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Sprache

„Eine Nasenlänge voraus“

Tschechisch ist an ostbayerischen Realschulen als Wahlfach etabliert.
Von Maria Gruber, MZ

Regensburg. Welche Sprachen lernen Schüler? Englisch, Französisch, Griechisch, Latein, Spanisch, sogar Chinesisch. Und Tschechisch? Zumindest in ostbayerischen Gymnasien nur vereinzelt. Anders ist die Situation an Realschulen: Ludwig Meier, Ministerialbeauftragter für die Realschulen in der Oberpfalz, versucht seit Jahren, Schulleiter, Lehrer und Politiker davon zu überzeugen, dass Tschechisch-Kenntnisse wichtig sind. „Wenn etwas zusammenwachsen soll, braucht man eine Brücke“, sagt er. Zudem werde Tschechisch für den hiesigen Arbeitsmarkt immer wichtiger. Oft würden Sprachkenntnisse bei Stellenangeboten gefordert, da Betriebe im Nachbarland investieren. „Wer Tschechisch spricht, ist eine Nasenlänge voraus.“

An grenznahen Oberpfälzer Realschulen wird Tschechisch flächendeckend als Wahlfach angeboten, insgesamt sind es 70 Prozent, sprich 24 Realschulen. Tendenz: steigend. Seit dem Schuljahr 2002/2003 hat die Zahl der Tschechisch lernenden Schüler sogar um mehr als 550 zugenommen. Unterrichtet werden sie von 15 Muttersprachlern. Seit Kurzem können sich sie Lehrer dabei auf den Band „Materialien für den Tschechischunterricht in Bayern – Nievaustufe A1+“ stützen, den Meier mit dem Kultusministerium erarbeitet hat. Auch an Grund- und Mittelschulen ist Tschechisch Thema. Es gibt „Arbeitsgemeinschaften Tschechisch“ an 67 Prozent der Schulen, also an 26 Grund- und fünf Mittelschulen, sagt Regierungsschulrat Thomas Unger. Der Unterricht: wie an Realschulen praxisorientiert.

Die Grundlage: ein Beschluss des Bayerischen Landtags aus dem Jahr 2008. Die „Sprachkompetenz und interkulturelle Kompetenz im bayerisch-tschechischen Grenzraum“ soll verbessert werden, Tschechisch-Unterricht an bayerischen Schulen flächendecken mitsamt einer entsprechenden Zertifizierung eingeführt werden. Für die Zertifizierung musste Ludwig Meier drei Jahre lang „dicke Bretter bohren“. Am 28. Mai 2011, als zum ersten Mal in der Geschichte zwischen Bayern und Tschechien eine Prüfung zur Zertifizierung nach dem Europäischen Referenzrahmen angeboten wurde, war es so weit. Die Prüfung schafften auf Anhieb 34 von 42 Schülern. Mit ihrem Zertifikat können sie sich später etwa beweben.

Mitte des Jahres geht Meier in den Ruhestand. Angst, dass Tschechisch an Schulen wieder eine Randerscheinung wird, hat er aber nicht. Im Juli 2011 unterzeichneten der bayerische Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle und sein tschechischer Kollege Josef Dobes einen Kooperationsvertrag, indem sie die „Ausweitung und Intensivierung auf dem Gebiet des Tschechischunterrichts an den Schulen in Bayern“ als wichtiges Ziel definieren. Allein die Überzeugungsarbeit muss dann ein anderer übernehmen. Bis Tschechisch vielleicht einmal denselben Stellenwert hat wie andere Fremdsprachen.

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