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Auf dem Olymp

Thomas Bach wird als Nachfolger von Jacques Rogge zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewählt – als erster Deutscher.
Von Heinz Gläser, MZ

Der neue Präsident des IOC: Thomas Bach Foto: dpa

Regensburg.Die Szene ist irgendwie bezeichnend. Im Garten des fürstlichen Schlosses zu Regensburg findet sich Deutschlands Sportprominenz ein, um den 60. Geburtstag von Star-Physiotherapeut Klaus Eder zu feiern. Und während die Medien an diesem 23. Juli darum wetteifern, wer Boris Becker, Matthias Sammer oder Oliver Bierhoff ans Mikro bekommt, stehen der kleingewachsene Mann und seine Ehefrau Claudia lange unbemerkt im Abseits. Vielleicht ist es einer der Vorzüge von Thomas Bach, dass man ihn gerne mal übersieht.

In Buenos Aires schlägt für den promovierten Juristen aus Tauberbischofsheim dann die große Stunde – eine, auf die er beharrlich hingearbeitet hatte. Am 10. September ist Thomas Bach am Ziel, er steht auf dem Gipfel der sportpolitischen Macht: Er wird als Nachfolger des Belgiers Jacques Rogge zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees gewählt – als erster Deutscher und 22 Jahre nach seiner Aufnahme ins IOC. Eine absolute Mehrheit der 93 wahlberechtigten Olympier hievt den bisherigen „Vize“ ins Spitzenamt, und Bach rutscht ein erleichtertes „Uff!“ heraus, bevor er sich bedankt – für ein „überwältigendes Zeichen des Vertrauens“.

Seit 2005 DOSB-Chef

Die Kür löst hierzulande keine „Wir-sind-Papst“-Euphorie aus. Bach haftet in seiner Funktionärskarriere das Image des gewieften Taktikers und Phrasendreschers an. Ihn darauf zu reduzieren, wird seiner Person jedoch nicht gerecht. Als sportpolitischer Visionär und Poltergeist hätte es Bach, der an diesem Sonntag 60 Jahre alt wird, vielleicht gerade noch auf den Chefsessel des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) geschafft, dem er seit 2005 vorsteht. Der Weg auf den IOC-Thron wäre ihm sicherlich versperrt geblieben. Dieses Amt erfordert eine gewisse Meisterschaft auf dem glatten internationalen Parkett.

Zu Bachs Nachfolger kürt der DOSB am 7. Dezember Alfons Hörmann. Der bisherige Chef des Deutschen Skiverbandes tritt die Aufgabe mit der Hypothek einer Schlappe an. Die Olympia-Gegner in München und Umgebung erteilen den Plänen für Winterspiele 2022 eine herbe Abfuhr. Und wer erwartet hatte, dass der DOSB seinen hartnäckigen Widerstand gegen ein echtes Anti-Doping-Gesetz in Deutschland aufgibt, der sieht sich getäuscht. Bach hatte mit Rücksicht auf seine IOC-Ambitionen bei diesem Thema stets gebremst, und auch Hörmann zielt offenbar eher auf kosmetische Korrekturen als auf eine mutigen Schritt ab. Doch schickt sich nun die Politik an, dem organisierten Sport das Heft des Handelns aus der Hand zu nehmen. Im Bundestag deutet sich eine breite Koalition für ein Gesetz gegen das Delikt Sportbetrug an.

Heikle Winterspiele in Sotschi

Derweil will Bach in seiner neuen Funktion der globalen Seuche Doping mit einem Zehn-Millionen-Dollar-Fonds und verbesserten Testmethoden Herr werden. Auch Wettmanipulationen sagt er den Kampf an. Mit den politisch heiklen Winterspielen im russischen Sotschi steht eine weitere Herausforderung vor der IOC-Haustür.

So donnernd das Nein der bayerischen „NOlympier“ auch war, es dürfte Thomas Bachs Erwägungen nur unwesentlich beeinflussen. Vieles deutet darauf hin, dass sein Masterplan auf Olympische Sommerspiele in Berlin abzielt – als Krönung seiner Amtszeit. Und dem Strippenzieher Bach in dieser Beziehung wenig zuzutrauen, hieße ihn abermals zu unterschätzen.

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