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Dicke Freunde trotz Sprachproblemen

Dobrany und Obertraubling sind seit über zehn Jahren Partner. Deutsche und Tschechen verstehen sich gut – einen Dolmetscher brauchen sie dennoch.
von michael jaumann, mz

  • Dobranys Bürgermeister Marek Sykora versucht sich am Obertraublinger Bürgerfest als Anzapfer. Foto: Hafner
  • Dobrany ist ein schmuckes Städtchen am Rand von Pilsen, das nostalgischen Charme verströmt. Foto: Jaumann

Obertraubling. Einfach mal so zum Telefon greifen und das nächste Treffen vereinbaren – für Alfons Lang, Bürgermeister von Obertraubling (Landkreis Regensburg) und seinen Amtskollegen Marek Sýkora aus Dobrany ist das praktisch nicht möglich. Die Oberhäupter der tschechischen und der Oberpfälzer Partnergemeinde mögen vielleicht durch die Sprache der Herzen miteinander verbunden sein, aber verstehen können sie kaum, was der jeweils andere sagt.

Das macht die Kommunikation zwischen Dobrany und Obertraubling etwas mühsam. Wenn Lang dem Kollegen etwas mitteilen möchte, bemüht er den Postweg. Seine Verwaltung schreibt auf Deutsch. Im Rathaus von Dobrany gibt es Beschäftigte, die den Brief übersetzen können und in deutscher Sprache einigermaßen verständlich zurückschreiben.

Eine Partnerschaft aus Zufall

Angesichts dieser Sprachbarriere ist es erstaunlich, dass Obertraubling überhaupt eine solche Gemeindepartnerschaft eingegangen ist und noch erstaunlicher ist, dass sie nach mehr als zehn Jahren so gut floriert. Die Feuerwehren sind mächtig verbandelt, und auch der Sportverein, die CSU, die Gartler und die Pfadfinder haben unter anderem Kontakte ins Nachbarland – „viele Aktivitäten bekommt die Gemeinde schon gar nicht mehr mit“, freut sich Lang über die Partnerschaft.

Dass Dobrany und Obertraubling Freunde wurden, beschreibt Bürgermeister Lang als Zufall. Die Tschechen waren auf der Suche nach einer Partnergemeinde. Eine deutsche Firma war dort, knüpfte Kontakte zum Landratsamt Regensburg und dieses ließ den Gemeinden im Landkreis den Wunsch der Tschechen übermitteln.

In Obertraubling wiederum hatte sich nach dem Zweiten Weltkrieg eine große Zahl von Heimatvertriebenen angesiedelt. Aus dieser Vergangenheit heraus bestand in der Gemeinde schon länger der Wunsch nach einer Partnerschaft mit Tschechien als Geste der Aussöhnung. So kam eins zum anderen. Lang fuhr nach Dobrany, man beschnupperte sich, fand sich sympathisch und auch die Größe der Gemeinden passte – Dobrany hat jetzt rund 6000 Einwohner und Obertraubling 7900. Lang stellte das Projekt im Gemeinderat vor und es habe damals weder Vorbehalte noch eine Diskussion um Alternativen gegeben, erinnert sich der Bürgermeister. So wurden die beiden Partner.

Um die Partnerschaft mit Leben zu erfüllen, sind Vereine „zwei, drei Mal im Jahr drüben, und umgekehrt“. Und auf offizieller Ebene lädt man sich zu jedem größeren Ereignis ein. Beim Obertraublinger Bürgerfest war eine Delegation aus Dobrany da, auch beim Christkindlmarkt und zuletzt zum Neujahrsempfang. Zur Feier des Zehnjährigen hatten sich die Obertraublinger auf die knapp 200 Kilometer lange Reise ins Nachbarland begeben.

Die Verbindung läuft rein auf einer gesellschaftlichen Ebene ab. Die Verwaltungen selbst knüpften untereinander keine Kontakte – zu unterschiedlich sind die Strukturen. Gleiches gilt auch für die Politik. „Ich könnte vom engeren Kreis der Stadträte, mit denen ich zu tun habe, gar nicht sagen, welcher Partei die angehören“, bekennt Lang.

Dazu trägt wohl auch die Sprachbarriere bei. Hüben wie drüben fehlen Menschen, die die Sprache des Nachbarn verstehen. Und auch mit der Weltsprache Englisch tun sich die Beteiligten eher hart. So sorgt bei den Besuchen immer ein Dolmetscher für die Kommunikation.

Hoffen auf die nächste Generation

Gerade weil die gegenseitige Gewalt aus der Mitte des 20. Jahrhunderts zwischen den Partnern gar kein Thema mehr ist, wäre es „fatal, wenn das Ganze abreißt“, sagt Lang. Er setzt auf die Jugend, für die Englisch weniger ein Problem ist als für seine Generatio – und die sogar bereit ist, sich auf die Sprache des Nachbarlands einzulassen. So freut sich der Bürgermeister besonders, dass an „seiner“ Realschule Obertraubling ein gutes Dutzend Kinder im Wahlfach Tschechisch lernt.

Eine Doppelstunde pro Woche unterrichtet Miroslava Putz seit dem vergangenem Jahr an der Realschule Obertraubling Tschechisch. 14 Schüler waren es im vergangenem Jahr. Wegen der Abschlussprüfungen sind es heuer zwar mit zehn Schülern etwas weniger. Dafür legen drei Schüler immerhin in Weiden vor Prüfern der Karls-Universität Prag eine anerkannte Prüfung in Tschechisch ab. Auch Brieffreundschaften hat Lehrerin Putz schon vermittelt. Inzwischen schreiben sich die Schüler zwar auf Englisch – aber immerhin…

Um Tschechisch an der Schule populärer zu machen, schlug Rektorin Monika Müller-Sperl den Aufbau eines Austauschprogramms mit der „Základniskola Dobrany“ vor. Dabei soll es sich vorerst nicht um Aufenthalte von Schülern in Familien handeln. Für heuer wird es für die Obertraublinger Schüler einen Tagesausflug geben, mit Führungen, einem Mittagessen an der Schule und der Teilnahme an einer Ausstellung an der Partnerschule. Wenn am 18. Juni die Realschüler nach Dobrany fahren, wird Alfons Lang mit von der Partie sein. Bei der Völkerverständigung kann sich der Bürgermeister dann vielleicht schon von Kindern seiner Gemeinde helfen lassen.

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