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Millionenausgaben für Hochwasserschutz

Zweimal Innerhalb von nur elf Jahren richteten reissende Flüsse in Städten und Dörfern Millionenschäden an. Die Betroffenen wollen besseren Schutz.
Gitta Keil und Franziska Höhnl, dpa

Das Hochwasser der Mulde hat am 03.06.2013 das Rathaus und die Innenstadt von Grimma (Sachsen) überschwemmt. Solche Bilder sollen zukünftig der Vergangenheit angehören. Foto: dpa

Grimma.Jüngst hat Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) die Nachricht bekommen: Der Wiederaufbauplan wurde ein halbes Jahr nach der Juni-Flut bestätigt. 46 Millionen Euro stellt das Land für die Beseitigung der Hochwasserschäden zur Verfügung. Fast so viel wird am Ende die Mauer kosten, die Grimma vor den Fluten der Mulde schützen soll. Ursprünglich sollte diese schon 2012 stehen. Doch es gab Verzögerungen - mit Folgen: Ein Jahr später traf ein neues Jahrhunderthochwasser die Stadt an der Mulde erneut hart.

Es ist nicht die einzige wichtige Baustelle, die Planer in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen umsetzen wollen. Die drei Länder investieren Millionenbeträge in einen besseren Hochwasserschutz. Hinzu kommen die neuerlichen Kosten für die Beseitigung der Flutschäden aus dem Juni.

Allein Sachsen investierte seit 2002 laut Umweltministerium 650 Millionen in den Schutz, weitere 900 Millionen in die Schadensbeseitigung. Im kommenden Jahr sollen es weitere 120 Millionen Euro sein. Das Nachbarland Thüringen baute und modernisierte seit 2001 für knapp 130 Millionen Euro seine Hochwasserschutzanlagen. Sachsen-Anhalt will bis 2020 alle Deiche auf den modernsten Stand bringen und dafür 600 Millionen Euro investieren.

In einigen Städten waren die Bauarbeiten vor der verheerenden Juni-Flut beendet. Das nordsächsische Eilenburg etwa kam im Gegensatz zu 2002 diesmal weitgehend unbeschadet davon. 60 Stunden lang mussten die Eilenburger fürchten, dass die Mulde ihren neuen Hochwasserschutz überwindet. Dann hieß es aufatmen. „Wir sind mit einem blauen Auge und ein bisschen nassen Füßen davon gekommen“, sagte der parteilose Oberbürgermeister der Stadt, Hubertus Wacker, nachdem die Pegelstände wieder sanken. Seitdem gilt die Stadt als mustergültiges Beispiel für guten Hochwasserschutz.

Seit der Flut im Jahr 2002 wurden hier 35 Millionen Euro in ein 13 Kilometer langes Schutzsystem investiert. Deiche wurden zurückverlegt, um der Mulde mehr Platz zu geben, berichtet Wacker. Ein Aufwand, der sich lohnte: Die neue Schutzmauer hielt den Fluten stand. Sie reichten mit 6,80 Meter genau bis an die Oberkante.

Die Bewohner von Glaucha, nur 13 Kilometer flussaufwärts von Eilenburg, hatten nicht so viel Glück. Fast alle Häuser des 350 Bewohner zählenden Ortsteils von Zschepplin wurden stark beschädigt - zum zweiten Mal nach 2002. Der Wiederaufbau geht nur langsam voran. Einige zögern nach der zweiten verheerenden Flut in elf Jahren mit dem Wiederaufbau, einige richten nur die Obergeschosse ihrer Häuser wieder her, wie Zschepplins ehrenamtliche Bürgermeisterin Roswitha Berkes berichtet.

Der Grund für die Zurückhaltung vieler Glauchaer: Die Deiche, die den Ort vor dem Hochwasser schützen, sollen zwar wiederhergestellt werden. Doch sie halten nur einem statistischen 50-jährigen Hochwasser stand, einem sogenannten HQ50. „An der schwächsten Stelle hat der Deich sogar nur einen HQ-25-Schutz“, sagt der gebürtige Glauchaer Candy Jentzsch. Deswegen gründeten die Bewohner eine Bürgerinitiative, wollen einen neuen Deich mit einem Schutz gegen die Jahrhunderthochwasser.

Doch das scheint ein Wunschtraum zu bleiben. Ob Nordsachsens Landrat Michael Czupalla (parteilos) oder der für die Region verantwortliche Axel Bobbe von der Landestalsperrenverwaltung, stets heißt es: Wiederherstellung der Deiche ja, ein HQ-100-Schutz nein. Viele Gemeinden wünschten sich Spundwände und höhere Deiche, aber, wendet Axel Bobbe ein: „Wir können nicht die ganze Mulde verstahlen“.

Grimmas Oberbürgermeister hofft derweil, dass die Schutzmauer nun in drei bis dreieinhalb Jahren endgültig steht. Es fehlen noch 600 Meter der unterirdischen Dichtwand. Oberirdisch wird an der historischen Stadtmauer gebaut. „Würden wir nochmals ein Hochwasser vor Abschluss der Baumaßnahmen bekommen, ist Grimma nicht mehr zu halten“, sagt er ernst. „Drei Jahrtausendhochwasser in 15 Jahren sind nicht zu bewältigen.“

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