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Medizin

Operation kann Diabetes-Patienten helfen

Bei starkem Übergewicht ist eine OP auf lange Sicht oft wirksamer als eine Behandlung mit Medikamenten, zeigen Studien.
Von Louisa Knobloch, MZ

Übergewichtigen Diabetes-Patienten kann eine Operation, etwa ein Magenbypass, helfen.
Übergewichtigen Diabetes-Patienten kann eine Operation, etwa ein Magenbypass, helfen. Foto: dpa

Regensburg. Diabetes gehört zu den großen Volkskrankheiten: Dem Bericht „Gesundheit in Deutschland“ zufolge haben rund 6,7 Millionen hierzulande einen bekannten oder unerkannten Diabetes mellitus, Tendenz steigend. In der Folge kommt es häufig zu schweren Schäden an Nervenbahnen und Blutgefäßen, die unter anderem Augen (diabetische Retinopathie) und Herz betreffen können.

Um die erhöhten Blutzuckerwerte zu senken, werden viele Diabetiker mit Insulin behandelt. Studien zeigen aber, dass übergewichtige Typ-2-Diabetiker von operativen Maßnahmen aus der Adipositas-Chirurgie profitieren können. Eine Heilung bringt die OP zwar nicht – in vielen Fällen aber eine Remission, also ein Nachlassen der Symptome.

Dass man Diabetes operativ behandeln kann, wurde eher zufällig entdeckt: Bei adipösen Patienten, die zur Behandlung ihres Übergewichts etwa einen Magenbypass bekamen, stellten Ärzte fest, dass nach der OP der Diabetes verschwand. Welche Mechanismen im Körper dazu führen und ob die Remission dauerhaft anhält, war aber zunächst unklar.

Positive Effekte nach zwei und fünf Jahren

In einer Langzeitstudie hatten Prof. Geltrude Mingrone und ihre Kollegen von der Katholischen Universität Rom 60 Patienten mit einem BMI von 35 oder mehr, die seit mindestens fünf Jahren an Diabetes erkrankt waren, untersucht. Eine Gruppe erhielt dabei die medikamentöse Standard-Diabetestherapie, die andere wurde operativ mit einem Magenbypass oder einer sogenannten biliopankreatischen Teilung (BPD) behandelt.

Den Forschern zufolge waren nach zwei Jahren 95 Prozent der Patienten mit BPD und 75 Prozent der Patienten mit Magenbypass in Remission, nach fünf Jahren waren es noch 63 Prozent aus der BPD-Gruppe und 37 Prozent aus der Bypass-Gruppe. Von den rein medikamentös behandelten Patienten erreichte demnach keiner der Patienten eine Remission. Die Ergebnisse wurden in den Fachzeitschriften „New England Journal of Medicin“ (2012) und „The Lancet“ (2015) veröffentlicht.

Lebenslange Nachsorge erforderlich

Auf lange Sicht sei eine Operation für adipöse Patienten mit Typ-2-Diabetes effektiver als eine medikamentöse Behandlung, so das Fazit der Forscher. Allerdings seien regelmäßige Kontrollen des Blutzuckers erforderlich. Denn von den Patienten, die zwei Jahre nach der Operation noch in Remission gewesen waren, wurde bei 53 Prozent aus der Bypass-Gruppe und 37 Prozent aus der BPD-Gruppe nach fünf Jahren wieder Überzucker (Hyperglykämie) festgestellt, das Hauptsymptom von Diabetes.

Eine lebenslange Nachsorge hält auch Dr. Corinna Attenberger, die das Adipositaszentrum am Caritas-Krankenhaus St. Josef in Regensburg leitet, für unerlässlich. Manche Patienten würden ein paar Jahre nach einer Adipositas-Operation wieder zehn bis 15 Prozent an Gewicht zunehmen. „Dadurch verschlechtert sich auch die diabetologische Stoffwechselsituation.“ In solchen Fällen müsse man mit Ernährungstherapie gegensteuern.

Die ärztlichen Leitlinien empfehlen eine Adipositas-Operation erst ab einem BMI von 35. Es gebe aber zunehmend Hinweise darauf, dass auch Patienten mit einem BMI zwischen 30 und 35 mit schwerem Diabetes von einer Operation profitieren könnten, so Attenberger. Dadurch sinke zugleich das Risiko für Folgeerkrankungen.

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