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Kriminalität

In Hagelstadt lebt es sich sicher

Die Polizei Neutraubling zählte 2018 im Dorf nur 16 Straftaten. Aber im Internet lauern zunehmend Gefahren.
Von Michael Jaumann

Kriminalität kennt man in Hagelstadt kaum. Auch die Nachbargemeinden gelten als besonders sicher. Foto: Gross
Kriminalität kennt man in Hagelstadt kaum. Auch die Nachbargemeinden gelten als besonders sicher. Foto: Gross

Neutraubling.Im Hagelstädter Gemeinderat werden zwar manchmal verbal die Messer gewetzt, im Ort selbst lebt es sich aber besonders sicher. Die Polizei hat im vergangenen Jahr nur 16 Straftaten gezählt. Im Jahr 2017 wurden noch 21 Straftaten bei der Polizeiinspektion Neutraubling aktenkundig. „Das ist ein historischer Tiefstand“, versichert der Leiter der Inspektion, Erster Polizeihauptkommissar Thomas Rölz.

Bürgermeister Dr. Bernhard Bausenwein freut sich natürlich über dieses Alleinstellungsmerkmal. „Die Sozialstruktur ist bei uns noch in Ordnung“, sagt er. Hier hätten die Nachbarn noch ein Auge aufeinander. Auch die Einbrüche im Ort seien zurückgegangen. Für Bausenwein steht fest, dass tatsächlich weniger passiert ist und nicht einfach weniger angezeigt wurde. So etwas würde sich in einem kleinen Ort herumsprechen.

Auch die Nachbarn leben sicher

In niedrigen Deliktzahlen könne durchaus aber ein Indiz für fehlende Ortsentwicklung versteckt sein, wittert Bausenwein eine Schattenseite der polizeilichen Sicherheitsbilanz für das Jahr 2018. Andererseits sind auch die beiden Nachbargemeinden Pfakofen und Thalmassing trotz Veränderungen in der Sozialstruktur durch Neubaugebiete ein Hort in Sachen Sicherheit. In Pfakofen wurden 18 Straftaten (20 im Jahr 2017) registriert und in Thalmassing 39 (Vorjahr 54).

Eine Grafik mit den fünf sichersten Gemeinden im Inspektionsbereich sehen Sie hier

Am anderen Ende der Tabelle rangieren große Gemeinden wie Pentling (335 Straftaten), Obertraubling (217 Straftaten) und Neutraubling (630 Straftaten). In Pentling wurden ein hoher Anteil von Betrugsstraftaten verzeichnet, die zumeist im Zusammenhang mit Tankbetrügereien oder mit dem Onlinehandel anfielen. Weil Betrug und Sachbeschädigung in Pentling besonders häufig waren, was erfahrungsgemäß kaum aufgeklärt werden kann, lag Pentling mit einer Aufklärungsquote von 55,8 Prozent auf dem letzten Platz der zwölf Gemeinden im Inspektionsgebiet. Mit 83,3 Prozent erreichte dagegen Pfakofen bei der Aufklärungsquote den Spitzenplatz. Insgesamt wurden mit einer Quote von 64,3 Prozent (60,0) zwei von drei Straftaten aufgeklärt –laut Polizeichef Rölz der höchste Wert der letzten fünf Jahre.

Die Einbrüche sind stark zurückgegangen

Was die rund 65 000 Menschen im Inspektionsgebiet besonders freuen dürfte. Bei den Wohnungseinbrüchen konnte der spürbare Anstieg der letzten Jahre bereits 2017 gestoppt und die Fallzahlen im Jahr 2018 nochmals gesenkt werden. Die Zahl der registrierten Taten (versuchte und vollendete Taten) sank auf nunmehr 22 Fälle (36). Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies noch einem Rückgang um 39 Prozent bzw. 14 Fälle. Neutraubling mit neun Fällen sowie Pentling und Schierling mit jeweils vier Fällen waren am häufigsten betroffen. In Hagelstadt, Thalmassing, Köfering, Pfakofen und Mintraching wurde dagegen kein einziger Wohnungseinbruch registriert.

Generell hat die Polizei bei der Eigentumskriminalität einen leichten Rückgang um 6,5 Prozent beobachtet. Die Gesamtzahl aller Eigentumsdelikte belief sich im vergangenen Jahr auf 549 (587) Delikte. Dass sich die meisten dieser Fälle im Stadtgebiet Neutraubling ereigneten, überrascht nicht. Hier konzentrieren sich der Handel und die Einwohner. So ereignete sich fast die Hälfte aller Diebstähle (256 Fälle) im Stadtgebiet von Neutraubling, insbesondere die Laden- und Fahrraddiebstähle.

Wohnungseinbrüche gingen stark zurück. Foto: Franz-Peter Tschauner, dpa
Wohnungseinbrüche gingen stark zurück. Foto: Franz-Peter Tschauner, dpa

Die sogenannten Rohheitsdelikte, also Raub- und Erpressungsdelikte, Körperverletzungsdelikte, aber auch Bedrohungen und Nötigungen, blieben mit 324 Fällen (329) zum Vorjahr annähernd gleich. Während bei der gefährlichen und schweren Körperverletzung ein Rückgang um neun Taten auf insgesamt 39 Taten zu verzeichnen ist, stieg im Gegensatz dazu die Zahl der Fälle der einfachen Körperverletzung von 158 auf 182. Dass muss nicht heißen, dass die Gewaltbereitschaft der Menschen gewachsen ist. Laut Polizeihauptkommissar Rölz sind die Menschen inzwischen eher zur Anzeige bereit, auch gegenüber Nachbarn, Freunden und Verwandten. Die Aufklärungsquote bei Roheitsdelikten lag bei bei 93,8 (95,1) Prozent. Bei Raubstraftaten gab es zwar einen Anstieg von fünf auf elf Fälle und und damit um 120 Prozent. Dafür hat die Polizei jeden einzelnen dieser Fälle aufklären können.

Straftaten im öffentlichen Raum wie gefährliche Körperverletzungen und Sexualdelikte, aber auch Handlungen im Zusammenhang mit Vandalismus oder Diebstähle, fasst die Polizei unter dem Oberbegriff der Straßenkriminalität zusammen. Im Jahr 2018 wurden insgesamt 361 Fälle registriert, davon 160 (149) Sachbeschädigungen. Die Aufklärungsquote konnte geringfügig von 15,4 auf 16,3 Prozent gesteigert werden, ist aber traditionell eher niedrig.

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung stiegen nicht zuletzt nach Änderungen im Sexualstrafrecht Ende 2016 von 24 auf 28 Taten an. Die Zahl der Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen haben sich nach Angaben der Polizei aber halbiert und sind von sechs auf drei Fälle gesunken.

Dass Statistiken interpretiert werden müssen, zeigt sich an der Rauschgiftkriminalität. Wird stärker kontrolliert, steigen auch die Fallzahlen. Im Jahr 2018 wurden 98 Rauschgiftdelikte (97) erfasst. Davon entfallen insgesamt 70 Fälle auf allgemeine Verstöße nach dem Betäubungsmittelgesetz (meist Erwerb oder Besitz). In 15 Fällen wurde wegen des Verdachtes des Handelns oder Einfuhrschmuggel ermittelt. Das am häufigsten konsumierte Rauschmittel ist laut Polizei weiterhin Marihuana.

„Die Menschen im Inspektionsbereich können, was die Kriminalität betrifft, weitgehend unbelastet leben.“

Thomas Rölz, Polizeichef

Die Kriminalstatistik der Polizeiinspektion Neutraubling zählte im Jahr 2018 insgesamt 1704 Straftaten (1769) und weist somit einen leichten Rückgang um 3,7 Prozent auf. Gemessen an den Vergleichswerten der letzten zehn Jahre spricht die Polizei von einem niedrigen Niveau. „Nur in den Jahren 2016 und 2015 wurden noch weniger Straftaten registriert“, so Rölz. Die Menschen im Zuständigkeitsbereich der PI Neutraubling könnten was die Kriminalität betrifft, „weitgehend unbelastet leben“.

Eher ein Ausrutscher in punkto Sicherheit: Zum nächtlichen Einsatz rückte das SEK vor wenigen Tagen nach Hagelstadt aus. Foto: Alexander Auer
Eher ein Ausrutscher in punkto Sicherheit: Zum nächtlichen Einsatz rückte das SEK vor wenigen Tagen nach Hagelstadt aus. Foto: Alexander Auer

Solche Bilanzen sind natürlich immer Momentaufnahmen: In Thalmassing etwa wurde binnen eines Jahres ein Rückgang der Straftaten um 27,8 Prozent registriert. Der Wert fiel von 54 auf 39 Fälle. Und ins sichere Hagelstadt wurde erst dieser Tage das SEK zu einem Einsatz gerufen.

Sorge bereitet der Polizei die zunehmende Zahl an Straftaten, die im oder mit den Möglichkeiten des Internets begangen werden. Mit den Worten, „es wird einem im Leben zumeist nichts geschenkt, vor allem nicht im Internet“, rät Polizeichef Rölz zur Vorsicht. Diese Vorsicht gelte auch vor dem Hintergrund der zahlreichen Versuche, vor allem ältere Menschen mit fingierten Telefonanrufen um ihr Geld zu bringen.

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