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Kriminalität

Hat die Mutter ihr Baby getötet?

Im Januar fanden Polizisten einen toten Säugling in einer Zeitlarner Wohnung. Seit 13. Juni sitzt die 35-jährige in U-Haft.
Von Andrea Rieder

In einer Zeitlarner Wohnung entdeckten Polizisten Anfang des Jahres einen toten Säugling. Gegen die Mutter wird seitdem ermittelt. Fotos Lex /LRA
In einer Zeitlarner Wohnung entdeckten Polizisten Anfang des Jahres einen toten Säugling. Gegen die Mutter wird seitdem ermittelt. Fotos Lex /LRA

Zeitlarn. Zeitlarn. Kurz vor dem Abschluss stehen die Ermittlungen im Fall des toten Säuglings, der Anfang Januar in einer Wohnung in Zeitlarn gefunden worden war. Für Polizei und Staatsanwaltschaft hat sich offenbar der Verdacht konkretisiert, dass die 35-jährige Mutter ihr Neugeborenes getötet hat. Deshalb wurde am 13. Juni Haftbefehl wegen Verdacht auf Totschlag gegen die Frau erlassen. Sie sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Eine zentrale Frage zu dem Fall hat das Rechtsmedizinische Institut der Universität Erlangen-Nürnberg mittlerweile geklärt. Demnach wäre das Mädchen nach der Geburt lebensfähig gewesen. Deshalb bestehe der Anfangsverdacht des Totschlags, bestätigt das Polizeipräsidium Oberpfalz ebenso wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Dr. Markus Pfaller, gegenüber unserem Medienhaus. „Das ist eine Frage der Kausalität“, sagt Pfaller zu den Ergebnissen der Rechtsmediziner. Deshalb hat die Tatsache, dass das Kind nach der Geburt lebensfähig war, für die Staatsanwaltschaft bei der Bewertung des Falls eine große Bedeutung.

Strafrechtler nimmt Stellung

Dass ein Säugling in einem Fall wie diesem noch lebensfähig gewesen wäre, macht nach Auskunft von Strafrechtler Prof. Dr. Tonio Walter von der Universität Regensburg eine Verurteilung wahrscheinlicher. Denn dann könne die Angeklagte wohl auch wegen einer Tötung durch Unterlassen verurteilt werden – falls sich nicht nachweisen lasse, dass sie das Kind aktiv getötet hat.

Ein Unterlassen ist etwa dann ein Totschlag, wenn sich eine Mutter nach der Geburt nicht um ihr Baby kümmert. Ein vollendeter Totschlag, so Walter, ist das Unterlassen dann aber nur, wenn das Baby sonst überlebt hätte – oder jedenfalls etwas länger am Leben geblieben wäre. Und das lasse sich eher nachweisen, wenn das Kind lebensfähig zur Welt gekommen sei. Ist der Mutter eine aktive Tötung nachzuweisen, kann die Lebensfähigkeit des Kindes laut Walter noch bei der Strafzumessung Berücksichtigung finden.

Die polizeilichen Ermittlungen in dem Fall sind mittlerweile abgeschlossen. Aber auch die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft sind bereits sehr weit fortgeschritten. „Im Grunde steht für uns der Ermittlungsabschluss kurz bevor“, erklärt der Oberstaatsanwalt. Konkretere Angaben zu den Ermittlungsergebnissen will der Sprecher der Staatsanwaltwaltschaft jedoch derzeit nicht machen.

Weder zur Frage, ob eine Beteiligung Dritter in diesem Fall ausgeschlossen wird, noch zur Todesursache des Säuglings gibt er Auskunft. Eine erste Sektion des Säuglings kurz nach dem grausamen Fund hatte nicht eindeutig klären können, wie das kleine Mädchen gestorben ist. Festgestellt hatten die Rechtsmediziner allerdings schon damals, dass das Kind zum Zeitpunkt der Geburt voll entwickelt und am Leben war.

Lebensgefährte äußert Verdacht

Der 37-jährige Lebensgefährte der Frau hat die Polizei auf die Spur gebracht. Nach der Rückkehr von einer Urlaubsreise entdeckt er am 2. Januar in seiner Wohnung Blutspuren. Der Mann verständigt die Polizei und äußert den Verdacht, dass seine 35-jährige Lebensgefährtin während seiner Abwesenheit entbunden haben könnte. Es sei aber kein Kind vorhanden, teilt er der Polizei mit, die daraufhin die Wohnung durchsucht und die Leiche des Babys findet. Zudem stellen die Beamten fest, dass die Frau durch die Geburt ihres Kindes sehr viel Blut verloren hat. Die Kripo veranlasst daraufhin, dass sie in einem Krankenhaus stationär behandelt wird.

Von Anfang an gab der Fall den Ermittlern Rätsel auf. Warum fand die Geburt zu Hause statt? Wieso wurde kein Notarzt alarmiert? Wieso hat erst die Polizei den toten Säugling gefunden? In all diese Fragen versuchten Polizei und Staatsanwaltschaft in den vergangenen Monaten Licht zu bringen.

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