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Suche nach optimaler Trasse geht weiter

Die Varianten für den Ersatzbau des „Ostbayernrings“ werden derzeit geprüft. Rund um Schwandorf gibt es 30 sensible Bereiche.
Von Reinhold Willfurth

Fünf bis zehn Meter höher und mit 24 statt wie bisher mit neun Seilen bestückt werden die neuen Strommasten auf dem „Ostbayernring“.
Fünf bis zehn Meter höher und mit 24 statt wie bisher mit neun Seilen bestückt werden die neuen Strommasten auf dem „Ostbayernring“. Foto: TenneT

Schwandorf.Endstation Umspannwerk Schwandorf: Exakt an der Stelle, wo in fünf Jahren der Ersatzneubau des „Ostbayernrings“ seinen Schlusspunkt finden soll, hat der Netzbetreiber TenneT am Mittwoch sein „mobiles Bürgerbüro“ vorgestellt. Damit will „Bürgerreferentin“ Ina Haffke in den nächsten Monaten auf den Straßen und Marktplätzen der Kommunen entlang der 185 Kilometer langen Starkstromtrasse des „Ostbayernrings“ für dessen Ertüchtigung werben.

Dabei will der niederländische Konzern größtmögliche Transparenz an den Tag legen, wofür nicht nur die durchgängig verglaste Front des umgestalteten Verkaufswagens steht. Keine Fragen sollen beim Genehmigungsverfahren offenbleiben. An sensiblen Stellen, wo die neue Trasse zum Beispiel nahe an Wohngebieten vorbeiführt, werden die Anwohner besonders stark in das Verfahren eingebunden. Einer dieser Orte ist Schwandorf, wo TenneT im September vergangenen Jahres einen „Informationsmarkt“ und am 17. Januar eine „Bürgerwerkstatt“ abgehalten hat. Hier wie dort konnten Bürger Trassenverläufe vorschlagen oder auf empfindliche Bereiche hinweisen. Der Konzern versichert, dass alle Hinweise aufgenommen und alle eingebrachten Trassenvarianten untersucht würden. Umweltplaner prüfen derzeit die Varianten in zwei Stufen. Zunächst wird in einer Grobprüfung untersucht, ob eine Variante auf massive Hindernisse stößt oder gegen gesetzliche Rahmenbedingungen verstößt. „Übersteht“ eine Variante diese Grobprüfung, so wird sie nach allen vereinbarten Kriterien vertieft untersucht, so eine Pressemitteilung.

Bürgerreferentin Ina Haffke und Pressesprecher Markus Lieberknecht wollen für größtmögliche Transparenz sorgen.
Bürgerreferentin Ina Haffke und Pressesprecher Markus Lieberknecht wollen für größtmögliche Transparenz sorgen. Foto: Willfurth

Die Verständigung darüber, welche Trassenvarianten im Raumordnungsverfahren eingereicht werden, sowie die Darstellung ihrer Vor- und Nachteile erfolgt gemeinsam in einer öffentlichen Abschlussveranstaltung am 18. April. Bis Ende Mai, so Ina Haffke beim Pressegespräch am Mittwoch, würden die Varianten kartiert sein. Ab dem 13. April steigt dazu ein Hubschrauber mit einem Laserscanner an Bord auf, der die Varianten vermisst. „Das machen wir, bevor die Vegetation beginnt“, erläuterte Haffke.

Die Stromtrasse Redwitz – Schwandorf

Auf der Bürgerwerkstatt am 17. Januar hatten sich für den Bereich Schwandorf zwei Hauptvarianten herauskristallisiert: die bestehende Trasse sowie ein Areal westlich davon. 30 sensible Bereiche, die die Planung verändern könnten, wurden aufgelistet und von zwei Instituten bewertet. Die Planer müssen unter Umständen auf eine Altlastenfläche bei Siegenhofen, auf Bau- und Bodendenkmäler, auf Nistgebiete von Schwan, Eisvogel, Storch, Reiher und Fledermaus, auf eine Startbahn für Leichtflugzeuge sowie auf zukünftige Objekte im Flächennutzungsplan Rücksicht nehmen, zum Beispiel auf Spiel- und Bolzplätze, Kindergärten oder Wohnbebauung.

Zufrieden mit der Beteiligung der Schwandorfer

Trotz der Vielzahl der möglichen Stolpersteine für die ostbayerische Ersatzleitung bei Schwandorf ist man bei TenneT bislang zufrieden mit den Ergebnissen der Bürgerbeteiligung. „Es hat sehr, sehr gut geklappt“, lobt Ina Haffke die Schwandorfer.

Das allgemeine Verständnis für die Ertüchtigung der Leitung führt TenneT-Sprecher Markus Lieberknecht zum Einen auf die Transparenz des Verfahrens und zum Anderen auf die Tatsache zurück, dass – im Gegensatz zu den von Politik und Bürgern heiß diskutierten Stromautobahnen –die Trasse ja schon vorhanden sei. Die neuen Masten seien auch nur unwesentlich höher als die bisherigen, bis zu 60 Meter hohen Tragmasten. Und die Tatsache, dass die neuen Masten 24 statt bisher neun Seile tragen werden, versüßt der TenneT-Sprecher mit dem Hinweis, dass die gebündelten Seile das lästige Knistern minimieren würden.

Der „Ostbayernring“

  • Kapazitätsgrenze:

    Von Redwitz in Oberfranken über Weiden bis nach Schwandorf zieht sich der 185 Kilometer lange Starkstromleitung. Wegen zunehmenden Einspeisung regenerativer Energien gerät der „Ostbayernring“ regelmäßig an seine Kapazitätsgrenzen. Um die Versorgungssicherheit für die Region sicherstellen zu können, müssen laut Betreiber TenneT die Transportkapazitäten deutlich erhöht werden. Geplanter Baubeginn ist 2018. Das Raumordnungsverfahren (ROV) wird 2015/16 durchgeführt. Die Träger öffentlicher Belange werden beteiligt. Nach der Fertigstellung 2020 erfolgt der Rückbau der Bestandstrasse.

  • Alternative:

    Eine Ertüchtigung der aktuellen Leitung wurde laut TenneT intensiv geprüft. Dabei sei festgestellt worden, dass die aktuellen Masttypen aufgrund ihrer technischen Voraussetzungen und ihres Alters statisch keine Spannungsumstellung mit Neubeseilung vertragen. Ferner müsste die Leitung während der Ertüchtigungsphase vom Netz genommen werden, was aufgrund ihrer zentralen Versorgungsfunktion für die Region nicht möglich sei.

  • Daher wurde der Neubau 2012 in den Bundesbedarfsplan aufgenommen.

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