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Crash

Schiffsunfall auf dem Main-Donau-Kanal

Bei dichtem Nebel schrammt ein Fluss-Kreuzfahrtschiff in Riedenburg gegen eine eingerüstete Brücke. Passagiere hatten Glück.
Von Beate Weigert

  • Das Hängegerüst an der St. Anna-Brücke in Riedenburg ist laut Wasser- und Schifffahrtsamt Nürnberg nur mehr ein „Trümmerhaufen“. Foto: Fabian Lehner
  • Das am Sonnendeck und vorne total demolierte Schiff liegt im Unterwasser der Schleuse Riedenburg vor Anker. 170 Passagiere und 50 Crew-Mitglieder blieben zum Glück unverletzt. Die Passagiere wurden mit Bussen nach Nürnberg gebracht.Foto: Weigert
  • Das demolierte Schiff ankert bei Riedenburg.
  • Die Wasserschutzpolizei Beilngries war mit einem Boot vor Ort.
  • Ab 12 Uhr konnten die anderen Schiffe wieder fahren. Der Unfall hatte zu einem Stau auf der Wasserstraße geführt.
  • Nahaufnahme vom demolierten Schiff
  • Blick auf das Unterwasser der Riedenburger Schleuse

Riedenburg.Die meisten Passagiere eines Schweizer Flusskreuzers dürften wohl in ihren Betten gelegen haben, als es am Samstag, 18. Juni gegen 2 Uhr früh ohrenbetäubend krachte. Draußen soll dichter Nebel mit einer Sichtweite unter 50 Meter geherrscht haben, wird es am Vormittag in der Pressemitteilung der Polizei heißen.

Das Personenschiff einer Schweizer Reederei stieß auf dem Main-Donau-Kanal in Riedenburg gegen das Gerüst einer Brückenbaustelle, meldet das Polizeipräsidium Oberbayern Nord. Der 37-jährige slowakische Schiffsführer war gerade dabei das 135 Meter lange Kabinenschiff, das von Budapest nach Nürnberg unterwegs war, unter der St.-Anna-Brücke hindurchzufahren. Aus noch nicht geklärter Ursache rammte er an der baustellenbedingt einseitig gesperrten Wasserstraße das ins Wasser ragende Gerüst der Brückenbaustelle. Die 170 Passagiere und 50 Crew-Mitglieder blieben unverletzt. Der entstandene Sachschaden am Gerüst und am Ausflugschiff ist beträchtlich. Das Sonnendeck des Schiffes ist total demoliert. Im vorderen unteren Teil wurden Tische und Stühle etc. ineinandergeschoben. Am Vormittag zeugte ein Haufen Möbel von dem Unfall. Die für die Unfallaufnahme zuständige Wasserschutzpolizei Beilngries schätzt den Schaden auf rund 800 000 Euro.

„Das Gerüst ist nur noch ein Trümmerhaufen“, sagen Pia August und Bettina Nachtrab vom zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamt Nürnberg vor Ort auf der St.-Anna-Brücke zu unserer Zeitung. Die Brückenbaustelle, die seit Anfang Mai läuft, stand kurz vor der Abnahme der Sandstrahlarbeiten. Nun ist das Hängegerüst einsturzgefährdet und kann nicht betreten werden. Durch den Unfall haben sich die Teile alle „schön verhakt“. Die zuständige Baufirma dürfte nun erst einmal drei bis vier Wochen mit dem Abbau des völlig demolierten Gerüsts beschäftigt sein, schätzen die beiden WSV-Vertreterinnen.

Am Montag wird aber zunächst ein Gutachter die Brückenbaustelle in Augenschein nehmen. Dann werde alles Weitere entschieden. Zuvor waren am Samstagvormittag auch Taucher im Einsatz, um sich mögliche Schäden von „unten“ anzusehen, so Pia August. Nach aktueller Einschätzung dürfte nur das Gerüst, nicht die Brücke Schaden genommen haben.

Eine Bildergalerie zu dem Vorfall finden Sie hier:

Schiffsunfall in Riedenburg

Mehr oder weniger mit einem Riesenschrecken kamen die überwiegend amerikanischen Passagiere davon. Sie waren am Samstag gegen 8 Uhr mit Bussen nach Nürnberg gebracht worden.

Der Main-Donau-Kanal war bis gegen 12 Uhr für den Schiffsverkehr gesperrt. Acht Personen- und Güterschiffe stauten sich. Ein Flusskreuzer musste in Dietfurt vorübergehend ankern, zwei weitere im Oberwasser der Riedenburger Schleuse. Dann konnten die Schiffe wieder fahren. Denn: Zum Glück ist nur die „Baustellen“-Seite beschädigt.

Der erste Unfall auf dem Main-Donau-Kanal ist dies nach Angaben von Polizei und WSV nicht. Auch die Essinger Brücke sei schon „angefahren“ worden.

Auch Vertreter der Stadt Riedenburg schauten bangen Blicks an der St.-Anna-Brücke vorbei. Schließlich findet am Samstagabend das große Sonnwendfest mit Feuerwerk statt. Auf der Brücke dürften sich Hunderte von Schaulustigen die besten Plätze suchen wollen. Dem stand am Samstagmittag zumindest nichts entgegen.

Das demolierte Fluss-Kreuzfahrtschiff ankert aktuell im Unterwasser der Riedenburger Schleuse.

Eigentlich hätte es nicht zu der Kollission kommen dürfen. Denn die Kapitäne aller Schiffe, die im Kanal unterwegs sind, finden auf ihren elektronischen Karten Baustellen markiert. Andere Kapitäne hätten den Engpass bislang auch nicht übersehen, sagen Polizeibeamte vor Ort. Den Kapitän des Schiffes dürfte ein Bußgeld erwarten, wegen Verstoßes gegen die Binnenschifffahrtsstraßenordnung. Laut Polizei war bereits ein Gutachter an Bord.

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