MyMz

Innovation

Mit Nanosilber gegen Bakterien

Antimikrobiell beschichtete Oberflächen sollen Keime etwa in Krankenhäusern reduzieren. Das Produkt ist bereits marktreif.
Von Louisa Knobloch, MZ

  • Die mit Nanosilber beschichteten Paneele werden in einem OP des Asklepios Klinikums in Bad Abbach angebracht. Foto: Asklepios Klinikum
  • Das neue Produkt wurde von den Firmen Rent a Scientist und Lamilux mit Unterstützung der Orthopädischen Klinik für die Universität Regensburg am Asklepios Klinikum Bad Abbach entwickelt und vom ITZB gefördert. Foto: Knobloch
  • Dr. Hans-Robert Springorum mit dem Ausgangsprodukt: das nanopartikuläre Silber hat eine gold-gelbe Farbe. Foto: Knobloch
  • Die mit Nanosilber beschichteten Paneele werden in einem OP des Asklepios Klinikums in Bad Abbach angebracht. Foto: Asklepios Klinikum

Bad Abbach. Krankenhauskeime wie MRSA sind gefürchtet. 400 000 bis 600 000 Patienten infizieren sich in Deutschland Schätzungen zufolge jedes Jahr mit multiresistenten Erregern, 10 000 bis 15 000 Menschen sterben an solchen Infektionen. Zuletzt machte ein Fall am Uniklinikum Kiel Schlagzeilen – dort war bei 31 Patienten der multiresistente Keim Acinetobacter baumannii nachgewiesen worden, zwölf von ihnen starben.

Künftig könnten speziell beschichtete Oberflächen dazu beitragen, die Keimlast in Krankenhäusern zu reduzieren. Die Rent a Scientist GmbH aus Regensburg und die Firma Lamilux aus Rehau (Lkr. Hof) haben Kunstharzpaneele entwickelt, die mit Nanosilber beschichtet sind und so antimikrobiell wirken. „Wir sehen darin einen großen Mehrwert für die Hygiene im medizinischen Bereich“, sagt Gregor Schneider, Projektleiter bei Rent a Scientist. Reinigung und Desinfektion seien zwar auch künftig unerlässlich – antimikrobielle Oberflächen könnten die Vermehrung von Keimen aber auch zwischen den Reinigungsmaßnahmen vermindern.

Viele Einsatzbereiche denkbar

Auf ihre Wirksamkeit getestet werden die Paneele seit dem Herbst in der Orthopädischen Klinik für die Universität Regensburg am Asklepios Klinikum Bad Abbach. Knochen und Gelenke seien besonders empfindliche Strukturen in Bezug auf Keime, sagt Klinik-Direktor Prof. Dr. Joachim Grifka. „Die Ergebnisse sind bemerkenswert.“ Auf den mit Nanosilber beschichteten Oberflächen finde man tatsächlich weniger Keime.

Zunächst mussten Rent a Scientist und Lamilux aber die entsprechende Beschichtung entwickeln und auf die Kunstharzpaneele aufbringen. Für den Einsatz im Krankenhaus-Bereich sollten die Paneele natürlich weiß sein – das nanopartikuläre Silber hat allerdings eine gold-gelbe Farbe. Daraus ein farbneutrales Additiv herzustellen, war eine Herausforderung, sagt Schneider. Außerdem sollte die Beschichtung zwar ihre antimikrobielle Wirkung entfalten, andererseits aber möglichst wenige Silberionen freisetzen, um physiologisch unbedenklich zu sein. Denn außer in Krankenhäusern könnten die beschichteten Paneele künftig auch im Lebensmittelbereich eingesetzt werden.

Bei Lamilux wurden die Paneele dann auf Haltbarkeit und Farbstabilität getestet. Mit den Ergebnissen ist Produktmanager Sascha Oswald zufrieden: „Das Produkt funktioniert sehr gut.“ Die Hersteller gehen von einer Haltbarkeit der antimikrobiellen Wirkung von bis zu 55 Jahren aus – „es handelt sich also um eine lebenslange Ausrüstung“, betont Adi Parzl, Geschäftsführer von Rent a Scientist.

Bis zum Ende des ersten Quartals 2015 soll das Produkt auf den Markt kommen, sagt Oswald. Die beschichteten Paneele könnten nicht nur in Krankenhäusern eingesetzt werden, sondern auch im Lebensmittel- und Transportbereich – etwa bei Kühlauflegern oder Seefrachtcontainern, so Oswald. Ein weiteres denkbares Einsatzgebiet wären mobile OP-Container oder Notunterkünfte in Krisengebieten – also Orte mit schlechter hygienischer Infrastruktur. „Oberflächen, die von alleine antimikrobiell aktiv sind, wären unter widrigen Bedingungen ein riesiger Vorteil“, findet Dr. Hans-Robert Springorum.

Zahl der Keime deutlich reduziert

Gemeinsam mit dem Oberarzt Dr. Jens Schaumburger und der Doktorandin Birgit Weidel hat Springorum die Wirksamkeit der Paneele am Asklepios Klinikum untersucht. Zunächst seien beschichtete Paneele an den Wänden eines OP-Saals angebracht worden. Aufgrund der strengen Hygienevorschriften sei es dort allerdings so sauber gewesen, dass kein Nachweis der Wirksamkeit möglich war, sagt Springorum. Außerhalb des OPs wurden Tests an Tischen mit herkömmlicher und beschichteter Oberfläche gemacht. Dazu brachten die Tester Keime auf den Oberflächen auf, maßen deren Konzentration direkt nach dem Aufbringen und nochmals sechs Stunden später. „Auf den beschichteten Oberflächen war die Zahl der Keime innerhalb von sechs Stunden um bis zu 60 Prozent zurückgegangen“, sagt Springorum. Auf den herkömmlichen Oberflächen hätten sich die Keime in dieser Zeit dagegen um 30 Prozent oder mehr vermehrt. „Die antimikrobiell ausgerüsteten Oberflächen sind eine sinnvolle Ergänzung, vor allem an Orten, an denen nicht so strenge Hygienevorschriften gelten wie in einem OP“, findet Springorum.

Gefördert wurde das Projekt vom bayerischen Wirtschaftsministerium über das Innovations- und Technologiezentrum Bayern (ITZB). Dr. Christoph Pinkwart vom ITZB lobt das „interessante und erfolgreiche Projekt“. Besonders freut ihn, dass ein marktreifes Produkt entstanden ist.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht