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Kriminalität

Vor dem Überfall nervös „getänzelt“

Sechs Raubdelikte in Regensburg – die Polizei spricht dennoch nicht von einer Serie. Fahndungserfolge gibt es bislang nicht.
Von Norbert Lösch, MZ

Regensburg.Mal waren es männliche Einzeltäter, dann wieder zwei Männer, zuletzt ein auffälliges junges Pärchen: Sechs Raubüberfälle in nur einer Woche halten die Regensburger Kripo auf Trab. Von einer Serie will die Polizei aber nicht sprechen – eben weil die Täterbeschreibungen weit voneinander abweichen und es auch hinsichtlich des Tatablaufs und des Einsatzes von Schusswaffen gravierende Unterschiede gibt.

Jüngstes Opfer der laut Polizeisprecher Albert Brück „absolut ungewöhnlichen Häufung“ von Überfällen im Stadtgebiet ist eine 23-jährige Angestellte geworden. Am Dienstag um 17.45 Uhr, kurz vor dem Ladenschluss der Lotto-Annahmestelle im Einkaufszentrum West in der Agnesstraße, bedrohte ein junges Pärchen die Frau mit einer Schusswaffe und forderte die Herausgabe von Bargeld (wir berichteten). Das Duo machte Beute „im unteren vierstelligen Eurobereich“ und flüchtete damit zu Fuß.

Tat erfolgte nicht völlig spontan

Der Überfall auf das Schreibwarengeschäft in der Agnesstraße erfolgte nicht völlig spontan. Das Pärchen hatte sich schon zuvor in der Ladenpassage herumgetrieben – und sich nach Darstellung einer Verkäuferin der benachbarten Bäckerei-Filiale auffällig verhalten. „Vor allem die Frau war unruhig und ist nervös auf der Stelle getänzelt“, berichtete Vanessa B. unserer Zeitung. Ihr Komplize haben sich derweil die Läden in der Passage von außen angeschaut – und dabei fiel die Wahl wohl auf die Lotto-Annahmestelle.

Etwa eine Viertelstunde seien die beiden in der kleinen Einkaufsmeile „herumgelungert“, ehe sie zuschlugen. Was sich dann nebenan zugetragen hat, davon bekam Vanessa B. zunächst nichts mit. „Dann habe ich sie aber wegflitzen sehen und mir schon gedacht, dass da etwas nicht stimmt.“

Miarbeiterin wurde ärztlich betreut

Exakt zu diesem Zeitpunkt rief die junge Angestellte im Laden nebenan die Polizei an und berichtete, sie sei eben überfallen worden. Besonders tragisch: Die 23-Jährige will sich beruflich verändern und hatte laut ihrer Chefin Gabriele Schmidt einen ihrer letzten Arbeitstage in der Taba-Press-Filiale. „Sie ist natürlich immer noch ziemlich fertig und musste auch ärztlich betreut werden“, sagte die Filialleiterin am Mittwoch.

Eine Überwachungskamera gibt es in dem Geschäft nicht. Dass trotzdem eine relativ genaue Beschreibung des jungen Pärchens vorliegt, ist wohl Vanessa B. zu verdanken. Denn andere wichtige Zeugen gibt es offenbar nicht, die Passage war zum Zeitpunkt des Überfalls wie leer gefegt.

Laut Albert Brück, Sprecher des Polizeipräsidiums, gab es jedenfalls bis Mittwochnachmittag keine heiße Spur von den Tätern. Die Kripo hoffe aber weiter auf Hinweise. Hier noch einmal die Beschreibung des räuberischen Duos: Der Mann soll etwa 20 Jahre alt sein und 180 cm groß. Bekleidet war er mit schwarzer Mütze und grauem Schal, ins Gesicht gezogen, schwarzer Bomberjacke, grauer Jogginghose und schwarzen Handschuhen. Seine Begleiterin ist etwa gleichaltrig und ca. 158 cm groß. Sie hat schwarze schulterlange Haare und trug ebenfalls eine schwarze Mütze und einen grauen Schal, ins Gesicht gezogen, dazu blaue Jeans, schwarze halbhohe Stiefel und eine beige Stofftasche. Hinweise nimmt die Polizei unter Tel. (0941) 506-2888 entgegen.

Unsere Karte zeigt die Tatorte. Foto: MZ-Infografik
Unsere Karte zeigt die Tatorte. Foto: MZ-Infografik

Möglicherweise sind die Täter mit einem silbernen Motorroller geflüchtet. Ein solcher stand zur Tatzeit in der Agnesstraße, auf einem Fußweg in Richtung Clermont-Ferrand-Allee. „Auffällig war hier, dass sich am Roller zudem zwei silberfarbene Helme mit rot/schwarzen Mustern befanden“, heißt es in einer Polizeimeldung vom Mittwochnachmittag.

Einen Zusammenhang zwischen den Raubüberfällen der letzten Tage vermutet die Polizei allenfalls bei drei der sechs Fälle. Hier deute das Tatgeschehen darauf hin, dass es sich um nur einen Täter handeln könnte, so Brück. Tatorte waren am 20. Dezember gegen 22 Uhr die Goldene-Bären-Straße, drei Stunden später die Ostengasse und in der Nacht zum 23. Dezember die Von-der Tann-Straße. Ein einzelner Täter hatte im Schutz der Dunkelheit Geld von seinen Opfern erpresst.

„Fälle nicht in einen Topf werfen“

„Auch wenn in insgesamt fünf Fällen Schusswaffen im Spiel waren, betrachten wir die anderen Fälle gesondert davon“, sagte der Polizeisprecher unserer Zeitung. Am 22. Dezember war ein 39-Jähriger nahe seiner Wohnung in Kumpfmühl von zwei Männern niedergeschlagen und beraubt worden, am ersten Weihnachtsfeiertag waren zwei Jugendliche auf einem Bolzplatz in Prüfening mit Waffengewalt zur Herausgabe von Bargeld und Handys gezwungen worden. Die Fahndung nach Tätern blieb auch in diesen Fällen erfolglos.

Beim Weißen Ring hat bislang keines der jüngsten Kriminalitätsopfer um Rat oder Hilfe nachgesucht. Dabei sind die Hilfsangebote laut Günther Perottoni, Leiter der Außenstelle Regensburg, vielfältig. „Menschen, die unter dem Eindruck eines Überfalls stehen, begleiten wir auf Wunsch auch zur Vernehmung bei der Polizei. Außerdem können sie über den Weißen Ring eine Rechtsberatung bekommen“, sagt Perottoni. Oft sei zunächst aber psychologische Hilfe gefragt. „Die vermitteln wir ebenfalls. Gerade wenn es schnell gehen muss, raten wir zu einer ambulanten Behandlung im Bezirkskrankenhaus.“

Überfall: Richtiges Verhalten

  • Keine Gegenwehr leisten

    Opfer von Raubüberfällen sind während und nach der Tat oft richtiggehend paralysiert, manche auch traumatisiert. Dennoch geben die Polizei, aber auch Berufsverbände Tipps für das Verhalten in einer solchen Situation. Die wichtigste Regel lautet: keine Gegenwehr. Gesundheit ist wichtiger als der Verlust von Bargeld oder Handy.

  • Täter-Merkmale einprägen

    Betroffene sollten sich nicht auf ein Gerangel mit dem Täter einlassen, schon gar nicht, wenn er bewaffnet ist. Nach dem Überfall sofort die Polizei verständigen (lassen). Für die Ermittler ist eine möglichst genaue Beschreibung der Täter wichtig, einprägen sollte man sich auffällige Merkmale wie Tätowierungen, Sprache oder Fluchtmittel.

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