÜ) zu den besiedelten Wohngebieten. 70 Meter hohe Masten in unmittelbarer Nähe zu den Wohnhäusern senken den Wert der Immobilien enorm, meint Himmler: „Es wird immer darüber gesprochen, dass die Alternativen die Netzbetreiber viel Geld kosten. Aber über die Milliardenverluste, die deutsche Vermieter durch die Stromtrassen haben, spricht niemand.“ Himmler ist sich sicher, dass neue Mieter, die in die Nähe der Trasse ziehen, einen Mietnachlass fordern werden.

Die Süd-Ost-Stromtrasse

  • Korridor D:

    Die Süd-Ost-Stromtrasse – auch Korridor D genannt – soll, laut dem aktuellen Netzentwicklungsplan, den Strom über rund 450 Kilometer von Sachsen-Anhalt bis nach Bayern transportieren.

  • Leitungen:

    Bei den geplanten Stromleitungen handelt es sich um Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen, die Strom mit einer elektrischen Spannung von 500 Kilovolt transportieren können.

  • Verlauf der HGÜ-Leitungen:

    Aktuell ist im NEP vorgesehen, dass sich die HGÜ-Leitung von Lauchstädt bis Meitingen erstreckt. Der genaue Verlauf wird erst nach Beschluss des Bundesbedarfsplangesetzes festgelegt.

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