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Schwerer Genossen-Zoff vor der Wahl

CSU-Bürgermeisterkandidat Chwatal trat zurück, Bürgermeister Karg streitet mit SPD-Kandidat. Live-Premiere des Burglengenfelder Stadtrats glückte.
Von Harald Kuchler

  • 2013 wiederentdeckt: Der „Burgfalke“ wurde in Burglengenfeld produziert.
  • SPD-Kandidat Bernhard Krebs
  • BFB-Kandidatin Ulrike Feldmeier
  • CSU-Kandidat Thomas Gesche
  • Im Bistro „Ratz Fatz“ brannte es
  • Bürgermeister Heinz Karg

Burglengenfeld.2013 war ein Jahr der Überraschungen für Burglengenfeld. Oder genauer: ein Jahr der Entdeckungen, Premieren, Rücktritte, Antritte und – symbolischen – Fußtritte. Los ging’s bereits im Januar, als die Lokalredaktion der Mittelbayerischen Zeitung die überraschende Mitteilung erreichte, dass Burglengenfeld einmal Autostadt war. Ein Kleinwagen namens „Burgfalke“ sollte in den späten 50er-Jahren am Galgenberg gebaut worden sein.

Auslöser der intensiven Lokalrecherche war die Meldung aus den USA, dass im „Microcar Museum“ im US-Bundesstaat Georgia eines der wohl letzten Exemplare dieses kleinen Sportflitzers versteigert werde. Im Auktionskatalog war tatsächlich „Burglengenfeld, Germany“ als Herkunftsort angegeben.

Selbst Kennern der Lokalgeschichte war diese kreative Facette ihrer Heimatstadt kaum geläufig, dennoch gelang es der MZ, einige Fakten, Geschichten und Erinnerungen zusammenzutragen. Danach ergab sich, dass Martin Dahmen, ein nach dem Zweiten Weltkrieg aus Sachsen zugewanderter Ingenieur seit Anfang der 50er-Jahre in Burglengenfeld Segelflugzeuge in seiner Firma „Burgfalke Flugzeugbau oHG“ herstellte. In den späten 50ern begann er dann mit der Herstellung einiger Exemplare von Autos der Marke „Spatz“, deren Produktion er von den „Victoria“-Werken in Nürnberg übernommen hatte und die er in „Burgfalke“ umbenannte. Einige Stücke wurden in Burglengenfeld am Galgenberg hergestellt, das Gros der Produktion aber in Obermurnthal bei Neunburg vorm Wald. Insgesamt wurden wohl nur wenige Dutzend dieses Zweitakters mit 14 PS und abnehmbaren Türen gefertigt. Das gut erhaltene „Burgfalke“-Exemplar in den USA wurde im Februar 2013 für 20 700 Dollar an einen unbekannten Besitzer versteigert.

Live-Premiere am 16. Oktober

Technisch innovativ und auf der Höhe der Zeit blieb Burglengenfeld aber auch 2013. Als erste Stadt in der Oberpfalz überträgt Burglengenfeld seit Oktober Stadtrats- und Ausschuss-Sitzungen live im Internet. Der Weg dahin war allerdings nicht reibungslos. Erste konkrete Anläufe im Januar wurden durchkreuzt, weil die CSU-Stadträte Josef Gruber und Claudia Schindler persönliche Bedenken geäußert hatten. Die Sache wurde erst einmal auf Eis gelegt, bis die Verwaltung überraschend verkündete, es bedürfe gar keiner Einstimmigkeit des Gremiums, um die Übertragung zu ermöglichen. Wer nicht zustimmt, wird einfach ausgeblendet.

So kam es am 16. Oktober zur Internet-Premiere: die Beratungen und Beschlüsse des Bauausschusses konnten weltweit live am Heimcomputer verfolgt werden. Die sichtlich von ihrer neuen Prominenz noch etwas eingeschüchterten Stadträte zeigten sich von ihrer besten Seite, der sonst zuweilen etwas rüde und pampige Umgangston zwischen den Fraktionen wich einer gepflegten Diskussionskultur.

Das heißt aber nicht, dass die bekannt leidenschaftlichen Akteure der Burglengenfelder Kommunalpolitik nun generell Kreide gefressen hätten. Im Gegenteil: Schon Monate vor der Kommunalwahl im März nächsten Jahres überschlugen sich die Ereignisse. Wobei die Fronten nicht nur zwischen altbekannten Kampfhähnen verliefen, sondern auch zwischen Menschen, die sich kurz vorher noch Freunde nannten. Oder zumindest Parteifreunde.

Die Überraschungen begannen damit, dass das Bürgerforum (BFB) im September die 45-jährige Studienrätin und Ex-FU-Vorsitzende Ulrike Feldmeier zur Bürgermeisterkandidatin ausrief. Stadtrat und BFB-Vorsitzender Hans Glatzl, der bereits mehrmals erfolglos kandidiert hatte, kündigte dagegen an, er wolle in Zukunft kürzertreten.

Die „heiße Phase“ setzte Anfang Oktober ein mit dem plötzlichen Rückzug von Michael Chwatal als Bürgermeisterkandidat der CSU. Der Stadtrat und Lehrer war noch nicht offiziell nominiert, aber vom Ortsvorstand ausersehen, um die Nachfolge von Bürgermeister Heinz Karg (SPD) zu kämpfen. Chwatal, der von Anfang zögerlich gewirkt hatte, gab gesundheitliche Gründe für seinen Rücktritt an. Die Ärzte hätten ihm geraten, den Wahlkampf abzubrechen. Dies rief nun einerseits Hans Glatzl auf den Plan. Der BFB-Chef vermutete bösartige Anfeindungen und ein vergiftetes Klima im Stadtrat – gemeint war die SPD – hinter dem Schritt Chwatals. Das brachte ihm von Bürgermeister Karg die Bemerkung ein, dies sei mieser Stil und wenn, dann vergifte Glatzl selber das Klima.

Thomas Gesche für die CSU

Zum anderen stand nun die CSU ohne Kandidat und, wie Fraktionschef Gruber bekannte, auch ohne „Plan B“ da. Ein Angebot von Ex-CSU-Frau Feldmeier, die CSU könnte doch nun ihre Kandidatur unterstützen, wurde „nicht einmal ignoriert“. Stattdessen zauberte die CSU Ende Oktober Thomas Gesche aus dem Hut. Der 28-jährige Verwaltungsfachangestellte arbeitet seit Jahren in der Rathausverwaltung und gibt sich selbstbewusst: er will der SPD den Bürgermeistersessel abjagen.

Neue Kandidaten bei der SPD

Schien nun das Bewerber-Tableau wieder geklärt, so folgte am 11. Dezember der ultimative Knalleffekt: Bürgermeister Heinz Karg bricht mit dem von ihm selbst ursprünglich ins Spiel gebrachten SPD-Bürgermeisterkandidaten Bernhard Krebs und der SPD-Fraktion. Karg gab bekannt, dass er auf der Liste der Burglengenfelder Wählergemeinschaft (BWG) von Albin Schreiner für den nächsten Stadtrat kandidieren werde. Grund: Man habe ihn bei der SPD „rausgeschmissen“, ihm einen Platz auf der SPD-Liste verweigert. Mit Karg liefen auch die SPD-Stadträte Theo Lorenz und Evi Vohburger zur BWG über.

Krebs rechtfertigte den „Rauswurf“ damit, dass Karg als Ex-Bürgermeister zu dominant in der SPD-Fraktion gewesen wäre. Er beeilte sich aber zu versichern, er habe Hochachtung vor dem, was Karg in 24 Jahren Bürgermeisteramt für die Stadt geschaffen habe und wolle in diesem Sinne sein Erbe fortsetzen. Bei der Nominierungsversammlung am 12. Dezember stärkte der Ortsverein Krebs den Rücken. Auf der SPD-Liste finden sich viele neue Kandidaten und einige Quereinsteiger. Erwartet wird allerdings, dass die BWG noch einen eigenen Kandidaten aufstellt. Dann würde das Fell der Wählerstimmen unter vier Bewerbern aufgeteilt. Eine Stichwahl wird dadurch wahrscheinlicher. Auch für 2014 sind Überraschungen also nicht ausgeschlossen ...

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