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Wird der Mord an Pit Koller gerächt?

War Stefan S. Mörder von Pit Koller? / Schwurgericht will Fall klären

  • Ein Kripobeamter sucht nach verwertbaren Spuren nach dem Ninja-Schwertmord an Pit Koller.
  • Um dieses Fitness-Center „Pits Gym“ am Abensberger Bahnübergang wurde offensichtlich schon ein halbes Jahr vor der Bluttat an Studio-Inhaber Pit Koller heftigst gestritten. Fotos: Archiv/Sass

Was geschah wirklich am 27. Mai 1999 in Abensberg? Hat der angeklagte ehemalige Pächter des Fitness- Centers, Stefan S., Inhaber Pit Koller brutal mit einem Samurai-Schwert ermordet? Jetzt erst beginnt der Prozess.

Von Arist Nick Sass

Abensberg. Der 38-jährige Pit Koller wird am frühen Abend des 27. Mai 1999 in der Nähe seines Fitness-Centers an der Ecke Römer- und Traubenstraße neben dem Bahndamm brutal niedergestochen. Blutüberströmt versucht er sich noch zu wehren – vergebens. Sein Mörder lässt ihm keine Chance. Er sticht weiter zu. Der Täter flüchtet und verliert dabei noch am Tatort die selbst gefertigte Scheide der Mordwaffe – ein gebogenes Samurai- oder Ninja-Schwert.

Das Foto von der Schwertscheide wurde in allen Medien veröffentlicht. Trotzdem konnte niemand der Kripo einen Hinweis geben. Jahrelang tappten die Ermittler im Dunkeln. Jetzt – acht Jahre nach dem gewaltsamen Tod von Pit Koller – muss sich der mutmaßliche Täter, der heute 29-jährige Stefan S., (Name von der Redaktion geändert) ab 12. Februar vor dem Regensburger Schwurgericht verantworten. Für den Prozess wurden zunächst sechs Tage festgesetzt.

Der Tatverdächtigte sitzt seit 2005 wegen Mordverdachts in U-Haft. Er war zwar bereits kurz nach der Tat verdächtigt worden, hatte aber zunächst ein „wasserdichtes Alibi“, so die Ermittler. Zwischenzeitlich hatte er sich auch ins Ausland abgesetzt. Erst 2005 wurde Stefan S. nach ausgedehnten Ermittlungen der Polizei wegen dringenden Tatverdachts in St. Johann festgenommen, als er wieder eingereist war. Sein Alibi, so sagen die Ermittler, war geplatzt, obwohl S. immer wieder seine Unschuld beteuerte.

UnklareBeziehungen

Unklar wie die Tat selbst waren auch die geschäftliche Beziehungen des Inhaftierten zum Mordopfer.

In einem Aufsehen erregenden Prozess vor dem Kelheimer Schöffengericht wurde schon Ende Juli 2000 eine höchst verwickelte Geschichte aufgerollt (Rundschau berichtete). Kurz zusammengefasst soll sich mehr als ein halbes Jahr vor dem Mord etwa folgendes zugetragen haben:

S. soll bei Pachtantritt für die Kundenkartei 50000 Mark bar an Koller bezahlt haben. Um den bestehenden Pachtvertrag vorzeitig aufzulösen, wollte Koller die 50000 Mark wieder an S. zurückzahlen. Am 21. Oktober 1998 sollte im Fitness-Studio das Geld – gebündelt in einer Banderole – übergeben werden. Dabei kam es zu einem Streit, bei dem S. Koller unsanft zur Tür „auf allen vieren stolpernd“, so ein Zeuge, hinauskatapultiert haben soll.

S. erzählte auf der Anklagebank eine ganz andere Version und wollte zudem von dem Geld auch nichts mehr gesehen haben. Später tauchten 37000 Mark von Kollers angeblich nicht ausbezahlten Geld bei einem Grundstückskauf wieder auf. Koller hatte nämlich die Nummern der Scheine registrieren lassen. S. war überführt.

Weil der Mörder Kollers noch frei herumlaufe, verweigerte der eingangs genannte Zeuge aus Angst schließlich alle weiteren Aussagen. Versuche, von ihm auch Hinweise auf den Mord zu bekommen, schlugen damals fehl.

Stefan S. wurde schließlich wegen Raubes und vorsätzlicher Körperverletzung an Pit Koller vom Vorsitzenden Richter, Dr. Clemens Prokop, zu zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt.

S.wollteGeldvon Hinterbliebenen

Trotz eingelegter Berufung musste Sch. die Strafe absitzen. Zudem wurde er nach dem missglückten Landkauf vom Regensburger Landgericht verurteilt, die 37000 Mark wieder zurückzuzahlen.Es war aber nicht die einzige Verhandlung des Ex-Mieters. Stefan S. verklagte sogar Kollers Erben um das angeblich nicht ausgehändigte Geld.Bei der Kelheimer Schöffengerichts-Verhandlung war es noch dazu zu bemerkenswerten Zeugenaussagen gekommen, so dass der vorsitzende Richter Dr. Prokop damals das Verhalten des Angeklagten als „äußerst merkwürdig“ bezeichnete. Ein Zeuge erklärte, dass er vor der geplanten Geldübergabe von S. aufgefordert worden sei, hinter einer Wand zu stehen und auf das Stichwort „Hilfe, Hilfe“, herauszutreten. Prokop schloss daraus, dass von Anfang geplant wurde, notfalls auch mit Gewalt das Geldgeschäft durchzusetzen.

Beim jetzt anberaumten Schwurgerichtsprozess gegen den Tatverdächtigen Stefan S. am kommenden Montag in Regensburg, hoffen die Richter und die Staatsanwaltschaft, endgültig Licht in das dunkle Kapitel um die Ermordung Pit Kollers bringen zu können.

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