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Regensburg.

Ein Comeback der „Kraaniche“

Die legendären Krautrocker von Kraan waren mit optimalem Sound zu Gast im Jazzclub.

Hellmut Hattler, BassFoto: Scheiner

Von Michael Scheiner, MZ

„Die sind klasse, wirklich unglaublich gut… Damals ha’m wir die nicht gekannt. Nach Hendrix… da konnten wir so etwas einfach nicht hören. Unmöglich!“ Jetzt, nach weit über 30 Jahren haben „Kraan“ in ihrer Urbesetzung einen begeisterten Fan mehr. Mindestens. Wahrscheinlich sind es noch etliche andere. Ganz sicher aber eine Menge alter Sympathisanten, die ihren einstigen Enthusiasmus für die Ulmer Krautrock-Pioniere beim Jazzclubkonzert im Leeren Beutel wieder auffrischten. Sich im trocken treibenden Beat von Jan Fride Wolbrandt und den knackigen Bassläufen Hellmut Hattlers alten und mit leichten Kreuzschmerzen zum Geheul der frisch und spritzig klingenden elektrischen Gitarre von Peter Wolbrandt wippen, dem älteren Bruder des Drummers.

Nach vielen Umbesetzungen, Veränderungen und langen Pausen seit ihrer Gründung 1971 läutete die Band vor neun Jahren ein erfolgreiches Comeback ein, das andauert. Mit neuen Alben und Songs, zuletzt dem Album „Psychedelic Man“, aus dem das Trio mehrere Songs spielte, machten die „Kraaniche“ deutlich, dass sie für nostalgische Schwelgereien nur wenig übrig haben. Natürlich greifen sie auch auf altes und älteres Material mit vertrackten Rhythmen und komplexen Arrangements zurück, lassen gar die bedächtige Hausbesetzerhymne „Nam Nam“ voller schwelgerischem Pathos erklingen. Aber sie geben den meisten Songs, die ihrer Zeit oft deutlich voraus waren, einen neuen Anstrich. Wenn Hattler und Wolbrandt mit ihren Gitarren Unisonoläufe zelebrieren und in virtuoser Zweistimmigkeit die klassische Aufteilung weit hinter sich lassen, dann hat das richtig Klasse und macht Laune.

Fast vergessene Psychedelia

Dennoch weckte die stark rockorientierte Musik aus Jazz, souligen Elementen und fast vergessen geglaubter Psychedelia nicht nur Entzücken. Jüngere Besucher, die mit der Generation der Babyboomer nur als Eltern verbunden sind, konnten nur bedingt mit den vorwärtsdrängenden Instrumentalnummern – das Trio hat nur wenig Lieder im Programm – etwas anfangen. Einen großen Pluspunkt aber konnte „Kraan“ generationsübergreifend verbuchen. Der vorzüglich abgemischte Sound war nie so laut wie heutzutage all zu oft, dass einem fast die Ohren abfielen. Eine stimulierende Wieder- und Neubegegnung, wie man sie nach immer neuen Reunions und Comebacks nur selten in so feiner Qualität erlebt. Respekt.

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