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Verkehr

„Eisfreitag“ kratzt an der Unfall-Bilanz

Die Schäden am Blitzeis-Tag verpassen der Statistik der Chamer Polizei einen Dämpfer. Sorgen bereitet das Handy am Steuer.

Ein Brennpunkt des Gatteisgeschehens war der Schulberg. Er wurde zeitweise von der Chamer Feuerwehr komplett gesperrt, weil er schon aufgrund der Steigung unpassierbar war. Foto: Schiedermeier
Ein Brennpunkt des Gatteisgeschehens war der Schulberg. Er wurde zeitweise von der Chamer Feuerwehr komplett gesperrt, weil er schon aufgrund der Steigung unpassierbar war. Foto: Schiedermeier

Cham.Vom scheinbar harmlosen „Parkrempler“ am Supermarkt-Parkplatz über die Verhinderung von Trunkenheitsfahrten, bis zur Aufnahme von schrecklichen Unfällen mit tödlichem Ausgang reicht die Bandbreite des Alltagsgeschäfts bei der Polizeiinspektion Cham. Verkehrssachbearbeiter Walter Dendorfer und Inspektionsleiter Alfons Windmaißer zeigten sich bei der Vorstellung der Unfallstatistik für 2018 dennoch zufrieden - vor allem was die Erfolge der Präventionsarbeit betrifft.

Der „Eisfreitag“ war eines der hauptverantwortlichen Elemente, warum die Unfallstatistik für 2018 nicht positiver ausfiel. Alleine an diesem Tag gab es zahlreiche Blechschäden, die in die Gesamtzahl von 1265 Unfällen einflossen. Ein Schulwegunfall mit einem elfjährigen Mädchen, das unaufmerksam in die Fahrbahn trat und gegen einen Personenwagen lief, was leichte Verletzungen zur Folge hatte, weist auf eine Hauptunfallursache hin: Unaufmerksamkeit, geistige Abwesenheit im Verkehrsgeschehen.

Fünf Verkehrstote zu beklagen

193 Personen wurden bei Unfällen verletzt, 32 davon schwer. Fünf Unfälle mit tödlichem Ausgang waren zu klären. Ein 20-jähriger polnischer Staatsbürger geriet mit seinem Kleintransporter im Gegenverkehr gegen einen Lastwagen, ein 53-jähriger Motorradfahrer starb nach dem Aufprall auf die Böschung, nachdem sich sein Seitenständer gelöst und im Asphalt verhakt hatte.

Walter Dendorfer, Alfons Windmaißer und Georg Bayerl boten mit der Unfallstatistik Einblick in das Verkehrsverhalten. Foto: Dachs
Walter Dendorfer, Alfons Windmaißer und Georg Bayerl boten mit der Unfallstatistik Einblick in das Verkehrsverhalten. Foto: Dachs

Ein 74-jähriger Autofahrer kam aus ungeklärter Ursache auf die Gegenfahrbahn und ein 15-jähriger Rollerfahrer, der nach links in einen Feldweg abbiegen wollte, wurde in dem Moment von einem überholenden Personenwagen erfasst. Völlig unverständlich war ein tödlicher Unfall in Chammünster, wo ein 52-jähriger Rennradfahrer starb, nachdem er auf einen abgestellten Siloanhänger geprallt war.

Unfallursachen und Vorbeugung

  • Altersstruktur:

    Junge Erwachsene (18 bis 24 Jahre) machen einen Bevölkerungsanteil von 7,5 Prozent aus, sind aber mit 27 Prozent an schweren Unfällen beteiligt, von denen sie wiederum 64 Prozent verursachen.

  • Sachschäden:

    Fast 30 Prozent des Gesamtschadens bei Verkehrsunfällen (in Summe 694 000 Euro) wurden 2018 durch junge Erwachsene verursacht, die auch an 37,5 Prozent der Alkoholunfälle beteiligt waren.

  • Radarmessungen:

    Die Verkehrspolizei Regensburg führte 2018 mit der PI Cham 194 Radarmessungen durch. Es gab 1266 Anzeigen, 3412 Verwarnungen und 21 Fahrverbote.

  • Lasermessungen:

    Bei 191 Einsatzstunden mit der Laserpistole der PI Cham wurden 185 Anzeigen und 41 Verwarnungen ausgesprochen, die durchschnittliche Messdauer pro Tag waren 31 Minuten.

  • Schwerlastverkehr:

    Von 225 kontrollierten Fahrzeugen waren 86 aus dem Inland, 139 aus dem Ausland. (kad)

Bei den Haupt-Unfallursachen hat die Polizei wenig Möglichkeiten, zur Verhinderung beizutragen, macht Walter Dendorfer deutlich. Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren waren bei 24 Prozent der schweren Verkehrsunfälle die Ursache, mangelnder Sicherheitsabstand in 30 Prozent, falsche Straßenbenutzung in 16 Prozent und Verletzungen der Vorfahrt beziehungsweise des Vorrangs bei 15 Prozent der Unfälle.

„Die erstklassige Aufklärungsquote von 50 Prozent verdankt die Polizei auch aufmerksamen Zeugen“

Walter Dendorfer

Überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit (bei Starkregen, Eis, Schnee oder dichtem Nebel) war bei sieben Prozent der schweren Unfälle ursächlich, Alkohol am Steuer oder falsches Überholen waren in vier Prozent der Fälle ausschlaggebend. 209 Unfallfluchten beinhalten ein ganz spezielles Spektrum, nämlich die so genannten „Parkrempler“ auf Parkplätzen. Eine erstklassige Aufklärungsquote von 50 Prozent verdankt die Polizei auch aufmerksamen Zeugen, sagen Walter Dendorfer und Alfons Windmaißer. Der Polizeichef appelliert an Beteiligte, nach einem Anstoß auf ein parkendes Fahrzeug zu warten und eine gütliche Einigung mit dem oder der Geschädigten anzustreben.

Unfälle

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Das Handy lenkt jeden ab

Zwei Auffälligkeiten haben Walter Dendorfer, sein für den Gesamtlandkreis zuständiger Kollege Georg Bayerl und Alfons Windmaißer bei den Verkehrsverstößen herausgefiltert. Während ältere Verkehrsteilnehmer am häufigsten auffallen, weil sie den Sicherheitsgurt nicht anlegen, spielt bei jüngeren Fahrern die Ablenkung durch Smartphone, Tablet oder Spielen am Navigationssystem eine große Rolle. Erfreulich ist für die Polizeibeamten, dass vor allem bei jungen Leuten „Alkohol am Steuer“ ein Tabuthema ist, „der Fahrer bleibt clean!“ sei eine sehr erfreuliche Tendenz, finden die Ordnungshüter.

Glatteis legt Verkehr in Cham lahm

Vier Beamte der PI Cham widmen sich seit Monaten verstärkt der Kontrolle auf Drogenkonsum, mit Erfolg, wie die Statistik zeigt. Unter Drogen stehende Unfallverursacher wurden 2018 nur zweimal registriert, wogegen es mit 16 Unfällen unter Alkohol exakt die gleiche Fallzahl wie 2017 gab.

Schwere Unfälle mit Zweirädern waren 2018 einige im Bereich der PI Cham zu verzeichnen, einer endete tödlich für einen 52-Jährigen. Foto: Schiedermeier
Schwere Unfälle mit Zweirädern waren 2018 einige im Bereich der PI Cham zu verzeichnen, einer endete tödlich für einen 52-Jährigen. Foto: Schiedermeier

Allerdings wurden bei Kontrollen 23 Fahrer mit Drogeneinfluss festgestellt, während 52 Trunkenheitsfahrten verhindert werden konnten. Immerhin 50 Fahrerinnen oder Fahrer wiesen bei Kontrollen zwischen 0,5 und 1,1 Promille Alkohol im Blut auf, 38 hatten sogar mehr als 1,1 Promille Alkohol im Blut. 25 Schulklassen mit 550 Schülern wurden von Polizeibeamten über Alkohol und Drogen aufgeklärt, 62 Anzeigen wegen Benutzung von Mobiltelefonen am Steuer sind nach Einschätzung der Polizei nur „die Spitze des Eisbergs“, außerdem gab es 121 Verwarnungen wegen der Verstöße gegen die Gurtpflicht.

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