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Bürgerinitiative

Stromtrasse Südostlink weckt Widerstand

Die „BI Walhalla Landschaft gegen die Monstertrasse (SuedOstLink)“ befürchtet massive Veränderungen durch den Bau.

Im Anschluss an die Wanderung waren die Teilnehmer zu einer herbstlichen Brotzeit am Sulzbacher Jugendkreuz eingeladen. Foto: Ch. Bauer
Im Anschluss an die Wanderung waren die Teilnehmer zu einer herbstlichen Brotzeit am Sulzbacher Jugendkreuz eingeladen. Foto: Ch. Bauer

Donaustauf.In und um Donaustauf formiert sich Widerstand gegen den Südostlink. Bei einer Wanderung der neuen Bürgerinitiative nahmen Menschen aus dem ganzen Landkreis teil. Die „BI Walhalla Landschaft gegen die Monstertrasse (SuedOstLink)“ lud vor Kurzem zu einer Informations-Wanderung entlang der möglichen Trasse nahe der Walhalla ein.

Die geplante Stromautobahn bewegt die Menschen in der Region. Entsprechend groß war das Interesse an der Wanderung: Rund 90 Teilnehmer konnten die drei Sprecher der Bürgerinitiative, Brigitte West, Christian Setz und Christoph Bauer, begrüßen. Aus dem ganzen Landkreis sind die Menschen nach Donaustauf gekommen, um sich über die konkreten Folgen der Planungen zu informieren.

Wie ist der ideale Verlauf?

Zwischen Sachsen-Anhalt und Bayern soll eine rund 580 Kilometer lange Stromtrasse gebaut werden. Die Trasse soll unterirdisch verlaufen und quert auch Gewässer, wie zum Beispiel die Donau. Um den idealen Verlauf der Leitung auszuloten, veranlasst der Übertragungsnetzbetreiber Tennet TSO derzeit an mehreren Orten Probebohrungen.

Wanderung vom Trafohaus in Sulzbach zum Hellberg Foto: W. Bucher
Wanderung vom Trafohaus in Sulzbach zum Hellberg Foto: W. Bucher

Gebietsbetreuer Hartmut Schmid und Christoph Bauer, Leiter der LBV-Bezirksgeschäftsstelle Oberpfalz, erläuterten die sensiblen ökologischen Zusammenhänge der Landschaft zwischen dem Hellberg und der Donau. Das große Waldgebiet nördlich der Donau ist als Bannwald überregional bedeutsam und darüber hinaus ein europäisches Naturschutzgebiet. In den felsig-trockenen Eichenwäldern entlang der Donauleiten leben gefährdete Arten wie Hirschkäfer, Großes Mausohr und Gelbbauchunken.

Christoph Bauer kennt als Forstwissenschaftler die naturschutzfachlich herausragende Bedeutung der Gegend. Bei der Wanderung von Sulzbach hinauf zum Hellberg stellte er den aktuellen Stand der Planungen zum SuedOstLink vor. Dem Ensemble der historischen Walhallalandschaft droht eine massive Veränderung: Für den Bau der Leitung würde eine 40 Meter breite Schneise in den Wald geschlagen. Im unmittelbaren Bereich der Kabeltrasse müssten rund 25 Meter dauerhaft von Bäumen freigehalten werden. Die Anwohner am südlichen Waldrand müssen außerdem damit rechnen, dass die Stromkabel durch ihren Vorgarten geführt werden. Der Markt Donaustauf lehnt die Planungen vehement ab.

Auch die historische Wasserversorgung der Walhalla wäre damit Geschichte. Donaustaufs 3. Bürgermeisterin Brigitte West stellte das fast vergessene Kleinod zwischen Hellberg und Dachsberg vor. Von dort aus wurde bis in die 1960er Jahre hinein Wasser zur Walhalla transportiert. Der Höhenunterschied zum Bräuberg machte das möglich. Die Brunnenstuben sind noch heute erhalten.

Energie

Stromtrasse: Erste Bohrung erfolgt

Für den „SüdOstLink“ führte Betreiber Tennet in Regenstauf Bodenproben durch. Diese nehmen Einfluss auf den Trassenverlauf.

„Die Walhallalandschaft, wie wir sie kennen, gäbe es danach nicht mehr“, fasst Christoph Bauer die massiven Folgen der „Monstertrasse“ zusammen. Es wurde deutlich, dass die Menschen zahlreiche Fragen zum Planungsverfahren und zur Öffentlichkeitsbeteiligung hatten. So mancher konnte kaum fassen, wie viel Landschaft alleine während der Bauphase in Anspruch genommen werden soll.

Die Donaustaufer Bürgerinitiative stützt sich dabei auf Informationen des künftigen Netzbetreibers TenneT, der erst im Juni in einigen Orten des Landkreises mit einem „Bürgermobil“ unterwegs war. Durch die Kontakte zur Regensburger BüfA, einem Bündnis für die Förderung von Erneuerbaren Energien, habe man zudem die Möglichkeit, die Aussagen von TenneT zu überprüfen und zu bewerten. Setz betonte, dass der „BI Walhalla Landschaft“ die Vernetzung mit anderen Bürgerinitiativen in Ostbayern sehr wichtig ist.

Einig mit Gegnern in Brennberg

Einig sei man sich mit den Stromtrassen-Gegnern in Brennberg, Wiesent und anderen Orten darin, dass man den SuedOstLink als Ganzes ablehne, egal wo er am Schluss realisiert werde. „Wir kämpfen gemeinsam für den Erhalt der Heimat und gegen falsche Weichenstellungen in der Energiepolitik“, so Nebenerwerbslandwirt Setz.

Mehr Berichte rund um den geplanten Stromtrassen finden Sie in unserem MZ-Spezial!

Im Gespräch mit den Veranstaltern wurde deutlich, dass der Widerstand gegen den SuedOstLink kein Selbstläufer ist. Durch die geplante Erdverkabelung erscheint das Megaprojekt auf den ersten Blick erst einmal wenig konfliktträchtig. Wie sehr jedoch dieser Eingriff eine Landschaft verändern kann, wurde auf der Wanderung deutlich. Die zu erwartenden Umweltzerstörungen durch ein Netz von Stromautobahnen in ganz Europa seien nicht vertretbar. Statt die regionale Erzeugung von erneuerbarer Energie zu fördern, würde die Vormachtstellung von Kohle und Atom auf Kosten der Stromkunden weiter zementiert.

Im Anschluss waren die Teilnehmer zu einer herbstlichen Brotzeit am Sulzbacher Jugendkreuz eingeladen.

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