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Gesundheit
Samstag, 21. Juli 2018 28° 8

Kann man Alzheimer davonlaufen?

Wer Ausdauersport treibt, senkt sein Demenzrisiko. Mediziner wollen nun herausfinden, ob das auch für Menschen mit Anlage für Alzheimer gilt.
Von Marion Koller, MZ

  • Während der Magnetresonanz-Tomografie müssen die Studienteilnehmer Denkaufgaben lösen, damit Veränderungen der Gehirn-Durchblutung erkennbar werden. Die Betreuer der Untersuchung (v. l.): Dr. Frank Möckel, Dr. Hans-H. Klünemann und Prof. Dr. Mark GreenleeFoto: Koller
  • Wer sich regelmäßig bewegt, tut nicht nur etwas für den Körper, sondern auch für die geistige Fitness.Foto: Archiv

REGENSBURG. Kann Sport eine Demenz auch verzögern, wenn die Betroffenen bereits Gedächtnisstörungen haben oder ein Elternteil schon mit 70 Jahren alzheimerkrank war? Dieser Frage geht ein Forschungsprojekt an der Universität Regensburg nach. Beteiligt sind Dr. Hans-H. Klünemann von der Gedächtnisambulanz des Bezirksklinikums, Psychologie-Professor Dr. Mark Greenlee und der niedergelassene Sportmediziner Dr. Frank Möckel. „Gedächtnisstörung plus eine 70-jährige Mutter mit Alzheimer - das ist die Hochrisikogruppe“, betont Neurologe und Psychiater Klünemann.

„Es droht eine Epidemie der Alzheimer-Krankheit“, begründet er die Bedeutung solcher Studien. Hauptrisiko sei das Alter. „2015 wird mehr als die Hälfte der Bevölkerung über 50 sein.“ Dass sportliche Aktivität die geistige Leistungsfähigkeit verbessere, sei inzwischen gut belegt.

Dr. Frank Möckel vom Regensburger Ärztenetz zitiert einen Artikel aus der Zeitschrift für Sportmedizin (2/2008): Fünf von sieben Studien hätten ergeben, dass regelmäßiger Ausdauersport wie Schwimmen, Laufen, Gehen, Radfahren ab dem mittleren Lebensalter das Demenzrisiko senke. „Bei uns ist neu, dass wir den genetischen Aspekt mit einbeziehen“, erklärt Dr. Hans-H. Klünemann, Leiter der Gedächtnisambulanz.

„Wir sind nicht dafür gemacht, vor dem Fernseher zu sitzen und Kartoffelchips zu essen“, stellt er fest. Das Alter sei nicht schrecklich, jeder könne selbst etwas unternehmen, um gesund zu bleiben. „Wir wissen, dass eine Alzheimer-Lawine auf uns zurollt. Wir wissen, es gibt ein genetisches Risiko. Wir wissen, dass Alzheimer mit dem Fettstoffwechsel zu tun hat und wir wissen, dass Sport hilft.“ Unklar sei, ob er auch den Risikopatienten helfe. Das wolle die Studie herausfinden.

Wie läuft die wissenschaftliche Untersuchung ab? Teilnehmen werden 20 Leute im Alter zwischen 40 und 70 Jahren, die bereits an einer leichten kognitiven Störung leiden, also vor allem Probleme mit dem Gedächtnis haben – und sich wenig bewegen. Mit normierten Tests wird gemessen, ob eine normale Vergesslichkeit oder eine echte kognitive Störung vorliegt. „Dass ein bisschen was gelöscht wird, ist klar und muss sein. Aber wenn ein 48-Jähriger schlechter ist als 97 Prozent seiner Altersgruppe, dann gehört er zu den Hochrisikopersonen“, betont Neurologe Dr. Klünemann.

Für die Studie trifft sich die Gruppe regelmäßig zum Nordic Walking. Zu Beginn und nach drei Monaten Training erhebt Dr. Frank Möckel sportmedizinische Daten zur Gesundheit und Fitness. Professor Dr. Mark Greenlee macht mittels der strahlungsfreien Magnetresonanz-Tomographie Aufnahmen vom Gehirn. „Wir wollen die Veränderung im Gehirn verfolgen“, sagt der Psychologe. Die Probanden werden jeweils im Ruhezustand und bei Gedächtnisaufgaben aufgenommen. Wenn bestimmte Gehirnbereiche nach dem Vierteljahr Sport stärker durchblutet sind, deutet das auf einen positiven Trainingseffekt hin. Für Menschen mit einem genetischen Risiko für eine Alzheimer-Erkrankung wäre es ein Hoffnungsschimmer. Für sie würde das bedeuten, dass sie der Demenz davonlaufen können.

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