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Einsatz

Verpuffung löste Saaler Großbrand aus

Ein 46-Jähriger hantierte am offenen Tor zu dem Hallenkomplex mit einem Benzinkanister am offenen Tankdeckel eines Motorrads.
Von Martina Hutzler und Beate Weigert

  • Am Morgen nach dem Großbrand sind die Löscharbeiten immer noch nicht zu Ende. Bis Samstag, 12 Uhr, soll es aber soweit sein. Foto: Weigert
  • Brand in der Hafenstraße (MZ-Infografik)
  • Löscharbeiten mit schwerem Gerät Foto: Weigert
  • Blick auf die verschmorten Ruinen Foto: Weigert
  • Die Atemschutzträger waren auch am Samstagvormittag immer noch im Einsatz. Foto: Weigert
  • Auch große Mengen solchen Kunststoffgranulats waren verbrannt. Foto: Weigert
  • Das ist noch übrig. Foto: Weigert
  • Blick auf das Feuer vom Freitag, unmittelbar nach der Verpuffung. Foto: KBI Rott/Feuerwehr

Kelheim.Am Morgen nach dem Großbrand im Saaler Hafen liegt immer noch massiver Brandgeruch in der Luft. Eine Löschgruppe der Feuerwehr Saal will bis Samstag, 3. September, gegen 12 Uhr mit den Löscharbeiten fertig sein.

Am Morgen danach gibt es auch Infos von der Polizei zur Brandursache, außerdem wurde die Schadenssumme nach oben korrigiert und es steht fest, dass eine Person leichte Verletzungen erlitten hatte und in eine Klinik kam.

Es handelt sich um einen 46-Jährigen aus Kelheim, der wohl den verheerenden Brand, der mehr als 300 Rettungskräfte am Freitagnachmittag in Atem hielt, auslöste. Nach ersten Ermittlungen des Kriminaldauerdienstes der Kripo Landshut hatte der Mann gegen 15.15 Uhr am offenen Tor des Komplexes mit drei Lagerhallen mit einem Benzinkanister an einem offenen Tankdeckel eines Motorrades hantiert. Dabei kam es den Angaben des Mannes zufolge plötzlich zu einer Verpuffung, wobei der brennende Kanister in eine der Hallen flog und dort gelagerte Reifen entzündete. Der Mann erlitt dabei leichte Verbrennungen an Teilen des Körpers und musste in eine Klinik eingeliefert werden, heißt es von der Polizei. Von einem zweiten Verletzten ist nicht die Rede.

Das Feuer griff unmittelbar auf insgesamt drei Hallen (ca. 30 x 70 und 10 x 20 Meter) über, so die Polizei. Trotz des Großeinsatzes aller umliegenden Wehren wurden zwei Hallen total und eine leichter beschädigt. Die Löscharbeiten dauerten bis zum Abend, es entstand eine starke Rauchentwicklung, weshalb durch die Polizeieinsatzzentrale beim Polizeipräsidium in Straubing auch eine Gefahrendurchsage an die Medien gesteuert worden war.

Kreisbrandinspektor Karl-Heinz Rott zeigt Reste geschmolzenen Aluminiums.
Kreisbrandinspektor Karl-Heinz Rott zeigt Reste geschmolzenen Aluminiums. Foto: Weigert

Am Abend nahmen Brandermittler der Kripo Landshut die Ermittlungen auf, das Fachkommissariat führt diese in Abstimmung mit dem Bayerischen Landeskriminalamt dann weiter. Mittlerweile wird der entstandene Sachschaden auf mindestens 1,5 Mio. Euro geschätzt.

Am Morgen zeigt sich, was von der Wucht des Feuers übrig blieb. Nicht viel. Verschmolzene Teile der Metallkonstruktion. Gegen 5.30 Uhr war erneut schweres Gerät angefordert worden. Seit 6.30 Uhr löscht ein Trupp der Feuerwehr Saal gemeinsam mit einem Bagger die verbliebenen Glutnester unter den immer noch glühend heißen, mächtig verformten Metallteilen. Sobald dieser ein Teil hochhebt, gelangt Sauerstoff an die darunter glühenden Areale. Dort wo es neu aufflackert, stehen die Saaler Atemschutzträger mit dem Wasserschlauch parat. Bis Mittag sollen die Löscharbeiten laut Kreisbrandinspektor Karl-Heinz Rott dann endgültig abgeschlossen sein.

Die Mäner entdeckten 600 Meter vom Brandort entfernt auf dem Gelände eines anderen Hafen-Betriebs „das Corpus Delicti“, so weit war der Kanister, der das Feuer auslöste geschleudert worden. Ihn haben die Brandermittler zur weiteren Untersuchung mitgenommen.

Einsatz bei minus 20 Grad

  • Der letzte Großbrand

    ließ am 5. Februar 2012 ein Großaufgebot an Rettern in den Saaler Hafen eilen. Früh morgens gegen 1.30 Uhr kam an dem Sonntag der Alarm.

  • Damals

    hatte eine Förderanlage der Firma Osterhuber Feuer gefangen.

  • Die Feuerwehrleute

    erinnern sich noch heute, dass es damals irre kalt gewesen war. „Mehr als minus 20 Grad.“ Mehr als 200 Feuerwehrler kämpften gegen die Flammen. Die Herausforderung: Auch durch die Rohre, die nur zur Bereitschaft dalagen, musste permanent Wasser gepumpt werden, sonst wären sie zugefroren.

  • Das war so kalt

    , dass sich die Schläuche nach Beendigung des Einsatzes nicht wieder einrollen ließen. Die Männer mussten sie so mitnehmen.

  • Auch vor vier Jahren

    ging der Schaden in Millionenhöhe.

  • Ein technischer Defekt

    hatte 2012 den Brand ausgelöst. (re)

Der 46-Jährige hatte mächtiges Glück, dass ihm nichts Schlimmeres passiert ist, sagt Rott. Er arbeitet im Hafen gleich ums Eck und war so wohl als Erster am Einsatzort. „Da hat es schon lichterloh gebrannt, der Brand war deutlich fortgeschritten.“ Der Verunglückte kam ihm entgegen und berichtete, was passiert war. Angesichts der Lage entschied KBI Rott, dass nun die Hallen links und rechts zu halten seien, damit sich das Feuer nicht weiter ausbreitete.

Denn in einem Hafengebiet seien nun mal andere Güter gelagert als in einem regulären Gewerbegebiet, auch solche mit einem höheren Gefahrenpotenzial. Nebenan lagerten u.a. Spanplatten, weitere Kunststoffe und auch Chemikalien. Die brennenden Hallen waren zu dem Zeitpunkt nicht mehr zu retten.

Die rußschwarze Rauchwolke zeugte davon, dass viel Kunststoff, Reifen etc. brannte. Bis nach Parsberg in der Oberpfalz sei sie zu sehen gewesen.

Glück hatten die Kräfte der vielen Feuerwehren aus dem halben Landkreis Kelheim, dass es am Freitag so warm gewesen ist. Die Thermik zog den Rauch in die Höhe. Wäre das Wetter anders gewesen, wäre es wohl auch für die Bewohner der umliegenden Orte problematischer geworden, mutmaßt Rott.

Auch eine Erdgasleitung am brennenden Gebäude hatte die Feuerwehrmänner lange beschäftigt. Obwohl die Stadtwerke die Leitung abschieberten, lief weiterhin Gas nach. Die Konzentration sei zwar nicht groß, aber über lange Zeit vorhanden gewesen, so dass die Kräfte beschlossen dieses kontrolliert abbrennen zu lassen. Von drei Drehleitern und vom Hubsteiger der Werkfeuerwehr von Kelheim Fibres aus knallten die Wassermassen auf den Hallenkomplex nieder.

Gegen 19 Uhr gab es erste Versuche mit schwerem Gerät erste Gebäudeteile zu entfernen und so einen zweiten Zugang für die Löschexperten zu schaffen. Gegen 22 Uhr konnten bis auf die Saaler alle Feuerwehren entlassen werden. Die Saaler Truppe übernahm die Nachtwache, stündlich mussten auflodernde kleinere Feuer gelöscht werden, berichtet KBI Rott.

Das berichtete unser Medienhaus am Freitag:

Beim Großbrand einer Lagerhalle im Hafen Kelheim-Saal ist am Freitagnachmittag ein Schaden in Millionenhöhe entstanden. In der Halle waren unter anderem Reifen und Kunststoffgranulat gelagert; über eine Stunde lang stieg dichter schwarzer Rauch auf, der Kilometer weit zu sehen war. Ein Großaufgebot an Feuerwehren kämpfte mehrere Stunden, bis das Feuer unter Kontrolle und ein Übergreifen auf Nachbarhallen verhindert war; auch Rettungskräfte und Polizei sowie das THW als Fachberater waren im Großeinsatz. Mindestens ein Mensch wurde verletzt, Lebensgefahr besteht aber nicht. Über die Brandursache gab es zunächst nur Mutmaßungen. Die Halle ist einsturzgefährdet und nicht betretbar.

Kurz nach drei Uhr löst die Integrierte Leitstelle den Großalarm aus; Arbeiter im Hafen haben den Notruf abgesetzt. Dicker schwarzer Rauch quillt hoch, ein ums andere Feuerwehrfahrzeug braust herbei: Über 263 Feuerwehrler werden, unter Leitung vom stellvertretenden Kreisbrandrat Helmut Dötzel, im Maximum im Einsatz sein; 30 Rettungsdienstler, drei Notärzte, je fast ein Dutzend Polizei- und THW-Vertreter. Drei Drehleitern und zahllose Fahrzeuge werden in Stellung gebracht; Hunderte Meter an Schläuchen verlegt. Anfangs können nur Atemschutzträger den Wasserstrahl in die schwarze Wand richten.

Die Rauchwand war kilometerweit zu sehen. Sogar in Parsberg in der Oberpfalz war die rußschwarze Rauchsäule zu erkennen.
Die Rauchwand war kilometerweit zu sehen. Sogar in Parsberg in der Oberpfalz war die rußschwarze Rauchsäule zu erkennen.Foto: Hutzler

Nach der Anfangshektik erste Infos, was eigentlich brennt: Die Halle, im Besitz von Spediteur Kürzl, wird von mehreren Firmen zum Lagern genutzt; unter anderem von Auto-Logistiker BLG, der Unternehmensgruppe Fichtl, von einem Getränkehändler; auch Schifffahrtsunternehmerin Renate Schweiger hat dort unter anderem Farben eingelagert – „kein Wunder, dass es so schnell gebrannt hat“, meint sie kopfschüttelnd vor Ort. Reifen und Kunststoffgranulat, ebenfalls eingelagert, schüren den Rauch.

Die Einsatzkräfte haben ein Lagezentrum aufgebaut, die Führungskräfte der Organisationen sprechen sich laufend ab. Landrat Dr. Hubert Faltermeier sowie die Bürgermeister von Kelheim und Saal, Horst Hartmann und Christian Nerb, machen sich ein Bild von der Lage. Über die ist mittlerweile auch die Bevölkerung informiert; online und per Rundfunk-Durchsage wird gewarnt.

Allmählich wird der Rauch etwas heller – ein gutes Zeichen, erklärt Einsatzleiter Dötzel: je heller, umso höher der Anteil an Wasserdampf und umso weniger Rauchpartikel von verbranntem Material. Unklarheit herrscht aber auch noch nach anderthalb Stunden hinsichtlich der Verletzten: Von zweien ist die Rede; ins Krankenhaus jedenfalls wurde aber nur einer eingeliefert, erklärt Leitender Notarzt Edward Antczak.

Zur Brandursache lässt sich noch nichts sagen, erklärt Polizeikommissar Stephan Biereder, der seitens der Polizei den Einsatz leitet. Ohnehin müssen die Ermittlungen warten, bis erst einmal der Brand unter Kontrolle ist. Derweil kursieren unter den Umstehenden Vermutungen, was im vorderen Hallenbereich das verheerende Feuer ausgelöst haben könnte. Von einem falsch betankten Fahrzeug und einer daraus resultierenden explosionsartigen Verpuffung ist die Rede. Doch offiziell bestätigen will solche Informationen niemand.

Hier haben wir Bilder vom Einsatzort für Sie zusammengestellt:

Großbrand im Hafen Saal

Der Schaden wird bei einer improvisierten Pressekonferenz grob auf eine knappe Million Euro geschätzt. Die betroffene Lagerhalle samt Inhalt, ist ein Totalschaden: Die Metallfassade ist deformiert, teils völlig aufgeplatzt. Welche Schäden die immense Hitze und die Löscharbeiten an den Nachbarhallen verursacht haben, lässt sich noch nicht abschätzen; die Feuerwehrler sind froh, durch Wasserwände die umliegenden Gebäude weitgehend abschirmen zu können.

In der Luft knattert es: Ein Hubschrauber der Polizeistaffel überfliegt den Einsatzort mit der Wärmebild-Kamera. So sollen wirklich alle Glutnester aufgespürt und gelöscht werden. Der Halleneigentümer hat mittlerweile im hinteren Bereich einen Zugang geschaffen, in den hinein ebenfalls gelöscht werden kann. Knapp drei Stunden nach Ausbruch des Brandes können erste Schläuche eingerollt werden, der Rettungsdienst zieht einen Teil seiner Leute ab. Noch sind alle Feuerwehren vor Ort: Kelheim Saal, die Kelheim-Fibres-Werkwehr, Bad Abbach, Teugn, Reißing, Thaldorf, Teuerting, Langquaid, Mitterfecking, Herrnwahlthann und Rohr haben Kräfte vor Ort. Zug um Zug werde man das nun reduzieren, schildert Einsatzleiter Dötzel: Schließlich müsse man ja sich auch für etwaige Einsätze andernorts wieder wappnen. Doch für viele FFWler ist der Feierabend noch in weiter Ferne: Letzte Löscharbeiten werden sich in die Abend- bis Nachtstunden hinziehen, schätzt Dötzel am Abend.

Millionenschaden nach Brand am Hafen Kelheim/Saal

Unsere Reporter berichteten live von vor Ort im NewsBlog:

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