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Energiewende

Stromtrassen: Proteste haben viel bewirkt

Die CSU hat den Widerstand gegen neue Stromtrassen aufgegeben. Was das bedeutet und welche Fragen offen sind, erklärt die MZ.
von Reinhard Zweigler, MZ

Zwei neue Stromautobahnen tangieren künftig Bayern.
Zwei neue Stromautobahnen tangieren künftig Bayern. Foto: dpa

Wie verlaufen die neuen Stromtrassen?

Um die genaue Trassenführung des 800 Kilometer langen Südlink, die von der Nordsee nach Süddeutschland führt, dürfte noch heftig gerungen werden. Das soll nun die „Fachplanung“ der Bundesnetzagentur mit den betroffenen Ländern im Detail klären. Die sogenannte Südost-Passage wird kräftig verkürzt und soll bereits in Landshut enden, nicht wie bislang geplant in Gundremmingen. Landschaftsschutzgebiete, Biosphärenreservate und sensible Landschaften seien für den Trassenbau tabu, versicherte Seehofer.

Was kosten Erdkabel die Stromkunden?

Genaue Zahlen gibt es nicht. Aber es handelt sich um Mehrkosten in Milliardenhöhe. Während die Netzbetreiber sagen, Erdkabel seien vier- bis achtmal so teuer wie Leitungen an bis zu 75 Meter hohen Strommasten, meinte Gabriel, sie kosteten das Doppelte. Bayerns Energieministerin Ilse Aigner rechnet dies auf die Kilowattstunde und einen Zeitraum von 40 Jahren um. Danach werden sich die Netzentgelte infolge von weitreichender Erdverkabelung um gerade einmal 0,15 Cent/kWh erhöhen.

Wer zahlt für Reserve-Kraftwerke?

Auch hierfür werden die Stromkunden bezahlen. Und zwar in einer ähnlichen Größenordnung wie bei der Erdverkabelung, erwartete Aigner. Etwa acht ältere Kohlekraftwerke in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen sollen als sogenannte „Kapazitätsreserve“ vorübergehend stillgelegt werden. Bei großem Strombedarf jedoch werden sie hochgefahren. Ab 2022 wird es für Süddeutschland zudem Gaskraftwerke mit zwei Gigawatt installierter Leistung geben. Die hochmoderne Anlage in Irsching gehört dazu, zwei weitere werden in Bayern neu gebaut, kündigte Seehofer an. Deutschland behält einen einheitlichen Strommarkt.

Was haben die Bürgerproteste vor Ort bewirkt?

Offenbar sehr viel. Den Anliegen der Bürger in den betroffenen Regionen werde wesentlich mehr Gewicht beigemessen, sagte CSU-Chef Horst Seehofer. Dass Trassenverläufe optimiert und, da wo es möglich ist, bestehende Trassen genutzt und Erdkabel verlegt werden sollen, wäre ohne die Bürgerproteste nicht so gekommen. Auch die Kritik am bisweilen unsensiblen Vorgehen der Netzplaner werde Konsequenzen haben.

Wie werden KWK und Gebäudesanierung gefördert?

Um die anvisierten deutschen Klimaziele – 40 Prozent weniger CO2-Ausstoß im Vergleich zu 1990 – zu erreichen, will die Bundesregierung auch die sogenannte Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) mit jährlich über einer Milliarde Euro fördern. Hoch effiziente, mit Gas gefeuerte KWK-Anlagen zur öffentlichen Versorgung sollen befristet bezuschusst werden, um den Erhalt zu sichern. Die energetische Sanierung von Gebäuden wird in ähnlicher Größenordnung gefördert. Die steuerliche Absetzbarkeit der Sanierungskosten für Hauseigentümer wird angepeilt. Die Länder sind in dieser Frage allerdings uneins.

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