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Polizei

Weniger Straßenkriminalität, mehr Gewalt

Bei der Vorstellung des Sicherheitsberichts wird klar: Drogen, Alkohol und Gewalt bleiben Problemfelder in Regensburg.
Von Mario Geisenhanslüke, MZ

Wie bei dieser groß angelegten Razzia im Bahnhofsviertel von Frankfurt am Main führt die Polizei in Regensburg auch regelmäßig viele Kontrollen durch – offen und verdeckt. Offenbar mit Erfolg.
Wie bei dieser groß angelegten Razzia im Bahnhofsviertel von Frankfurt am Main führt die Polizei in Regensburg auch regelmäßig viele Kontrollen durch – offen und verdeckt. Offenbar mit Erfolg. Symbolbild: dpa

Regensburg.Es ist der 28. Juli um 16 Uhr. Ein Donnerstagnachmittag. Vor und in den Regensburger Arcaden patrouillieren Polizisten. Ungewöhnlich viele Polizisten. Der Grund ist der Facebook-Post einer 14-Jährigen, die sich – wie sich später herausstellt – einen wirklich schlechten Scherz erlaubt hat. Sie schrieb „Kommt morgen um 17 Uhr meggi in arcaden“ und erinnerte damit an eine Nachricht des Amokläufers von München, der kurz zuvor neun Menschen umbrachte.

In Regensburg ist nichts dergleichen passiert. Die Jugendliche wurde im Dezember zu 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit „wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten“ verurteilt. Trotzdem sagt Thomas Schöniger, der Leiter der Polizeiinspektion Süd: „Man hat es gemerkt an den Anrufen der Bürger: Das subjektive Sicherheitsgefühl war dadurch schon beeinträchtigt.“

Diebstahl bleibt ein Thema: Warum Regensburg die Stadt der Diebe bleibt und die Polizei an den Autofahrern verzweifelt, lesen Sie hier!

Wie aber misst man Sicherheit? Wie Kriminalität? Auf welcher Datengrundlage kann man sagen, ob eine Stadt sicherer oder gefährlicher wird? Einfach ist das nicht. Ein Mittel ist die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS), auf welcher der Sicherheitsbericht für die Stadt Regensburg aufbaut, den die Polizeiinspektionen Nord und Süd gemeinsam mit der Kriminalpolizei am Freitag vorgestellt haben. Hier zeigt sich: Mit einer Zahl von 12 916 Gesamtstraftaten wurde erstmals die Marke von 13 000 registrierten Taten unterschritten. Gleichzeitig ist es der beste Wert der vergangenen fünf Jahre – 6,2 Prozent weniger als noch 2015.

Sicherheit als Standortfaktor

Wie bei dieser groß angelegten Razzia im Bahnhofsviertel von Frankfurt am Main führt die Polizei in Regensburg auch regelmäßig viele Kontrollen durch – offen und verdeckt. Offenbar mit Erfolg.
Wie bei dieser groß angelegten Razzia im Bahnhofsviertel von Frankfurt am Main führt die Polizei in Regensburg auch regelmäßig viele Kontrollen durch – offen und verdeckt. Offenbar mit Erfolg. Symbolbild: dpa

Gezählt werden hier die Straftaten ohne Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht. Gegen dieses können Deutsche nicht verstoßen, weil es die Einreise, den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und die Aufenthaltsbeendigung von Ausländern regelt. Deshalb wird die Statistik immer mit und ohne Verstößen in diesem Bereich ausgewiesen, weil man sie sonst verfälschen würde. Der gesunkenen Zahl der Straftaten steht mit 59,5 Prozent die höchste Aufklärungsquote im Fünfjahresvergleich gegenüber. Schöniger sagt: „Sicherheit ist nicht nur für die Wirtschaft ein wesentlicher Standortfaktor, sondern die elementare Grundlage des Zusammenlebens.“

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Spektakuläre Einsätze der Polizei 2016

Laut Experten haben aber weder die Zahl der Gesamtstraftaten noch die Gesamtaufklärungsquote eine Aussagekraft. Einer dieser Experten ist Dr. Henning Ernst Müller. Er ist Professor für Strafrecht und Kriminologie an der Uni Regensburg und sagt im Interview (Lesen Sie es hier komplett!) mit unserem Medienhaus: „Die Gesamtaufklärungsquote aber beispielsweise kann man in die Tonne treten, weil sie sehr stark davon abhängt, in wie vielen Fällen ein Tatverdächtiger schon ,mitgeliefert‘ wird.“ Einzelne Bereiche seien aber sehr wohl aussagekräftig.

Einer dieser Bereiche ist laut Müller die sogenannte Straßenkriminalität. Unter diesem Begriff werden Raub- und Sexualdelikte, gefährliche und schwere Körperverletzung, Diebstähle und Sachbeschädigungen zusammengefasst, die auf öffentlichen Straßen, Wegen, Plätzen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln begangen werden. Taten also, so schreibt die Polizei, „die das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung im hohen Maße beeinflussen“. Und Taten, bei denen man laut Müller davon ausgehen kann, dass fast alle auch angezeigt werden – also eine valide Datenbasis. Hier steht Regensburg gut da. Bewegte sich die Zahl dieser Delikte in den vergangenen Jahren immer knapp über 3000, wurde diese Marke 2016 mit 2830 Fällen erstmals unterschritten. Das entspricht einem Minus von 10,5 Prozent. „Wenn deren Zahl deutlich zurückgeht, ist das eine gute Nachricht für die Sicherheit in Regensburg“, sagt auch Müller.

Drogen bleiben ein Problem

Der erste Polizeihauptkommisar Ludwig Stegerer, der leitender Polizeidirektor Thomas Schöniger, Kriminaldirektor Franz Schimpel und die Polizeikommissarin Tanja Nuß stellten den Sicherheitsbericht 2016 vor. Foto: Geisenhanslüke
Der erste Polizeihauptkommisar Ludwig Stegerer, der leitender Polizeidirektor Thomas Schöniger, Kriminaldirektor Franz Schimpel und die Polizeikommissarin Tanja Nuß stellten den Sicherheitsbericht 2016 vor. Foto: Geisenhanslüke

Weiterhin ein großes Thema in Regensburg sind Drogen. Die Zahl der sogenannten Betäubungsmittelkriminalität stieg zwischen 2015 und 2016 um mehr als zehn Prozent an. 817 solcher Fälle und 14 Drogentote – drei weniger als im Jahr zuvor – verzeichnet die PKS. Dieser Anstieg ist laut Polizei auf der einen Seite zwar durch die höhere Kontrolldichte, aber auf der anderen Seite auch durch eine entsprechende Verfügbarkeit illegaler Drogen zu erklären.

Ein zweites großes Thema in Regensburg bleibt die Gewaltkriminalität. Hier stiegen die in der PKS erfassten Straftaten von 405 im Jahr 2015 auf 440 Taten im vergangenen Jahr an – ein Anstieg um 8,6 Prozent. Ein ähnlicher Trend ist in der Oberpfalz und im gesamten Freistaat zu beobachten. In Regensburg handelte es sich 2016 bei mehr als 74 Prozent dieser Fälle um gefährliche oder schwere Körperverletzung, von denen wiederum nicht ganz ein Drittel in der Innenstadt begangen wurde. Der Leiter der Kripo, Franz Schimpel, sagte deutlich: „Alkohol ist leider das große Problem.“ Die Tatsache, dass der oder die Täter alkoholisiert sind, sei sehr oft „tatauslösend“.

Und wer sind in Regensburg die Straftäter? Bei mehr als einem Drittel aller Tatverdächtigen handelt es sich um Verdächtige, die zum ersten Mal einer Tat verdächtigt werden. Darüberhinaus wurden 1171 Tatverdächtige im Jahr 2016 registriert, die zwischen zwei und sechs Taten auf dem Kerbholz haben sollen. Lediglich 106 Mehrfachtäter – sieben oder mehr Taten – hat die Polizei auf dem Zettel. Für diese seien auch Arbeitsabläufe geändert worden, damit beispielsweise immer der selbe Sachbearbeiter für einen Mehrfachtäter zuständig ist. Bei der Frage nach der Herkunft eines Tatverdächtigen ist es so, dass ein großer Teil der Straftaten von Deutschen begangen wird. Die Zahl der deutschen Tatverdächtigen ging zwar von 6487 auf 5941 deutlich zurück, steht aber 1747 nicht deutschten Tatverdächtigen gegenüber, deren Zahl seit fünf Jahren leicht, aber kontinuierlich steigt. Beeinflusst wird diese aber auch durch die hohe Migrationszahl zwischen Mitte 2015 und Anfang 2016. Außerdem erklärt der Leiter der PI Nord, Ludwig Stegerer: „Man muss sagen, dass bei vielen Delikten Täter und Opfer aus der Unterkunft waren, also Bürger aus Regensburg nicht betroffen waren.“

Und egal um welche Straftat es sich handelt, die drei Polizeichefs betonten am Freitag immer wieder, wie wichtig die Hilfe der Bevölkerung sei. Wer etwas beobachte, solle lieber einmal mehr, als einmal zu wenig anrufen – und am einfachsten direkt bei der 110.

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