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Regensburg.

Komponist Ernst Kutzer ist gestorben

Offenheit für moderne Strömungen und die Heimat prägten sein Werk.

Ernst Kutzer Foto: MZ-Archiv

Von Gerhard Dietel, MZ

Seinen 90. Geburtstag konnte er im März dieses Jahres noch in großem Rahmen feiern: In Bad Abbach, seinem letzten Wirkungsort als Pädagogen, richtete man dem Komponisten Ernst Kutzer eine Feier aus, bei der sein Wirken und Schaffen in Wort und Ton gewürdigt wurde. Geistig noch ganz rege saß Ernst Kutzer in der ersten Reihe, zwar durch einen Unfall in den Rollstuhl gezwungen, doch guten Mutes und voller Freude über die ihm widerfahrende Ehre. Nun, ein gutes halbes Jahr danach, hat ihn der Tod heimgeholt in einem Alter, das mehr als biblisch genannt werden kann. „Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hoch kommt sind es achtzig Jahre“: von mehr ist im Psalm 90 des Alten Testaments keine Rede, nur, in der Lutherschen Übersetzung, von der mit solchem Leben verbundenen „Mühe und Arbeit“.

Spuren im Kulturleben

Arbeit genug gab es in Ernst Kutzers Leben, das den Beruf als Pädagoge mit der Neigung zur Musik verband. Damit folgte er noch jener aus dem 19.Jahrhundert überkommenen Vorstellung eines auf dem Lande tätigen Lehrers, der zugleich die Funktion eines Kantors übernehmen konnte. Ganz in diesem Sinne übte er seine Tätigkeit aus, die ihn von Hohenthan und Mitterteich schließlich bis nach Bad Abbach führte. An all diesen Orten hinterließ er seine Spuren im örtlichen Kulturleben, ob als Chorleiter, als Organisator oder als Dirigent von Konzerten.

Oper „D’Woidrumpl“

Seiner Oberpfälzer Heimat blieb der zwar in München Geborene, doch in Thanhausen nahe der tschechischen Grenze Aufgewachsene stets treu. Die hier empfangenen frühen musikalischen Eindrücke blieben im späteren Schaffen bestimmend, gipfelnd in der Oper „D’Woidrumpl“ von 1993. Aber diesen Zug von Bodenständigkeit verband Ernst Kutzer in seinem umfangreichen Oeuvre von Orchester-, Kammer- und Vokalmusik mit einem Blick in die Weite. Selbst zeitgenössischen Strömungen öffnete er sich, wenn er zeitweise zwölftönige Kompositionstechniken erprobte. Und mit seiner letzten Schöpfung von 2002 wandte er sich zum krönenden Abschluss seiner Werkreihe noch der Königsdisziplin des Streichquartetts zu.

An Anerkennung für Ernst Kutzers künstlerische Leistung fehlte es nicht, angefangen vom „Kulturpreis Ostbayern“ bis hin zum Bundesverdienstkreuz am Bande. Besonders freuen konnte er sich, als ihm vor zehn Jahren ein eigener Band in der Reihe „Komponisten in Bayern“ gewidmet wurde. Diese Würdigung war die Aufnahme in eine Art musikalischer Walhalla, wo sein Name nun für immer neben denen von Carl Orff, Werner Egk und Karl Amadeus Hartmann stehen wird.

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