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Energieforum

Trassengegner machten ihrer Wut Luft

Ernüchterung und Frust herrschen bei den Gegnern der Trasse in Wörth. Drei Experten sprachen sich klar „pro SüdOstLink“ aus.
Von Resi Beiderbeck

Bei der Demo waren die Stromtrassengegner noch hoffnungsvoll – später beim Forum schlug die Stimmung um in bittere Enttäuschung. Foto: Beiderbeck
Bei der Demo waren die Stromtrassengegner noch hoffnungsvoll – später beim Forum schlug die Stimmung um in bittere Enttäuschung. Foto: Beiderbeck

Wörth.„Weg mit dem NABEG“ (Anm. der Redaktion: Netzausbaubeschleunigungsgesetz), skandierten über 100 Demonstranten am Freitagabend in Wörth. Der Bundestagsabgeordnete Peter Aumer hatte zu einem öffentlichen Energieforum in den Gasthof Butz geladen – und wurde gleich zu Beginn mit den Sorgen der Bürger konfrontiert. Dutzende machten ihrem Ärger vor der Veranstaltung Luft. Die „Bürgerinitiative östlicher Landkreis Regensburg gegen den SüdOstLink“ hatte zum Widerstand gegen die Stromtrassenpläne aufgerufen.

Im Butz-Saal reichten die Plätze nicht aus. Es wurden zusätzliche Stühle hereingetragen. Fast 200 Menschen nahmen sich für das Regionalforum zum Thema „Energieversorgungssicherheit in der Region Regensburg“ über drei Stunden Zeit. Einen schweren Schlag mussten die Kritiker jedoch einstecken, als Professor Oliver Brückl (OTH Regensburg), einer der drei Experten, die auf der Veranstaltung sprachen, erklärte, dass der SüdOstLink allen Studien zufolge „notwendig ist“. Er habe verstanden, dass die regionale Betroffenheit groß sei, sagte Peter Aumer, könne aber die Trasse nicht verhindern.

Norbert Breidenbach von der Mainova AG erklärte, warum das hocheffiziente Gaskraftwerk Irsching still steht. Über energiewirtschaftliche Konzept „Power to Gas“ sagte er, das Projekt stehe vor der Pilotierung und man brauche natürlich Speicher, aber die Kosten seien das Problem. Er fügte an: „Strom ist heutzutage ein Handelsprodukt“ und der Mensch werde nicht leben können, ohne die Umwelt in Anspruch zu nehmen.

„Alle Studien belegen, dass nichts so ökologisch und ökonomisch ist wie der Netzausbau, denn er ist effizienter als jeder Speicher. Außerdem steht Deutschland bei der EU Kommission für den Aufbau eines europäischen Strom-Binnenmarktes in der Pflicht“, machte Professor Brückl Hoffnungen der Kritiker zunichte

Zuhörer fühlen sich nicht ernst genommen.

Für Jeaninne Leistner war es am Freitag die erste Demo. „Ich bin hier, weil ich mir Sorgen mache um das Wasserschutzgebiet unserer Gemeinde, um die Quellen im Schopfloh und um die wertvolle Natur“, sagte sie. Foto: Beiderbeck
Für Jeaninne Leistner war es am Freitag die erste Demo. „Ich bin hier, weil ich mir Sorgen mache um das Wasserschutzgebiet unserer Gemeinde, um die Quellen im Schopfloh und um die wertvolle Natur“, sagte sie. Foto: Beiderbeck

„Mit der Oberpfalz kann man´ s ja machen“ und „Wir werden überhaupt nicht ernst genommen“, klagten mehrere Zuhörer. „Wir wären zur Öffentlichkeitsbeteiligung gar nicht verpflichtet gewesen“, entgegnete Dr. Andreas Schieder vom Netzbetreiber TenneT, gab aber zu: „Die Strahlung ist noch nicht erforscht, das muss man ehrlich sagen.“ Was die Auswirkungen des Elektromagnetismus für Mensch und Tier betreffe, so gebe es keinerlei eindeuige Beweise für oder gegen Gesundheitsgefährdung, sagte auch Professor Brückl.

„Wir werden bei innerdeutschen Engpässen – den gravierendsten in der EU – zunehmend von EU-Nachbarn versorgt.“

Professor Oliver Brückl (OTH Regensburg)

„Systemsicherheit“ sei das Schlagwort, das allen Einwänden entgegenstehe. „Risikominimierung statt Roulettespiel“, fordern die Experten. Drei enorm kritische Situationen habe es in den letzten Jahren in Europa gegeben, erklärte Professor Brückl und betonte: „Wir werden bei innerdeutschen Engpässen – den gravierendsten in der EU – zunehmend von EU-Nachbarn versorgt. Nicht die 80 und auch nicht die 90 Prozent, nein, die letzten zehn bis fünf Prozent sind es, die uns herausfordern.“

Dem Appell von Zuhörern, das EEG zu stärken, statt es krachend gegen die Wand zu fahren, entgegnete Brückl: „Kein Verband im Bereich der Erneuerbaren Energien kämpft heute noch für das EEG und das hat seinen Grund.“ Norbert Breidenbach machte deutlich: „Wenn wir den SüdOstLink nicht bauen, werden wir im Norden noch mehr Windenergie abschalten.“

Protest

Stromtrasse: Über 100 Bürger gründen BI

Die „Energiewender“ aus Brennberg wollen hartnäckig sein, Aktionen planen und Mitstreiter gegen den SüdOstLink mobilisieren.

Wütende und hochemotionale Wortmeldungen

Die Trasse scheint man nach allem, was beim Regionalforum zu hören war, nicht verhindern zu können, denn Experten bezeichnen sie als volkswirtschaftlich sinnvollste Alternative. Noch nicht sicher beantwortet ist jedoch die Frage, wo sie hinkommt. „Das kann auch ein anderer Korridor werden als der von uns präferierte“, sagte Andreas Schieder. Die Entscheidung liege bei der Bundesnetzagentur.

Dr. Helmut Stadler ging am Freitag auf die Straße, „um gegen diesen Freifeldversuch mit unkalkulierbaren Risiken für unsere Gesundheit, unsere Natur und unsere landwirtschaftlichen Nutzflächen zu protestieren“. Foto: Beiderbeck
Dr. Helmut Stadler ging am Freitag auf die Straße, „um gegen diesen Freifeldversuch mit unkalkulierbaren Risiken für unsere Gesundheit, unsere Natur und unsere landwirtschaftlichen Nutzflächen zu protestieren“. Foto: Beiderbeck

Die größte Herausforderung für TenneT ist nach eigenen Angaben die Akzeptanz, was auch am Freitag im Butz-Saal anhand der vielen leidenschaftlichen, wütenden und hochemotionalen Wortmeldungen deutlich wurde. Die Leitung entlang der Autobahn zu verlegen, sei aufgrund von Gewerbegebieten, Brücken und Naturschutzgebieten nicht möglich, so TenneT. „Aber unser Grund is nix wert?“, kam es lautstark aus dem Publikum zurück. Die Kabel direkt in die Fahrbahn hineinzulegen, sei nur theoretisch möglich, denn „eine Beschränkung des durchlaufenden Verkehrs kann nicht toleriert werden“, hieß es. Tumultartig klangen die Antworten: „Aber uns darf man schon beschränken?“ Den Vorwurf, man habe keine Alternativen geprüft, ließ Professor Brückl nicht gelten. Die Gegner gaben sich aber nicht mit der Aussage zufrieden, dass die Trasse nun mal Gesetz sei. Sie erinnerten an politische Fehlentscheidungen wie die Flussbegradigungen, die Pkw-Maut und an Wackersdorf.

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