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Studie

Auch die Wirtschaft wächst zusammen

Die IHK Regensburg analysierte das Verarbeitende Gewerbe in Ostbayern und Westböhmen. Das Ergebnis legt eine gemeinsame Zukunftsstrategie nahe.
Von Roman Hiendlmaier, mz

Regensburg/Pilsen. Die wirtschaftlichen Strukturen von Ostbayern und Westböhmen sind sich ähnlicher als gedacht. Entsprechend arbeiten Handel, Dienstleistungen und besonders Industrie zwischen Pilsen und Regensburg auch immer enger zusammen. Das ergab eine Untersuchung der IHK Regensburg, aus der die neue „Grenzüberschreitende Industriestandortkarte“ entstand.

„Sind erst einmal Sprachbarrieren und sonstige Ressentiments überwunden, klappt es mit der Zusammenarbeit zwischen Oberpfälzer Firmen und Unternehmen aus der Pilsener Region meist bestens,“ sagt der für die Studie verantwortliche Vize-Hauptgeschäftsführer, Josef Beimler.

Die Parallelen seien laut Beimler vor allem bei den Schlüsselbranchen stark: Allen voran bei der Herstellung von Metallerzeugnissen, von Nahrungs- und Futtermitteln sowie Getränken und im Maschinenbau. Industriegeschichtlich bedingt liegt in der Pilsener Region ein weiterer Schwerpunkt in der gummi- und kunststoffverarbeitenden Industrie, während in der Oberpfalz viele Betriebe in der Verarbeitung von Glas, Keramik und Steinen und Erden tätig sind.

Tschechiens Wirtschaft zeichnet eine starke Ausfuhrorientierung nach Bayern aus. 2010 beliefen sich die Exporte auf über neun Milliarden Euro. In der Wirtschaftskrise profitierten die westböhmischen Zulieferer davon, dass ihre ostbayerischen Auftraggeber gut aufgestellt waren. Grenzüberschreitend ist auch die Ausrichtung auf High-Tech-Produkte. Beimler nennt als Beispiel Lintech. Der Spezialist für Laserbeschichtung aus Domazlice engagiert sich vermehrt in Ostbayern nicht nur als Lieferant, auch in Forschung und Entwicklung. Zudem sind die Tschechen über das Mechatronik-Cluster mit Ostbayern vernetzt.

Diesseits des Grenzzauns wiederum unterhalten Unternehmen wie die Nabburger EMZ Hanauer schon lange Betriebsstätten im Nachbarland. Für Oberpfälzer Mittelständler wie EMZ bleiben die Werke in Tschechien weiter wichtig, da sie Arbeitsplätze am Heimatstandort sichern.

Zudem investieren auch Konzerne von außerhalb auf beiden Seiten der Grenze. Sie nutzen so Synergien, etwa in der Aus- und Fortbildung. Ihr Erfolg ist messbar, etwa bei der Gerresheimer AG. Der Düsseldorfer Kunststoff- und Verpackungsspezialist stellt in Pfreimd bei Schwandorf und Horšovsky Týn (Kreis Domažlice) medizinische Produkte her, etwa Insulin-Pens, Inhalatoren oder Stechhilfen.

Dass diese Branche boomt, davon profitieren beide Standorte gleichermaßen, so die Studie: Gerresheimer investierte 2011 in Horšovsky Týn zwölf Millionen Euro, für Pfreimd wurde soeben ein 25-Millionen-Euro-Investment verkündet. Gleichzeitig sollen auch die Mitarbeiterzahlen steigen, in Horšovsky Týn von 375 auf 450, in Pfreimd sogar von 550 auf 680.

Wenn es große Unterschiede gibt, so Beimler, dann liegen die im stärkeren Stadt-Land-Gefälle der Unternehmensstandorte: Auf tschechischer Seite arbeitet mit 43 Prozent fast die Hälfte aller Industriebeschäftigten in der Stadt Pilsen. Im ostbayerischen Zen-trum Regensburg arbeiten dagegen knapp 30 Prozent der Beschäftigten des Verarbeitenden Gewerbes im IHK-Bezirk. Mit den Landkreisen Cham und Schwandorf haben sich in der Oberpfalz zwei weitere Wirtschafts-Schwerpunkte gebildet.

Mit dem Ergebnis der Analyse ist der Hauptgeschäftsführer der IHK-Regensburg, Dr. Jürgen Helmes, zufrieden. Grundsätzlich sei die Analyse als Datenbasis zur Stärkung von Netzwerken und Initiativen, oder für Gespräche etwa zwischen den Hochschulen Regensburg und Pilsen gedacht.

Dass die Nachbarn sich mittlerweile auch wirtschaftlich so nahe gekommen sind, erleichtere die Arbeit der Wirtschaftsförderer: „Je homogener der Wirtschaftsraum, desto besser sind seine Erfolgsaussichten.“

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