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Kriminalität

Einbrecher: Sind Dilettanten am Werk?

In den vergangenen Wochen nahm die Zahl der Einbrüche vor allem im nördlichen Landkreis zu. Oft blieb es beim Versuch.
Von Christof Seidl, MZ

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist in den vergangenen Wochen vor allem im nördlichen Landkreis gestiegen.
Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist in den vergangenen Wochen vor allem im nördlichen Landkreis gestiegen. Foto: dpa

Regensburg.In Obertraubling scheiterte im August ein sechsfacher Einbruchsversuch, weil Zeugen den Täter vertrieben. Auch in Wiesent gaben zwei Langfinger auf, nachdem ein Anwohner aufmerksam geworden war. Sie wurden kurz darauf festgenommen. In Regenstauf scheiterte ein Einbrecher an den massiven Zugangstüren eines Firmengebäudes.

Dort, wo die Täter es schaffen, einzudringen, bleibt die Beute mitunter minimal. In einer landwirtschaftlichen Halle bei Regenstauf waren es fünf Liter Benzin, in einer Bäckerei in Pollenried ließ ein Langfinger die Trinkgeldkasse mitgehen. Beim Einbruch in den Kiosk am Schwetzendorfer Weiher waren Weißbier und Würstlwärmer die Beute. In Schierling wollten die Täter mehr als 20 Leergutkästen stehlen. Sie wurden nach Pannen bei der Flucht verhaftet. In Wenzenbach wurden aus einer Dönerbude Getränke und Leergut im Wert von gut hundert Euro gestohlen.

Meistens gibt es wenig zu holen

Manchmal hatten die Täter mehr Erfolg: Aus einem Friseurgeschäft in Regenstauf stahl ein Einbrecher hochpreisige Artikel im Wert von über 2000 Euro. In Obertraubling fielen Computer im Wert von 3600 Euro in die Hände der Langfinger. In der Summe überwiegen jedoch die gescheiterten Einbrüche oder solche, bei denen der Diebstahlschaden gering war. Der Leiter der Polizeiinspektion (PI) Regenstauf, Klaus Baumer, meint deshalb: „Das sind keine hochqualitativen Einbrüche.“ Er ist überzeugt, dass sich hinter den Taten keine bandenartige Struktur verbirgt.

Oft gehen die Täter mit brachialer Gewalt vor, in diesem Fall handelt es sich um die aufgebrochene Tür eines Baucontainers.
Oft gehen die Täter mit brachialer Gewalt vor, in diesem Fall handelt es sich um die aufgebrochene Tür eines Baucontainers. Foto: MZ-Archiv/xtl

Baumer geht von Beschaffungskriminalität aus und vermutet hinter den verschiedenen Fällen im Zuständigkeitsbereich der PI Regenstauf einen Einzeltäter, der immer wieder Geld braucht. Dafür spreche auch, dass diese Taten keine großen Fälle darstellten, sie seien schlecht vorbereitet und würden oft scheitern. Der jüngste Fall hat sich erst in der Nacht zum gestrigen Mittwoch ereignet. Diesmal hatte es der Täter auf einen Baucontainer in Lappersdorf abgesehen.

„Ohne Zeugenhinweise ist das ganz schwierig. Wir sind auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen.“

Klaus Baumer, Leiter der Polizeiinspektion Regenstauf

Kopfzerbrechen bereitet dem PI-Leiter die Aufklärung solcher Fälle, weil es kaum Anhaltspunkte gibt. „Ohne Zeugenhinweise ist das ganz schwierig. Wir sind auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen.“

Neutraublings PI-Leiter Josef Kugelmeier sieht in seinem Bereich keine Auffälligkeiten. In der Zeit bis Ende Juli habe es sogar weniger Fälle schweren Diebstahls gegeben als im Jahr 2015, das bereits sehr ruhig gewesen sei. Die Einbrüche im August stellen seiner Ansicht nach Einzelfälle dar, aus denen man keinen Trend ableiten könne. Eine Häufung habe es am ehesten noch zum Jahresbeginn im Raum Tegernheim gegeben.

Auch Jakob Schels, Chef der Polizeiinspektion Nittendorf, verzeichnet „allenfalls einen leichten Anstieg“. Dass viele der Einbrüche scheitern, wundert ihn nicht. „Die Leute passen besser auf und viele sichern ihre Häuser besser ab.“ Das schrecke Einbrecher schnell ab. Wenn die Tat zu lange dauere, würden sie aufgeben und es eventuell an anderer Stelle versuchen.

„Das sind keine Oberpfälzer“

Schels erklärt, dass die Täter in der Mehrzahl nicht aus der Region kommen. „Das sind keine Oberpfälzer.“ Die Erfahrung zeige, dass es sich oft um Personen handle, die bundesweit oder sogar in den Nachbarländern unterwegs sind. So habe man bei einem Einbruch in Kleinprüfening eine Fingerspur gesichert, die bis in die Schweiz geführt habe. Es habe sich um einen bundesweit tätigen Rumänen gehandelt. Solche Täter würden meistens spekulativ handeln. Sie reisen über die Autobahn an und suchen sich Objekte aus, die nur wenige Autominuten entfernt liegen.

Für Opfer ist es ein Trauma

  • Folgen:

    Ein Einbruch in die eigenen vier Wände bedeutet für viele Menschen einen Schock. Dabei machen den Betroffenen die Verletzung der Privatsphäre, das verlorengegangene Sicherheitsgefühl oder auch psychische Folgen, die nach einem Einbruch auftreten können, häufig mehr zu schaffen als der materielle Schaden.

  • Studie:

    Laut einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachen fühlen sich 75 Prozent der Opfer von Einbrüchen in ihrer gewohnten Umgebung unsicher, bei der Hälfte hält dieses Gefühl längerfristig an.

  • Infos zum Einbruchsschutz gibt es auf der Seite www.polizei-beratung.de .

Für die Polizei bedeuten solche Einbrüche eine mühselige Aufklärungsarbeit, die sich über Monate hinziehen kann. So sei man bei einem Einbruch in Deuerling im Dezember 2015 den Tätern erst durch eine Funkzellenabfrage auf die Spur gekommen. Es handelte sich vermutlich um zwei Kosovo-Albaner.

Oberpfalzweit betrachtet ist die Situation bei Einbrüchen nach Angaben der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberpfalz „auf hohem Niveau stabil“. Dass es in einzelnen Regionen vorübergehend zum einem Anstieg komme, sei normal. Zuletzt war dies im Raum Neumarkt der Fall. Insgesamt gilt der Landkreis Regensburg in Sachen Einbruchskriminalität als ruhige Gegend. So sei die Zahl der Fälle in der Oberpfalz 2015 gestiegen, im Landkreis sei sie dagegen gesunken.

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