MyMz

Werden Berliner Nackte nach Regensburg verkauft?

Florian Karsch bietet seine einzigartige Sammlung von Otto-Mueller-Grafiken dem Kunstforum Ostdeutsche Galerie an

  • Bleibt nach Ende der Otto-Mueller-Ausstellung als Leihgabe in Regensburg: Das Gemälde „Zwei sitzende Mädchen“ aus dem Jahr 1924 Foto: Katalog
  • Galerist und Sammler Florian Karsch im Kunstforum Ostdeutsche Galerie neben der Skulptur „Diskutierender Jünger“, die sein Vater, der 1945 gestorbene Bildhauer Joachim Karsch, geschaffen hat. Die Galerie zeigt das Werk an einem repräsentativen Ort – direkt neben den Gemälden von Lovis Corinth. Foto: Katrin Kelber

Von Ulrich Kelber, MZ

REGENSBURG. Ein großartiges Angebot für Regensburg: Der Berliner Galerist und Sammler Florian Karsch würde gerne seine einzigartige Sammlung mit grafischen Werken des berühmten expressionistischen „Brücke“-Künstlers Otto Mueller dem Kunstforum Ostdeutsche Galerie übergeben. „Das Kunstforum wäre für mich der ideale Ort“, sagte der 81-jährige Florian Karsch am Sonntag bei der Eröffnung der großen Mueller-Ausstellung. Und auch sein Adoptivsohn Ergün Özdemir-Karsch betont: „So eine Sammlung kann man nicht in die Welt verstreuen.“

5,5 Millionen Euro sind nötig

5,5 Millionen Euro ist der Preis, den sich Florian Karsch vorstellt. Bei den Summen, die derzeit auf dem Kunstmarkt gezahlt werden, scheint das nicht unrealistisch. „Wenn ein Museumsdirektor die Sammlung wirklich will, dann schafft er es auch, das Geld zusammen zu bekommen“, ist sich Karsch sicher.

Bereits 1995 hatten Karsch und seine Frau Inge eine Vereinbarung mit der Berlinischen Galerie getroffen. Damals wurden von der Galerie einige Hauptwerke des Dadaismus (mit Hilfe der Stiftung Deutsche Klassenlotterie) angekauft, zahlreiche weitere Werke, deren Wert damals auf 50 Millionen Mark geschätzt wurde, gaben Karsch und seine Frau als Schenkung an die Galerie.

Gemälde als Leihgabe

Auch in Regensburg zeigte sich Florian Karsch bereits generös. Am Sonntag versprach er Galeriedirektorin Dr. Ulrike Lorenz, dass nach Ende der Ausstellung am 18. März das Gemälde „Zwei sitzende Mädchen“, das Mueller im Jahr 1924 gemalt hatte, als Leihgabe in Regensburg bleiben darf.

Ulrike Lorenz zeigt großes Interesse: „Die Sammlung wäre inhaltlich für uns sehr, sehr wichtig.“ Doch sie räumt ein: „Das wird schwierig werden.“ Man müsse auch noch klar über den Preis diskutieren. Sie wird sich jetzt mit den Aufsichtgremien des Kunstforums in Verbindung setzen, denn das Museum wird ja von einer Stiftung getragen, in der Bund, Land Bayern und Stadt Regensburg vertreten sind. Es gäbe also viele Schultern, die den finanziellen Kraftakt des Sammlungsankaufs gemeinsam stemmen könnten. Nachdem in letzter Zeit so viele bedeutende Kunstwerke ins Ausland abgewandert sind, müsste eigentlich die Bereitschaft groß sein, die Sammlung Karsch für ein deutsches Kunstmuseum zu sichern.

Es geht aber nicht allein um die Werke von Otto Mueller. Florian Karsch würde dem Regensburger Kunstforum auch die 250 Blätter umfassende grafische Sammlung mit Werken seines Vaters Joachim Karsch übergeben. Das Kunstforum besitzt von dem 1897 in Breslau geborenen Bildhauer und Zeichner bereits mehrere plastische Arbeiten. Joachim Karsch starb im Februar 1945 auf tragische Weise. Nachdem von Soldaten seine Werke mutwillig zerstört worden waren und die Zwangsumsiedlung nach Osten befohlen war, begingen er und seine Frau Liesbeth in Gandern, einem kleinen Ort östlich von Frankfurt (Oder), Selbstmord.

Wie aus dem 1925 geborenen Sohn Florian Karsch dann der Besitzer einer berühmten Galerie wurde, ist ebenfalls eine interessante Geschichte. Joachim Karsch war in erster Ehe mit der Industriellentochter Meta Correns verheiratet. Nach der Scheidung eröffnete sie 1931 in Berlin-Tempelhof eine Buchhandlung. 1936 heiratete sie in zweiter Ehe den Galeristen Josef Nierendorf.

Die Brüder Karl und Josef Nierendorf hatten 1920 in Köln eine Kunsthandlung gegründet, gingen dann ein paar Jahre später nach Berlin. Dort wurden sie zu Förderern von expressionistischen Künstlern wie Erich Heckel, Emil Nolde oder Karl Schmidt-Rottluff. Auch Otto Dix gehörte zu den Künstlern der Galerie. Nach 1933 setzten sie sich für die vom NS-Regime verfemten Künstler ein. Karl Nierendorf ging 1936 nach New York, um dort eine Galerie aufzubauen. Josef Nierendorf konnte die Berliner Galerie noch bis Kriegsbeginn 1939 weiterführen. Karl Nierendorf starb 1947, Josef Nierendorf nur zwei Jahre später 1949.

Zoologe wurde Galerist

1955 begannen dann Florian Karsch und seine Frau Inge mit Unterstützung von Meta Nierendorf dann an den Neuaufbau der Galerie. Dabei hatte der vielseitig talentierte Florian Karsch (der auch gerne zeichnet und aquarelliert) zunächst ganz andere Berufsziele gehabt und in Berlin Zoologie studiert. Im Laufe seiner Galeristentätigkeit trug er eine bedeutende Kunstsammlung zusammen. Sein besonderes Interesse galt stets Otto Mueller. Bereits 1974 gab er das Werkverzeichnis zu dessen grafischen Schaffen heraus.

Für das Kunstforum Ostdeutsche Galerie wäre es sicher ein beträchtlicher Statusgewinn, sollte es tatsächlich gelingen, die Mueller-Sammlung von Florian Karsch auf Dauer nach Regensburg zu holen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht