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Alkohol

„Flatrate-Party“ auf der Burg eskaliert

Für nur 15 Euro konnten sich Schüler in Brennberg volllaufen lassen. Ein Mädchen kollabierte. Die Polizei ermittelt.
Von Bettina Mehltretter, MZ

Trinken bis der Arzt kommt – für nur 15 Euro konnten sich Schüler in der Nacht von Freitag Samstag auf Burg Brennberg betrinken. Foto: Uwe Anspach/dpa
Trinken bis der Arzt kommt – für nur 15 Euro konnten sich Schüler in der Nacht von Freitag Samstag auf Burg Brennberg betrinken. Foto: Uwe Anspach/dpa

Brennberg.Die Feier am vergangenen Freitag in Brennberg geht wohl in die Party-Geschichte des Neutraublinger Gymnasiums ein. Viele der 200 bis 250 Besucher auf der Burg tranken erhebliche Mengen Alkohol. Denn für nur 15 Euro bekamen sie so viel Bier und Schnaps, wie sie nur trinken konnten. Auf Instagram waren am Montag darauf Partyfotos zu sehen. „Geiler Abend, Leute... bis zum Schluss“, schrieb ein Gast unter einem Post auf seinem öffentlich sichtbaren Profil. Ein anderer antwortete: „Ja! Der Schluss war aber ein bisschen früh da.“ Denn zwei Polizisten beendeten die Party kurz nach Mitternacht. Etwa 100 Personen waren zu diesem Zeitpunkt noch vor Ort. Der Alkohol war jedoch schon aufgebraucht, berichtete Josef Schweiger, Chef der Polizeiinspektion Wörth.

Anwohner hatten sich an dem Trinkgelage offensichtlich nicht gestört. Niemand rief die Polizei. Diese bekam erst dann Wind von der Party, als sie ein 18-Jähriger Partygast alarmierte. Ein 16 Jahre altes Mädchen war kollabiert und regungslos auf dem Boden liegen geblieben. Rettungssanitäter mussten es versorgen und mit einer Alkoholvergiftung in eine Klinik einliefern. „Glücklicherweise konnte die Schülerin das Krankenhaus zwischenzeitlich wieder verlassen“, erklärte Schweiger am Montagnachmittag.

Mutter hatte Burg gemietet

MZ-Informationen zufolge hatten Elftklässler die Party auf der Burg organisiert – genau so wie schon die jetzige zwölfte Jahrgangsstufe im vergangenen Jahr. Wie Schweiger erklärte, hatte diesmal die Mutter einer Schülerin das Areal von der Gemeinde gemietet – für eine „private Party“. Doch auf der Burg hat es offenbar auch eine Abendkasse gegeben. Etliche andere Partygäste, die nichts mit dem Jahrgang zu tun hatten, seien daher auf das Gelände gelangt. Polizeichef Schweiger weiß etwa von mehreren jungen Erwachsenen dort, die offensichtlich nicht Schüler des Neutraublinger Gymnasiums sind.

Aus dem Umfeld der Schule waren am Montag Details zum Verlauf der Party zu erfahren: So seien die Alkoholreserven der Gymnasiasten ungefähr ab Mitternacht aufgebraucht gewesen – die Vorräte an Plastikbechern aber schon deutlich früher. Manche Partygäste hätten die alkoholischen und alkoholfreien Getränke daher kurzerhand in Bierflaschen umgefüllt.

Auf Burg Brennberg feierten am Samstag rund 250 Schüler. Foto: Beiderbeck
Auf Burg Brennberg feierten am Samstag rund 250 Schüler. Foto: Beiderbeck

Als die Polizei die Party auflöste, waren viele Partygäste erheblich angetrunken. Schweiger zufolge habe ein junger Mann geschimpft, alle anderen Jugendlichen seien aber „sehr kooperativ“ gewesen. „Die jungen Menschen hatten schon erkannt, dass ihnen die Party entglitten ist“, sagte der Polizeichef. „Ich bin ihnen wirklich dankbar, dass sie eingesehen haben, dass die Feier nicht mehr weitergehen konnte.“ Nach dem Auftritt der Polizisten hätten die Gäste das Areal geordnet verlassen. Etwa zehn blieben, um aufzuräumen. Auf die Mutter, die mit der Gemeinde den Mietvertrag abgeschlossen hatte, trafen die Polizisten nicht.

Brennbergs Bürgermeisterin Irmgard Sauerer erfuhr noch in derselben Nacht vom Trinkgelage. Selbst am Montag war sie noch grantig – und auch enttäuscht. Wie sie auf Anfrage unserer Redaktion erklärte, hatte die Gemeinde die Nutzungsbedingungen der Burg an die Mieter kommuniziert. Darin ist unter anderem klar benannt, dass auf dem Areal lediglich private Partys stattfinden dürfen – was bei der Feier des Neutraublinger Gymnasiums Sauerers Meinung nach nicht gegeben war. Gemeinsam mit Josef Schweiger will sie nun überlegen, wie sie die Nutzungsvereinbarung optimieren kann, um derartige Eskalationen zu vermeiden. Gleichzeitig will sie ab sofort auch die Zahl der Gäste auf der Burg abfragen.

Für Neutraublinger Schüler wird es in den nächsten Jahren wohl keine Party mehr auf der Brennberger Burg geben. Damit ist für sie schon die zweite Location tabu: Auch in Alteglofsheim war es in vergangenen Jahren schon zu Eskapaden gekommen. Unter anderem hatte dort ein Schüler größere Mengen Alkohol aus einer Kneipe gestohlen. Außerdem hatten Schüler ein WC demoliert.

Wurde gegen Gesetze verstoßen?

Von der Burg aus geht es steil bergab. Foto: Beiderbeck
Von der Burg aus geht es steil bergab. Foto: Beiderbeck

Hinsichtlich der aktuellen Vorfälle hat die Polizeiinspektion Wörth inzwischen Kontakt mit dem Jugendamt aufgenommen. Sie will klären, ob die Veranstaltung in Brennberg tatsächlich „privat“ gewesen ist. War sie das nicht, hätten die Veranstalter gesetzliche Bestimmungen einhalten müssen, etwa hinsichtlich des Jugendschutzes, so Schweiger. Er will demnächst auch einen Präventionsbeamten ins Gymnasium schicken, um über die Gefahren von Alkohol aufzuklären. Gerade die jüngste Party hätte weit tragischer enden können: Von der Burg aus geht es steil bergab, Wege sind nicht beleuchtet.

Nach der Party ermittelt zudem die Kriminalpolizei Regensburg: Eine 17-Jährige hatte angezeigt, dass ein Unbekannter gegen 0.30 Uhr ihre Handtasche geraubt hat, als sie auf dem Weg zur Burg war. Der dunkel gekleidete Mann, etwa 20 Jahre alt und mit athletischer Figur, habe sie in einem finsteren Bereich „In der Öd“ in Brennberg zu Boden geschubst, sagte die Frau den Ermittlern. Als sie wieder aufgestanden war, habe sie bemerkt, dass ihre Handtasche gestohlen worden war. Tags darauf fand eine Anwohnerin die Tasche zwar, allerdings fehlten Bargeld und Dokumente. Es entstand ein Schaden von 150 Euro. Die Kriminalpolizei Regensburg (Tel. 09 41 /5 06 - 28 88) bittet um Hinweise auf den Täter.

Jugendliche und Alkohol

  • Jeder Zehnte trinkt wöchentlich:

    Nach einer neuen, repräsentativen Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung trinken Jugendliche weniger und maßvoller Alkohol als früher. Durchschnittlich jeder Zehnte zwischen 12 und 17 Jahren greift einmal in der Woche zu alkoholischen Getränken. 2014 waren das noch mehr als doppelt so viele (21,2 Prozent).

  • Einmal im Monat ein Rausch:

    Fast jeder siebte Interviewte (13,5 Prozent) räumte ein, sich im Monat vor der Umfrage einmal in einen Rausch getrunken zu haben. Rund drei Prozent konsumierten dabei Mengen, die selbst für Erwachsene als riskant gelten. 2004 hatten noch 22,6 Prozent der Jugendlichen Erfahrungen mit Komasaufen – jeder Zehnte langte über alle Maßen zu.

Mehr Polizeiberichte aus dem Landkreis Regensburg lesen Sie hier.

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